Blogpost
Montag, 08. September 2025

Scrollicon
Bunte Akrobatik mit Abschusszahlen im Unterallgäu
08. September 2025, 16:18    office@wildes-bayern.de

Bunte Akrobatik mit Abschusszahlen im Unterallgäu


Seit im Frühjahr 2025 die neue Abschussplanperiode auf Rehwild begonnen hat, beobachten wir ein rätselhaftes Phänomen. Denn während es einzelne Jagdbehörden gibt, die nach wie vor ihre eigene Fachkompetenz einsetzen, wenn es um die Bestätigung oder Festsetzung von Abschussplänen geht, gibt es andere, die einfach hemmungslos draufschlagen – manchmal sogar über den gemeinschaftlichen Willen von Jäger und Jagdgenossenschaft hinweg.

Ein besonders spannender Fall scheint der Landkreis Unterallgäu zu sein, dessen Abschusspläne wir neulich im Sinne einiger Mitglieder durchgeforstet haben. Dabei sind uns ganz komische Entwicklungen aufgefallen. Zum Beispiel wurden Abschusspläne drastisch erhöht, wie etwa von 65 (alt) auf 105 (neu), von 291 (alt) auf 330 (neu)  oder von 135 (alt) auf 197 (neu).

Selbst die 24 Staatsjagdreviere (StJR) in den Hegegemeinschaften des Unterallgäus haben teilsweise derartige deutliche Erhöhungen – hier aber auch noch verbunden mit abenteuerlichen Geschlechteraufteilungen. Auffallend ist, dass bis zu drei Mal soviele Geißen geschossen werden wie Böcke. Gibt es einen geheimen Beschluss zur Ausrottung der Wildart, oder wie lässt sich eine so drastische Reduktion der Zuwachsträger begründen? Und wie ist es zu deuten, dass ein so massiver Eingriff in der letzten Abschussplanperiode jetzt wiederholt werden soll – hat er nicht gefruchtet, oder wird hier auf Jagd- oder Behördenseite ohnehin nur mit Fantasiezahlen jongliert?

Spannend ist auch ein Eigenjagdrevier, das im vergangenen Jahr nicht mal ein Drittel seines Abschuss-Solls erfüllen konnte. Dass die Behörde mit dem Plan daraufhin deutlich herunterging, ist zwar irgendwie sinnrichtig und zu begrüßen – aber wie kam es überhaupt zu der ersten, vollkommen überhöhten Forderung? Und warum liegt der Plan jetzt bei mehr als einem Drittel über dem aktuellen Ist?

Uns beschleicht das mulmige Gefühl, dass es ein Paralleluniversum geben muss, in dem all diese Dinge normal und in Ordnung sind – in unserer Realität jedenfalls haben sie nichts mit dem Erhalt eines gesunden Wildbestands zu tun, wie ihn das Jagdgesetz vorschreibt und die Schalenwildhegerichtlinie präzisiert. Denn dazu gehört unter anderem ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis.

Weil wir die Daten also mit unserem Old-school-Fachwissen nicht in Einklang bringen können, hat Wildes Bayern mal eine Anfrage nach Umweltinformationen an die Bayerischen Staatsforsten und ihren Forstbetrieb Ottobeuren geschickt, in dem die Staatsjagdreviere liegen. Wir möchten doch wissen, ob es wildbiologisch begründete Sachverhalte als Ursache für die verschobenen Geschlechterverhältnisse und Alterklassenverteilung in den früheren und den aktuellen Abschussplänen gibt. Vielleicht eröffnet man uns Einblick in das neue Universum.

 




Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.






Weitere Beiträge zu diesem und verwandten Themen finden Sie hier:

Sikawild soll als invasive Art ausgerottet werden

Jetzt Petition für besseren Umgang mit Schalenwild in Thüringen unterzeichnen!

… und die Schonzeit gilt jetzt auch am Eibsee!

Petition zum Erhalt einer Wildtierstation

Rotwildinitiative Schönbuch fordert Abschussstop

Totes Wild melden hilft Tierleben retten! UPDATE

„Schädling“? Das Reh ist der Sündenbock der Forstlobby

Kitze zermäht – mehrere Anzeigen gegen Landwirte

Tierschutzdrama bei Pfingst-Festival: Zwei Kitze tot

Nennt es, was es ist: Schädlingsbekämpfung

Gastbeitrag: Zwischen Hegeauftrag und Waidgerechtigkeit

Die Buche – Zukunftsbaum oder Todeskandidat?

Wilde Schweine alt werden lassen!

Wildereifälle am Chiemsee – wer hat was gesehen?

„Sündenbock Reh“ – Film über Wild und Forst in der Mediathek

„Die Faust im Nacken“ der Jagdgenossen

Rotwild – Tier des Jahres oder Spielball von Forst und Jagd?

Bayern braucht eine Jagdpräsidentin UPDATE

Linktipp: Artikel über Österreichs Jagdpolitik

Vorfall Kanisfluh 2022: Drohnenpilot verurteilt

Reh, Rothirsch, Damwild… wer ist was?

Jungjäger zum achtsamen Jagen bringen

Jagd oder Wilderei – wo sind hier die Grenzen?

Hirsch äst am Silo – abgeknallt

„Rehfriedhof“ im Wald bei Anger UPDATE

UPDATE Rottach-Egern: Jagdgenossen gehen auf die Barrikaden

Und wieder knallts in einer Eigenbewirtschaftung UPDATE

Eiskalte Tötung eines geretteten Rehs?

Was uns Jagdunfälle lehren müssen

KI deckt Verschwinden der Rehe in Nationalpark auf






Aktuelle Informationen



Sikawild soll als invasive Art ausgerottet werden Das auch in Bayern heimische Sikawild steht seit 2025 auf einer Schwarzen Liste der EU-Kommission: Es wurde als invasives Neozoon…

Sonntag, 05. Juli 2026
Jetzt lesen
Spannender Podcast über Wild am Berg mit Dr. Christine Miller Der Südtiroler Jagdverband hat einen eigenen Podcast, genannt "Wild-Ragu: Rezepte für eine zeitgemäße Jagd". Die Serie will Fakten liefern zu…

Freitag, 03. Juli 2026
Jetzt lesen
Video aus Polen: Wölfe greifen Bisons an Das Fotofallen-Video, das wir Ihnen hier verlinken, ist ein genialer Zufallsfang des Säugetierforschungsinstitut der Polnischen Akademie der Wissenschaften im Urwald…

Donnerstag, 02. Juli 2026
Jetzt lesen

Mitglied werden