Bayerns staatliches Forstunternehmen bekommt einen neuen Chef, und möglicherweise geraten die bayerischen Naturschätze damit vom Dauerregen in die Traufe. Denn der bisherige Vorstandsvorsitzende Martin Neumeyer, der in Ruhestand geht, wird zum 1. Juli abgelöst durch einen völlig Fachfremden aus dem Norden: Olaf Hermes aus Bonn.
Die Zeichen für die Natur stehen auf Sturm, denn Hermes hat neben wirtschaftlichen, kaufmännischen, vertriebs- und marketingtechnischen Kompetenzen vor allem eines: besondere Erfahrungen mit Projekten im Bereich der Erneuerbaren Energien, wie das Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landespflege und Entwicklung in seiner Pressemitteilung hervorhebt, dessen Chef Hubert Aiwanger auch Vorsitzender des BaySf-Aufsichtsrats ist.
Wo bitte liest man hier eine Qualifikation von Olaf Hermes für den Fachbereich Forst, Wald, Wildtiermanagement oder gar Natur heraus? Denn genau so definieren sich doch die Bayerischen Staatsforsten selbst: „Wir arbeiten in engem Bezug zur Natur und sind uns unserer großen Verantwortung für die Zukunft des bayerischen Staatswaldes bewusst. Das dafür notwendige ökologische, soziale und ökonomische Denken ist Teil unserer Arbeit…“ Und weiter: „Die Bayerischen Staatsforsten sind verantwortlich für ein wertvolles Kulturgut in Bayern: Unseren Staatswald. Wir sehen unsere Kernaufgabe in der nachhaltigen Waldbewirtschaftung unter dem Motto Schützen und Nutzen auf gleicher Fläche. Als einer der größten Forstbetriebe in Mitteleuropa liegen rund 750.000 Hektar Waldfläche in unserer Verantwortung…“
Der Wechsel von Hermes von den Stadtwerken Bonn an die Spitze der bayerischen Staatsforsten ist überhaupt ziemlich abrupt und überraschend erfolgt.
Hermes war nach eigenen Angaben seit Oktober 2022 Vorsitzender der Geschäftsführung der Stadtwerke Bonn (SWB) und Geschäftsführer von SWB Energie und Wasser. Laut einem Bericht des WDR hatten sich die von Hermes geführten SWB gegen den Willen der Stadt für das Vorkaufsrecht einer Grundstücksfläche entschieden. Ein enger Mitarbeiter des Oberbürgermeisters soll daraufhin Druck gemacht haben, auf das Geschäft zu verzichten – zugunsten von einem Mitbewerber.
Die Einmischung führte zum Streit zwischen dem Oberbürgermeister und Hermes. Der wurde zwar nach Aussagen von beiden vorerst beigelegt, Hermes sah dann aber plötzlich doch keine Grundlage mehr für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit. Am 24. März 2026 ist er überraschend von seinem Job zurückgetreten, was er vorher erst angekündigt und dann wieder fallengelassen hatte. Gerade mal drei Wochen später verkündeten die Bayerischen Staatsforsten schon seinen Dienstantritt zum 1. Juli in Regensburg.
Wo die Reise hingeht, beschreibt das Haus Aiwanger selbst am besten: „Die Etablierung neuer Geschäftsfelder wie den Erneuerbaren Energien spielt eine zunehmend wichtige Rolle für die BaySF.“ Was Bayerns Wäldern damit bevorsteht, kann sich jeder selbst ausmalen. Das Online-Medium „Tichys Einblick“ betitelte Hermes kurzerhand als „Der Abholzer“…
Den Beitrag auf „Tichys Einblick“ können Sie gegen Bezahlung hier zum Lesen erwerben
Die Pressemeldung des BayStMWi finden Sie hier
Bildquelle: Monika Baudrexl
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