Schnee und Eis hatten uns diesen Winter ganz schön hart im Griff, und durch die Wetter- und Temperaturwechsel kam es zwischendrin immer wieder zu Regen, so dass harte Harsch- und Eisdecken entstanden. Wie wir zum Beispiel an der Fütterung Rottach-Egern aufzeigten, versuchte das Wild verzweifelt, sich Äsung unter dem Schnee freizuschlagen – aber was soll es dann äsen, wenn überhaupt nur erfrorenes Gras da ist?
Die Zeitschrift Pirsch hat sich einen kleinen Überblick über den Umgang mit den Wetterlagen, der Notzeit und dem Thema Fütterung in Deutschland verschafft, den Sie unten nachlesen können. Den Beitrag in der Pirsch finden Sie hier
Parallel dazu hat Bayerns Jagdminister Hubert Aiwanger Ende Februar eine Rotwildfütterung des Staatsforstbetriebs BaySf in Krün besucht und dabei gesagt:
„Großer Dank an alle Jäger und Jagdgenossenschaften, die sich dieser wichtigen Aufgabe stellen. Wir brauchen die Rechtssicherheit, solche Fütterungen von Anfang November bis Ende April zu betreiben und können nicht, wie zuletzt in einem Extremfall betrieben, die Futtervorlage je nach aktueller Wetterlage immer wieder beenden oder wieder aufnehmen. Das Rotwild braucht die kontinuierliche Futtervorlage an der gewohnten Fütterung, sonst provoziert man Verbiss- und Schälschäden, wenn sie einen leeren Futtertrog vorfinden.“
Das könnte so schön klingen gerade in den Ohren all jener, die zum Beispiel das Fütterungsdrama in Rottach-Egern verfolgt haben. Schade nur, dass es einfach nur Worte sind, die keine Wirkung entfalten – nicht mal in den verschiedenen Betrieben der BaySf. Sonst würden wohl einfach alle diese Forstbetriebe tierschutzgerecht füttern. Doch leider ist bekannt, dass zum Beispiel im Forstbetrieb Oberammergau das Wild auch in diesem Winter wieder allzu lange auf Futtervorlagen warten musste, weil die Mitarbeiter noch damit beschäftigt waren, möglichst viele Stücke auf ihrem Weg in die Gatter abzupassen und zu erlegen.
In Oberammergau setzt man in der Ägide Aiwanger ebenso wie unter allen seinen Vorgängern auf die Büchse als Instrument der „Schadensvermeidung“ (um die es allerdings nicht wirklich gehen kann, sonst hätten zum Beispiel die nachbeantragten Abschüsse der letzten Jahre ja längst Wirkung zeigen müssen. Aus unserer Sicht regiert hier ein einziges ideologisches Diktat, der Wildhass).
In der Pressemitteilung des Hauses Aiwanger heißt es weiter: „Die Fütterung verfolgt das Ziel, dem Rotwild ein Überleben in den Bergwäldern, seinem eigentlichen Sommerhabitat zu ermöglichen, da die Wanderung in die früheren Winterlebensräume im Flachland aufgrund von Siedlungen und Infrastruktur heute kaum mehr möglich ist. So werden sensible Schutzwaldbereiche und Verjüngungsflächen der Wälder entlastet und übermäßiger Verbiss an Bäumen vermieden. Durch die an die örtlichen Gegebenheiten angepasste Verteilung der Fütterungen kann der Wildeinfluss auf den Wald reduziert und gleichzeitig sichergestellt werden, dass das Rotwild die nahrungsarme Winterzeit tierschutzgerecht übersteht. Der Forstbetrieb Bad Tölz der BaySF betreibt insgesamt 17 Rotwildfütterungen und verfolgt damit ein flächig abgestimmtes Lenkungskonzept zur Reduzierung von Wildschäden.“
Klingt nach einer perfekten Lösung und Mensch-Tier-Idylle, nicht wahr? Im gleichen Atemzug fordert der Minister allerdings „flexible“ Dreijahres- und Poolabschusspläne fürs Rotwild. Weg mit der lästigen Bürokratie und Kontrolle durch fachlich versierte Behörden! Weg mit dem Aufwand, den es bedeutet, nach (beim weiblichen Wild unvollständigen) Erfüllung des Abschussplans einfach nochmal 30 Hirsche drauf zu satteln…
Und damit auch eine externe Kontrolle, zum Beispiel durch Wildes Bayern oder andere, schwer bis unmöglich gemacht wird, wurde im Zuge der Jagdgesetzänderung auch am Umweltinformationsgesetz „gedreht“. Transparenz, Nachhaltigkeit sowie Tier- und Naturschutz gehen anders!
Die Pressemitteilung des Wirtschafts- und Jagdministeriums finden Sie hier
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