Blogpost
Montag, 09. März 2026

Scrollicon
Windräder vor grauem Himmel
09. März 2026, 13:57    office@wildes-bayern.de

Erneuerbare Energien: Planungen frühzeitig beeinflussen!


Erneuerbare Energien sind unverzichtbar, aber ihre Planung entscheidet darüber, ob sie Klima und Natur helfen oder neue Schäden verursachen. Für unsere Arbeit bei Wildes Bayern ist das keine theoretische Frage, sondern tägliche Praxis: Immer häufiger sehen wir Regionalplanungen, in denen Wind- und Solarprojekte mitten in oder in direkter Nachbarschaft zu  Landschaftsschutzgebieten, FFH-Gebieten und SPA-Vogelschutzgebieten vorgesehen werden.

Energiewende trifft Schutzgebiete

Mit der Erneuerbare-Energien-Richtlinie RED III will die EU den Anteil erneuerbarer Energien bis 2030 auf mindestens 42,5 Prozent erhöhen, mit einem „Best‑Effort“-Ziel von 45 %. Dazu gehören auch sogenannte „Beschleunigungsgebiete“, in denen Genehmigungsverfahren für Wind- und Solarenergie deutlich verkürzt und vereinfacht werden sollen. Das weckt Begehrlichkeiten auf Gebiete, die sonst nicht verfügbar wären.

In der Planungspraxis erleben wir, dass dieser Beschleunigungsdruck direkt in sensible Räume hineinwirkt: Vorrang- und Eignungsgebiete werden in Landschaftsschutzgebiete verschoben, überlagern FFH-Lebensraumtypen oder fallen mit SPA-Gebieten zusammen, die eigentlich dem strengen EU-Vogelschutz dienen sollen.

Wildtiere zahlen den Preis 

Aus wildtierökologischer Sicht ist klar: Es macht einen enormen Unterschied, wo eine Anlage steht.

  • Windenergieanlagen erhöhen das Kollisionsrisiko für Insekten, Greifvögel und Fledermäuse; das belegen Kollisionserfassungen und Auswertungen der staatlichen Vogelschutzwarten und des BfN.
  • In Vogelschutzgebieten können Windräder Brut- und Balzplätze von Arten wie Rotmilan, Wanderfalke oder Birkhuhn dauerhaft entwerten.
  • In FFH-Gebieten führen Zerschneidung, Lärm, Schattenschlag und Beleuchtung dazu, dass störungsempfindliche Arten, vom Auerhuhn bis zu Fledermäusen, ihre Habitate meiden. Oder wie im Fall von Insekten und Fledermäusen angezogen und dann getötet werden.

Gerade in Bayern werden viele der letzten Rückzugsräume bedrohter Arten bereits durch Freizeitnutzung, Verkehr und Siedlungsexpansion belastet. Wenn in solche Räume zusätzlich großtechnische Energieinfrastruktur gestellt wird, kippt das System: Aus Rückzugsräumen werden Problemräume für Arten, die ohnehin am Rand ihrer Überlebensfähigkeit stehen.

**********************************************************

Bitte unterstützen Sie die Arbeit von Wildes Bayern
mit einer Spende!

KREISSPARKASSE MIESBACH-TEGERNSEE
IBAN DE31 7115 2570 0012 2325 83
BIC: BYLADEM1MIB
***********************************************************

Fachliche Leitplanken

Vor diesem Hintergrund ist für uns klar: Eine fachlich verantwortbare Energiewende braucht klare Ausschluss- und Prüfmaßstäbe. Dazu gehören aus unserer Sicht mindestens:

  • keine Beschleunigungs- oder Vorranggebiete für Wind- und Solarenergie in FFH- und SPA-Gebieten sowie in Kernzonen von Landschaftsschutzgebieten!
  • strikte Einhaltung der artenschutzrechtlichen Vorgaben (z.  § 44 BNatSchG) und verbindliche Vermeidungs- und Schutzmaßnahmen, wie sie das BfN für Vögel und Fledermäuse fordert!
  • Vollständige Umweltverträglichkeitsprüfungen auch für Wind- und Solarprojekte, Ausnahmen vom Screening, wie sie RED III ermöglicht, sind in sensiblen Räumen fachlich nicht vertretbar!
  • Vorrang für Standorte auf bereits versiegelten oder vorbelasteten Flächen, wie Gewerbegebieten, in Infrastrukturnähe, auf Deponien oder Konversionsflächen, wie es auch juristische Analysen zu RED‑III‑Beschleunigungsgebieten empfehlen!
In Regionalplanungen einmischen! 

Die eigentliche Weichenstellung passiert nicht in Brüssel, sondern in den Regionen: in Regionalplänen, Flächennutzungsplänen und Ausweisungen von Vorrang- und Eignungsgebieten. Wenn hier die fachliche Sicht des Naturschutzes zu spät einfließt, werden Konflikte in FFH-, SPA- und LSG-Gebieten später kaum noch korrigierbar.

