Zwei Wissenschaftlerinnen unter dem Dach der Universität Bayreuth haben sich der Frage gewidmet, wie eine Mahd von städtischen Grünflächen am verträglichsten für Insekten durchgeführt werden kann. Konkret betrachteten sie Bereiche, die als Überwinterungsräume für Insekten im Herbst stehen gelassen wurden, und hinterfragten, wann im Frühjahr der geeignetste Zeitpunkt ist, sie abzumähen. Ihre Studie, die die Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (ANL) online veröffentlicht hat, zeigt, dass die Frühjahrsmahd möglichst spät erfolgen sollte, und mündet in nützliche Tipps für Kommunen für ein insektenfreundliches Grünflächenmanagement.
Bisher gilt es als besonders insektenschonend, wenn eine Grünflächenmahd möglichst spät im Jahr erfolgt und außerdem mit modernen, entsprechenden Mähgeräten ausgeführt wird, und zwar möglichst in Form einer Mosaik- oder zeitlich gestaffelten Mahd. Aber wie sollte das genau aussehen?
Die Studie untersuchte zehn sonnenexponierte und extensiv gepflegte Grünflächen unterschiedlicher Größe im Stadtgebiet von Bayreuth. Diese werden zweimal jährlich abschnittsweise gemäht. Im Herbst wird dabei auf einem Fünftel der Fläche die Vegetation stehen gelassen, um als Überwinterungsrefugien bis zum folgenden Sommer zu dienen. Diese Flächen waren das Ziel der Untersuchung.
Die Ergebnisse zeigten, dass eine zu frühzeitige Mahd im Jahr nach der Überwinterung den Verlust zahlreicher, noch nicht geschlüpfter Insektenindividuen bedeuten kann. Die Untersuchung der beiden Forscherinnen bestätigte dies unter anderem anhand der Schlupfzahlen von Insektenlarven: Auf den zehn Versuchsflächen innerhalb der Stadt Bayreuth zählten sie im Verlauf ihrer Studie insgesamt 1538 Insektenindividuen. Bis Ende April waren davon erst rund 40 Prozent geschlüpft, bis Ende Mai fast 68 Prozent.
„Unsere Studie stützt damit die Empfehlung, Überwinterungsrefugien so lange wie möglich, etwa bis Anfang Juli, ungemäht zu lassen, um eine hohe Insektenvielfalt zu fördern und möglichst vielen Ordnungen ein weitgehend vollständiges Schlüpfen aus der Vegetation zu ermöglichen“, schreiben die Forscherinnen in ihrem Beitrag. „Zur praktischen Umsetzung dieser Erkenntnisse kann die Sommermahd von Wiesen oder Grünflächen mit Insektenschutzstreifen oder Überwinterungsrefugien in den Juli verschoben werden.“
Im Zuge der Herbstmahd können dann wiederum andere Flächenteile der Wiese ungemäht bleiben, die als nächste Überwinterungsrefugien für Insekten zur Verfügung stehen. Diese Mosaik- oder gestaffelte Streifenmahd berücksichtigt so die unterschiedlichen Ansprüche von Pflanzen und Insekten.
Den vollständigen Beitrag der ANL können Sie hier herunterladen
Bildquelle: Wildes Bayern
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