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Dienstag, 14. Juli 2026

Scrollicon
Auf einem Holzzaun vor Bäumen sitzt ein junger, brauner Gänsegeier
14. Juli 2026, 14:40    office@wildes-bayern.de

Gänsegeier – fragil, faszinierend und verhasst


Manche Meldungen sind sehr schwer zu ertragen, zum Beispiel eine aktuelle aus Österreich, wo in den Hohen Tauern binnen weniger Wochen sieben (!) mit Carbofuran vergiftete Gänsegeier gefunden wurden. Nur einer überlebte. Carbofuran ist ein landwirtschaftliches Pestizid, das schon seit fast zwei Jahrzehnten in Europa verboten ist – doch immer und immer wieder werden damit Vögel getötet.

Im österreichischen Fall gehen die Vermutungen dahin, dass irgendwo vergiftete Köder für Aasfresser ausgelegt wurden. Ob das Gift die Greifvögel treffen sollte, die im Sommer in großer Zahl in der Region leben, oder vielleicht einen großen Beutegreifer, wie Wolf oder Bär, ist nicht klar. Geier zu töten, macht allerdings überhaupt keinen Sinn, da sie – anders als Wolf oder Bär – tatsächlich ausschließlich von Aas leben. Sie töten also keine Lämmer oder kein Jungwild.

Obwohl Gänsegeier bei uns in Bayern nicht fest vorkommen, also keine Standvögel sind, werden sie hier im Sommer immer wieder gesehen. Ein überraschender Nachweis von zwei Tieren erreichte uns in diesem Jahr sogar aus Grafenwöhr! Bis in die Oberpfalz fliegen allerdings die wenigsten der Tiere, die bis zu 2,70 Meter Spannweite haben können und damit pro Tag schon mal ein paar Hundert Kilometer zurücklegen.

Gerade am Alpenrand sind Meldungen hingegen keine Seltenheit. Bedauerlicherweise werden die zumeist jungen Vögel, die auf der Suche nach Nahrung so weite Strecken zurücklegen, bei uns hin und wieder die Opfer von Windrädern. Auch diese Meldung erreichte uns im Juni: Ein junger Gänsegeier war im Flug von einem Propeller eines Windrads bei Mindelheim getroffen worden. Der Hieb trennte ihm den Steiß und die Beine ab – der Vogel stürzte zu Boden und ging elendig ein.

Diese Schicksale sind wirklich traurig, denn Gänsegeier sind hoch faszinierende Tiere, die es in unserer Landschaft sehr schwer haben, denn totes Wild findet sich immer seltener. Und in jenen Ländern, wo noch mehr Weidevieh im Freien steht und auch mal stirbt, sorgen veterinärmedizinische Medikamente für viele Todesopfer unter Geiern. Am bekanntesten sind dabei die nichtsteroidalen Antirheumatika, also fieber- und entzündungshemmende Schmerzmittel, wie solche mit dem Wirkstoff Diclofenac.

Ihre Fortpflanzung beschränkt sich meist auf ein einziges Jungtier pro Jahr, wenn überhaupt. Die riesigen Vögel mit der „Federboa“ um die Brust und dem knapp befiederten Kopf zeigen ein sehr liebevolles Balzverhalten und kümmern sich gemeinschaftlich um ihren Nachwuchs.

Wer glaubt, solchen fragilen Kreaturen mit Gift zuleibe rücken zu müssen, hat unser tiefes Mitgefühl, er ist nämlich eine ganz arme Sau.

 

Hier finden Sie eine tolle Seite für Jugendliche mit vielen Fotos von Gänsegeiern von Gerhard Brodowski

Den Bericht über den Gänsegeier, der im Allgäu von einem Windrad erschlagen wurde, finden Sie hier

Hier berichtet eine Geier-Schutzorganisation über die sieben vergifteten Vögel in Tirol und Kärnten

Hier finden Sie einen Kommentar der Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen zu dem Tod des Gänsegeiers im Allgäu

Hier finden Sie eine ausführliche Broschüre in englischer Sprache zur Rolle der NSAIDs auf Geier

Bildquelle: Danydory auf Pixabay.de




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