Blogpost
Mittwoch, 04. November 2026

Scrollicon
Auf menschlicher Haut sitzt eine Stechmücke
04. November 2026, 15:45    office@wildes-bayern.de

Stadtlicht verlängert die Stechmückensaison


Wenn im Herbst die Tage kürzer und kühler werden, sind wir das Stechmückenproblem draußen erstmal los – oder doch nicht? Diese beruhigende Wahrheit gilt offenbar auf dem Land eher als in der Stadt, wie eine Studie aus Ohio jetzt aufgezeigt hat.

Normalerweise gehen die Weibchen der Gemeinen Stechmücke (Culex pipiens) ab dem Herbst in eine Überwinterungsruhe. Ausgelöst wird diese Winterpause vor allem durch die abnehmende Tageslänge und sinkende Temperaturen. Die Weibchen hören dann auf, Blut zu saugen und Eier zu entwickeln – damit sind sie uns Menschen nicht mehr lästig. Aber sie sind nicht tot: Die Mücken legen Fettreserven an und überwintern in Kellern, Schuppen oder Höhlen. Die Wissenschaftler haben jetzt festgestellt, dass künstliches Licht nachts in den Städten diesen Mechanismus stört.

Licht hält Mücken aktiv

In Städten treffen für den Mückenschlaf zwei Störfaktoren aufeinander: nächtliche Beleuchtung und der Wärmeinseleffekt, bei dem Asphalt und Mauerwerk tagsüber Wärme speichern und nachts wieder abgeben. Die Forscher haben die beiden Aspekte getrennt voneinander untersucht. Heraus kam, dass das Licht die Winterruhe hemmte und dabei deutlich stärker wirkte als die städtische Erwärmung. An den dunklen Standorten traten im Oktober alle Weibchen in die Winterpause ein. Ein Großteil der lichtexponierten Tiere tat das nicht. Ihre Eifollikel waren größer – ein Zeichen dafür, dass sie sich auf Blutmahlzeiten und Fortpflanzung einstellten, statt Reserven für den Winter anzulegen.

Längeres Infektionsrisiko

Mücken in der Winterpause saugen kein Blut und übertragen daher auch keine Krankheitserreger, wie zum Beispiel das West-Nil-Virus. Nächtliche Beleuchtung kann die Stechsaison bis in den Spätherbst verlängern und damit das Infektionsrisiko für Stadtbewohner und Tiere erhöhen. Das betrifft auch die Bewohner von Mitteleuropa: Culex pipiens ist ein Überträger des West-Nil-Virus in Europa, das inzwischen auch in Deutschland nachgewiesen wurde. Schon schwaches warmweißes Licht gewöhnlicher Haus- und Verandalampen genügt, um die Winterruhe zu verschieben. Dimmen oder wärmere Lichtfarben allein reichen daher wohl nicht aus.

Lösungsansätze

Entscheidend ist, wohin das Licht fällt und wie lange es brennt. Die Forschenden empfehlen da, wo Lampen wirklich nötig sind, abgeschirmte Leuchten ohne Streulicht sowie Zeitschaltuhren und Bewegungsmelder, bei denen das Licht zwischendurch immer wieder ausgeht. Davon profitieren auch Fledermäuse, Nachtfalter und viele anderen Arten. Außerdem sollten potenzielle Brutstätten von Stechmücken in Wohnquartieren, wie Regentonnen oder verstopfte Dachrinnen, konsequent beseitigt werden. Städte könnten zudem die Mückenüberwachung in stark beleuchteten Stadtteilen bis in den Spätherbst ausdehnen.

 

Bildquelle: Symbolbild: Miku Aalto/Pixabay.de




Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.






Weitere Beiträge zu diesem und verwandten Themen finden Sie hier:

Helle Schleiereulen jagen anders

Studie zeigt: Mehr Vogelschutz an Stromleitungen nötig

Krähen entscheiden doppelt so schnell wie wir

Kitzrettung weiter erforscht

Sand-Lebensräume für Heuschrecken pflegen

Schweizer Studie wertet langjährige Entwicklung der Insekten aus

Kleinteilige Feldnutzung steigert Artenvielfalt – Modell der Zukunft?

Feld- und Schneehase: Wie teilen sie sich die Nahrung?

Zu wenige Städte nutzen Grün fürs Klima

Pflanzenfresser ansiedeln statt auslöschen!

Was unsere Vögel wirklich beeinflusst

Wie Wildtiere Spurenelemente verteilen

Junge Steinadler verraten Wichtiges über Nesthocker

Käferstudie zeigt, wie sich Elternfürsorge auszahlt

Aale brauchen Lebensraum, aber vor allem Beute

Was ein Wehr für einen Jungfisch bedeutet

Eichhörnchen sind eine Leitart für Stadtnatur

Bäume sind Gesundheitssschutz – wichtige Entscheidung aus Regensburg

Wölfe – nicht die Jagd bewegt sie, sondern die Beute!

Entwurmungsmittel bringt Nahrungskette durcheinander

Amerikanische Bisons als Blaupause für unser Wild UPDATE

Braunkehlchen, so zäh wie winzige Ironmen…

Mehrjährige Grashalme als Hotspots der Insektenvielfalt

UPDATE Katastrophe am Gewässergrund: Massensterben von Muscheln

Wer einen Vogel hat, ist klarer im Kopf

Archäologie im Bartgeierbett

Das Hermelin – im Klimawandel bald gefährdet?

Rotwild-Genetik-Studie: Kanibers Hütchenspieler

Allmende – Weiden für unser aller Artenvielfalt

Unordnung im Wald zahlt sich in Arten aus






Aktuelle Informationen



TERMIN: 17.11. Vorstellung des Handbuchs Wildtierrettung in Wien Unser Handbuch zur Wildtierrettung ist weiter auf Erfolgskurs! Jetzt steht die Präsentation des Werks in Wien kurz bevor. Vielleicht können…

Mittwoch, 04. November 2026
Jetzt lesen
UPDATE Aiwanger wirft das Rotwild den Wildhassern in den Rachen Nach Veröffentlichung der Änderungsverordnung zur AVBayJG hat Wildes Bayern in Bezug auf das Rotwild ausführlich Stellung genommen. Das Positionspapier finden…

Mittwoch, 04. November 2026
Jetzt lesen
Helle Schleiereulen jagen anders Bald ist Halloween – und wer dieser Tage nachts draußen unterwegs ist, begegnet sicher hin und wieder einem unheimlichen, vollkommen…

Freitag, 30. Oktober 2026
Jetzt lesen

Mitglied werden