Zwei tote Kitze, eins wahrscheinlich in ewiger Gefangenschaft – ist das die Party wert? Am Airport Memmingen findet jedes Jahr zu Pfingsten das „Ikarus“-Musikfestival statt. Drei Tage lang campen rund 120.000 Leute auf dem Gelände und raven zu Musik auf acht verschiedenen Bühnen. Eine davon, die Onos-Bühne, wurde in diesem Jahr erstmals aufgebaut, und zwar in einem Gelände unter Bäumen – mitten in einem Lebensraum von Reh und Hase.
Es ist ein Wunder, dass die Tanzenden durch den Lärm hindurch das Fiepen der Kitze vernahmen, die in dem naturbelassenen Bereich des Flughafens gesetzt worden waren. Ein Team der Polizei musste die Jungtiere gemeinsam mit dem Jagdpächter aus dem Festivalbereich „retten“ und in eine Auffangstation bringen – zwei von ihnen haben diese Trennung von ihren Müttern nicht überlebt.
Von Seiten der Jagd und Polizei kam vor allem Kritik an der Genehmigung für das Festival. Es sollte auf keinen Fall in der Brut- und Setzzeit stattfinden, und außerdem sollte vorgeschrieben sein, dass im Vorfeld die Bereiche, die dann von Teilnehmern überflutet werden, gezielt gestört werden, so dass Geißen und andere Wildtiere diese Bereiche nicht für die Fortpflanzung nutzen. Die Behörden gaben an, dass ihnen das Vorkommen von Rehkitzen dort nicht bekannt gewesen sei. Für Feldlerche und Zauneidechse, die hier ebenfalls vorkommen, hatte es im Genehmigungsbescheid wohl Auflagen gegeben.
Der Flughafen Memmingen gilt zwar offiziell als Industriefläche, bezeichnet sich selbst als „green airport“ und führt gezielt Ausgleichs- und Naturschutzmaßnahmen durch. Dadurch enthält das Gelände auch attraktive Wald- und Offenlandbereiche, Feuchtwiesen und mehr.
Die Infos zu dem Vorfall mit drei Rehkitzen beim Ikarus-Festival finden Sie hier
Mehr Infos zur Ökologie auf dem Flughafen Memmingen finden Sie hier
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