Darum ist es für Wildes Bayern als Naturschutz- und wildtierökologische Organisation zentral, jede neue Regionalplanung kritisch zu begleiten: Wir prüfen, ob gesetzlich geschützte Biotope, Zugkorridore, Brutzentren und störungsempfindliche Lebensräume ausreichend berücksichtigt werden und widersprechen dort, wo der Ausbau erneuerbarer Energien die letzten Rückzugsräume gefährdet.

Vielfalt zerstören ist nicht nachhaltig!

Die Botschaft ist einfach: Erneuerbare Energien ja, aber nicht auf Kosten von FFH-Gebieten, Vogelschutzgebieten und Landschaftsschutzgebieten, die die letzten sicheren Räume für Bayerns Wildtiere sind. Eine Energiewende, die Artenvielfalt zerstört, ist nicht nachhaltig – und sie verstößt gegen genau jene Umweltziele, die Europa und die Alpenstaaten sich selbst gesetzt haben.

EK

Weitere Infos zu den genannten Punkten finden Sie unter folgenden Links:

  1. https://www.clearingstelle-eeg-kwkg.de/eerl3
  2. https://www.oekobuero.at/files/1427/red_iii__beschleunigungsgebiete_broschuere.pdf
  3. https://www.bfn.de/artenschutz-vermeidungsmassnahmen-und-schutzmassnahmen
  4. https://lfu.brandenburg.de/lfu/de/aufgaben/natur/artenschutz/vogelschutzwarte/arbeitsschwerpunkt-entwicklung-und-umsetzung-von-schutzstrategien/auswirkungen-von-windenergieanlagen-auf-voegel-und-fledermaeuse/
  5. https://www.eu-umweltbuero.at/inhalt/alpenkonvention-setzt-grenzen-beim-ausbau-erneuerbarer-energien-in-der-eu
  6. https://www.ama.at/media/ihtnvxrf/richtlinie-eu-2023_2413_red-iii_2018_2001_.pdf
  7. https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20250827_OTS0002/erneuerbare-energien-alpenkonvention-als-massstab
  8. https://www.cipra.org/media/files/medienmitteilung-vom-27-8-2025.pdf/@@download/file/250827_MM_CIPRA_RED III_final de.pdf
  9. https://www.natur-und erneuerbare.de/fileadmin/Daten/Download_Dokumente_bf/BfN_PraxisInfo_04_Kleinwindanlagen_2022.pdf
  10. https://regulierungskompass.set-hub.de/gesetzeskarten/all/eu-2023-2413

 




Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.






Weitere Beiträge zu diesem und verwandten Themen finden Sie hier:

PFAS aus Windrädern? Verband schlägt Alarm

Urteil: Windkraftanlagen im Vogelschutzgebiet rechtswidrig

Fatal attraction: Windkraftanlagen als Magnet für Fledermäuse

Vögel und Windkraft: Was neue Daten wirklich zeigen

UPDATE Windkraft Öttinger Forst: Vortrag von Christine Miller

Podcast der Boku zu Wildtieren und Energiewende

PV-Anlagen: Ökologische Sensitivität vorher prüfen!

UPDATE – Das ökologische Desaster in Grimms Märchenwald

Photovoltaik – die ungenutzte Chance für die Biodiversität – UPDATE

BaySf-Gewinnmeldung: Kasse statt Klasse

Windräder: Nicht nur Tropenholz und PFAS, sondern auch Mineralöl

UPDATE Windräder wider Vogelschutz: Neues Gerichtsurteil

UPDATE Kippen die windschwachen Standorte in Bayern? Koalition prüft

UPDATE Sauerei! Wildbrücke im Saarland zum Solarpark ausgewiesen

Windkraftpläne in Tirol ökologisch höchst bedenklich

UPDATE Fledermäuse: Große Probleme mit erneuerbaren Energien

„Der Schwarm“ lässt grüßen – Norwegens Tiefseebohrungen erstmal gestoppt

UPDATE Weitere Demos gegen Windkraft im Wald

Internationale Forscher: Windräder weg vom Wald!






Aktuelle Informationen



PFAS aus Windrädern? Verband schlägt Alarm Der Bundesverband Landschaftsschutz e. V. mit Sitz in Sachsen hat sich das Thema der Ewigkeitschemikalie bei Windrädern vorgeknöpft. Anlass war…

Montag, 20. April 2026
Jetzt lesen
25. April Vogelstimmenwanderung im Bayerwald Am Samstag, 25. April, bietet der Nationalpark Bayerischer Wald eine Vogelstimmenwanderung mit Ranger Robert Stockinger an. Um 7 Uhr morgens…

Montag, 20. April 2026
Jetzt lesen
UPDATE Ausbau an Fellhorn & Co.: Umweltprotest verhallt Über 45.000 Bürger haben sich der Petition "Rettet die Berge" angeschlossen, die auch Wildes Bayern mitgetragen hat. Damit haben sie…

Montag, 20. April 2026
Jetzt lesen

Mitglied werden