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Montag, 22. September 2025

Scrollicon
An einem jungen Baum liegt ein totes Hirschkalb mit aufgerissenem Bauch.
22. September 2025, 18:24    office@wildes-bayern.de

Polizei ermittelt in Enterrottach: Jungtier krankgeschossen und liegen gelassen


Die Skandal-Jagdgenossenschaft Enterrottach macht erneut Schlagzeilen – diesmal mit bitterem Tierleid. Denn dort wurde am 17. September ein totes Rotwildkalb gefunden, das offenbar nach einem schlechten Schuss qualvoll eingegangen ist. Die Polizei ermittelt momentan wegen möglicher Jagdwilderei. Es stehen aber auch Fragen wie der Verstoß gegen das Nachtjagdverbot auf Schalenwild und eine unterlassene Nachsuche im Raum.

Schuss in der Nacht – Jäger lief davon

Wie Wildes Bayern aus erster Hand erfahren hat, haben mehrere Zeugen am Dienstag Abend nach 20 Uhr im Bergwald bei Enterrottach einen Schuss vernommen. Danach wurde beobachtet, wie das Licht einer Taschen- oder Stirnlampe vom Berg herunter kam.

Ein Anwohner ging dem Jäger entgegen und fragte ihn, was passiert sei, der Mann lief aber wohl ohne zu antworten zu seinem Auto und fuhr davon. Am nächsten Morgen stieg der Anwohner dann in den Wald auf und fand das tote Hirschkalb. Der aufgerissene Bauch des Tieres legt nahe, dass es möglicherweise von einer Kugel „weich“ getroffen wurde, also im Bauch- statt im Brustraum, wo der Treffer tödlich gewesen wäre.

Schwer verletztes Jungtier stürzte wohl ab

Das gerade mal drei Monate alte Jungtier blieb nach dem Schuss also vermutlich nicht liegen, sondern versuchte schwer verletzt noch, hinter seiner Mutter her zu flüchten, bevor es aus Schwäche abstürzte und an einem Baum hängen blieb, wo es dann nach unbestimmter Zeit an seinen Verletzungen starb.

Als es am nächsten Morgen gefunden wurde, hatten sich bereits Beutegreifer, wie zum Beispiel der Fuchs, an seinem Körper gütlich getan, so waren der Nasenschwamm und die Ohren angefressen, ebenso wie die von der Kugel aufgerissene Bauchhöhle.

Jagdleiter wurde im Gebiet gesehen

Ein Jäger, der ein Stück Wild nicht tödlich trifft, ist verpflichtet, eine Nachsuche mit einem geeigneten Hund zu organisieren, um dem verletzten Tier langes Leiden zu ersparen. Nachdem der Schütze am Dienstag Abend davonfuhr und das Kalb am Mittwoch noch dort lag, ist höchst fraglich, ob das in diesem Fall passiert ist.

Die Jagdleitung in dem Gebiet liegt aktuell bei einem Forst- und Gartenbaudienstleister, der auch Jagdbewirtschaftungen nach dem Rosenheimer Modell anbietet. Der Mann wurde am Dienstag Abend mit zwei weiteren Jägern in dem besagten Gebiet gesehen.

Jagdgenossenschaft seit langem auf Abwegen

Die Jagd in Enterrottach ist Wildes Bayern mehr als gut bekannt. Sie wird von den Jagdgenossen, also Grundbesitzern, in Eigenregie betrieben. Die Vereinigung hat bereits im Winter auf sich aufmerksam gemacht, indem sie dem Rotwild die Fütterung verweigert hat. Obwohl die Jagdbehörde eine Fütterung anordnete und auch der Jagdminister bei einem Besuch vor Ort sich nicht dagegen aussprach, hatte CSU-Landrat von Löwis an einem sonnigen Januarnachmittag befunden, es sei ja kein strenger Winter, und deshalb die Anordnung seiner eigenen Behörde wieder aufgehoben. Wildes Bayern hat Anzeige wegen des Nicht-Fütterns erstattet und zudem eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den Landrat angestrengt.

Erneut in der Presse aufgetaucht ist diese Jagdgenossenschaft anlässlich ihrer Hauptversammlung. Hier war es nach dem Fütterungsdesaster nämlich offenbar nicht möglich, ausreichend Stimmen für die Entlastung des Vorstands zusammenzubringen – woraufhin der Vorstand einfach mitstimmte, und dann passte das schon. Es ist also höchst fraglich, ob die beiden Vorsitzenden dies tatsächlich noch sind. Die Jagdbehörde lässt den Vorgang juristisch prüfen. Die entsprechende Medienberichterstattung findet Ihr hier.

Einen Bericht aus dem Miesbacher Merkur zu dem tot gefundenen Rotwildkalb findet Ihr hier.

Und hier findet Ihr nochmal alle unsere bisherigen Berichte zu den Skandalen in der Jagdgenossenschaft Enterrottach.

 

Bildquelle: privat




Lutz Herz schrieb:


Das sind keine Jäger sondern Tierschinder.
Man schämt sich als Jäger bei solchen Typen.
Das kommt bei Jagdgenossenschaften in Eigenbewirtschaftung raus.

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