Wo weniger Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden und verschiedene Kulturpflanzen dicht nebeneinander wachsen, fühlen sich Vögel wohler und kommen häufiger vor. Das klingt jetzt erstmal fast nach einer Binsenweisheit. Die zugrunde liegende Studie unter der Leitung des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) hat allerdings mit neuen Methoden gearbeitet, die uns den Weg in eine gesündere und artenreichere Zukunft weisen könnten.
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des ZALF untersuchten, wie sich kleinteilig verschiedene Anbaumethoden auf die Vogelwelt auswirken, und sie bekamen ein eindeutiges Ergebnis: Um rund 70 Prozent häufiger wurde ein kleinteilig bewirtschaftetes Versuchsfeld von Vögeln aufgesucht als die benachbarten, herkömmlich bewirtschafteten großen Vergleichsfelder.
Aber die Vögel waren hier nicht nur häufiger anzutreffen, sondern sie verhielten sich auch anders. Sie bildeten kleine Gruppen und hielten sich bevorzugt in Bereichen auf, die durch eine geringere Nutzung von Pestiziden und eine höhere Pflanzenvielfalt gekennzeichnet waren. Besonders die Feldlerche, ein Vogel, der auf offenen Flächen brütet und oft als Charaktervogel der Agrarlandschaft gilt, profitierte von diesen Bedingungen: In den Bereichen mit weniger chemisch-synthetischem Pflanzenschutz, benachbarten Blühstreifen und mehr Wildkräutern kam sie signifikant häufiger vor.
Die Daten zeigen nach Ansicht der Wissenschaftler deutlich, dass es nicht nur darauf ankommt, was angebaut wird, sondern auch, wie die Fläche gestaltet und gepflegt wird. Die Felder kleiner zu machen, verschiedene Kulturen zu kombinieren und chemisch-synthetischen Pflanzenschutz, wo immer möglich, zu reduzieren, kann Vögeln bereits deutlich mehr Lebensräume, Nahrung und Schutz bieten. Anders gesagt: Eine vielfältige Landschaft ist widerstandsfähiger und artenreicher.
Ein „Knackpunkt“ bei dieser Studie war die Anwendung der sogenannten SPPA-Methode. Diese baut nicht auf vorab festgelegten Vergleichsflächen auf, sondern nimmt die räumliche Verteilung der Beobachtungen selbst als Grundlage und prüft, ob diese zufällig ist oder Regelmäßigkeiten aufzeigt. Dadurch lassen sich verschiedene Umweltfaktoren – etwa Pflanzenschutzeinsatz, Bodenbeschaffenheit oder Vegetationsstruktur – gleichzeitig berücksichtigen und ihre jeweiligen Effekte auseinanderhalten. Die Studie zeigt damit, dass sich auch aus nicht wiederholbaren, praxisnahen Feldversuchen belastbare wissenschaftliche Aussagen ableiten lassen – ein Ansatz, der Forschung auf landwirtschaftlichen Betriebsflächen künftig auf eine wissenschaftlich fundiertere Basis stellen könnte.
Viele verschiedene Kulturen auf vielen kleinen Teilflächen anzubauen, ist mit den aktuell üblichen großen Maschinen schwer umzusetzen. Das könnte sich in der Zukunft aber ändern, wenn autonome Feldroboter praxisreif werden, wie sie auch im vorliegenden „patchCROP“-Experiment erprobt wurden.
Resümee der Forscher: Die Integration von Naturschutz in die bewirtschaftete Fläche bietet einen vielversprechenden Weg, Ernährungssicherheit und Artenschutz zu verbinden. Weitere Forschung ist nötig, um zu klären, wie sich diese Systeme langfristig auf die Wirtschaftlichkeit der Betriebe auswirken, und wie sie flächendeckend umgesetzt werden können.
Die original Studie in englischer Sprache können Sie hier nachlesen
Eine Pressemitteilung zur Studie finden Sie hier
Bildquelle: Hendrik Schneider/ZALF
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