Indien ist ungefähr zehnmal so groß wie Deutschland, aber das Land ist auch um einiges ärmer. Trotzdem hat es gerade einen Schritt geschafft, um den die bayerische Politik sich endlos herumdrückt: Im Süden hat die Region Tamil Nadu offiziell drei Wanderkorridore für ihre größten wildlebenden Säugetiere ausgewiesen. Das sind in Indien die ikonischen Elefanten – bei uns wären es „bloß“ die kulturell ebenso tief verankerten Rothirsche. Die Online-Veröffentlichung „Conservation frontlines“ berichtet darüber.
Mehr als 10.300 Hektar stellt die Regierung den gigantischen Tieren bereit, damit sie saisonal zwischen ihren Nahrungs- und Wasserplätzen sowie sonstigen Lebensräumen ziehen können. Die Korridore befinden sich in Forst- und Wildtierschutzgebieten. Deshalb müssen für die Ausweisung keine neuen Beschränkungen verhängt werden. „Statt dessen deklariert die Ausweisung die Flächen offiziell als wichtige Verbindungen mit dem Flussgebiet des Kaveri, was Wildlife-Managern eine bessere Ausgangsposition gibt, um künftige Unterbrechungen zu verhindern und Schutz und Koordination auch über die Grenze zwischen den Bundesstaaten Tamil Nadu und Karnataka zu betreiben“, heißt es in der Veröffentlichung.
Uns erinnert die Meldung an den angekündigten, aber wohl immer noch umstrittenen Wanderkorridor für Rotwild von Thüringen in die Haßberge. Nicht einmal auf so einer geringen Strecke und einer Breite von ab mehreren Hundert Metern schaffen es hier Landwirte, Wald- und Grundbesitzer, Jäger, Behörden und Politik, unserem Wild einen Schutzkorridor zuzugestehen. Vielleicht braucht es ein wenig indische Lebensphilosophie zur Unterstützung?
Die Ausweisung in Tamil Nadu spricht von einem weisen Blick auf die Lage: Wenn die Wanderrouten geschützt werden und intakt bleiben, können die Elefanten wandern und sich in artgemäßen Lebensräumen bewegen. Werden die Routen hingegen durch Straßen, Infrastruktur oder menschliche Bebauung blockiert, treibt das die Wildtiere in Richtung Ackerlandschaft und Siedlungen. Das kann ernste Folgen haben: Elefanten haben ein hohes Zerstörungspotential, sei es an Ernte oder landwirtschaftlichem Grund, sei es sogar an Menschen.
Klar ist: Die Ausweisung allein kann nur der erste Schritt sein. Die Verantwortlichen müssen ein genaues Auge darauf haben, dass der Schutzstatus auch eingehalten wird.
Die original Meldung aus „conservation frontlines“ in englischer Sprache finden Sie hier
Bildquelle: Yashwanth Madhu auf Pixabay
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