Wenn im Herbst die Tage kürzer und kühler werden, sind wir das Stechmückenproblem draußen erstmal los – oder doch nicht? Diese beruhigende Wahrheit gilt offenbar auf dem Land eher als in der Stadt, wie eine Studie aus Ohio jetzt aufgezeigt hat.
Normalerweise gehen die Weibchen der Gemeinen Stechmücke (Culex pipiens) ab dem Herbst in eine Überwinterungsruhe. Ausgelöst wird diese Winterpause vor allem durch die abnehmende Tageslänge und sinkende Temperaturen. Die Weibchen hören dann auf, Blut zu saugen und Eier zu entwickeln – damit sind sie uns Menschen nicht mehr lästig. Aber sie sind nicht tot: Die Mücken legen Fettreserven an und überwintern in Kellern, Schuppen oder Höhlen. Die Wissenschaftler haben jetzt festgestellt, dass künstliches Licht nachts in den Städten diesen Mechanismus stört.
In Städten treffen für den Mückenschlaf zwei Störfaktoren aufeinander: nächtliche Beleuchtung und der Wärmeinseleffekt, bei dem Asphalt und Mauerwerk tagsüber Wärme speichern und nachts wieder abgeben. Die Forscher haben die beiden Aspekte getrennt voneinander untersucht. Heraus kam, dass das Licht die Winterruhe hemmte und dabei deutlich stärker wirkte als die städtische Erwärmung. An den dunklen Standorten traten im Oktober alle Weibchen in die Winterpause ein. Ein Großteil der lichtexponierten Tiere tat das nicht. Ihre Eifollikel waren größer – ein Zeichen dafür, dass sie sich auf Blutmahlzeiten und Fortpflanzung einstellten, statt Reserven für den Winter anzulegen.
Mücken in der Winterpause saugen kein Blut und übertragen daher auch keine Krankheitserreger, wie zum Beispiel das West-Nil-Virus. Nächtliche Beleuchtung kann die Stechsaison bis in den Spätherbst verlängern und damit das Infektionsrisiko für Stadtbewohner und Tiere erhöhen. Das betrifft auch die Bewohner von Mitteleuropa: Culex pipiens ist ein Überträger des West-Nil-Virus in Europa, das inzwischen auch in Deutschland nachgewiesen wurde. Schon schwaches warmweißes Licht gewöhnlicher Haus- und Verandalampen genügt, um die Winterruhe zu verschieben. Dimmen oder wärmere Lichtfarben allein reichen daher wohl nicht aus.
Entscheidend ist, wohin das Licht fällt und wie lange es brennt. Die Forschenden empfehlen da, wo Lampen wirklich nötig sind, abgeschirmte Leuchten ohne Streulicht sowie Zeitschaltuhren und Bewegungsmelder, bei denen das Licht zwischendurch immer wieder ausgeht. Davon profitieren auch Fledermäuse, Nachtfalter und viele anderen Arten. Außerdem sollten potenzielle Brutstätten von Stechmücken in Wohnquartieren, wie Regentonnen oder verstopfte Dachrinnen, konsequent beseitigt werden. Städte könnten zudem die Mückenüberwachung in stark beleuchteten Stadtteilen bis in den Spätherbst ausdehnen.
Bildquelle: Symbolbild: Miku Aalto/Pixabay.de
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