Photovoltaik-Freiflächenanlagen werden als grüne, nachhaltige Energieproduktion verkauft. Aber das springt zu kurz, denn immer wieder zeigen Studien, dass sie sich sehr wohl und auch negativ auf Wildtiere auswirken. Ob ein PV-Park sinnvoll ist oder nicht, entscheidet sich nämlich eben nicht nur an Kilowattstunden und Einspeisepunkten. Sondern auch daran, was er im Boden, in der Vegetation und im gesamten Lebensraum auslöst.
Genau das hat jetzt neue Studie vom Tibetischen Plateau erforscht, und obwohl die Region weit weg ist, ist die Erkenntnis für unsere Planung in Deutschland erstaunlich nah. Bisher wird die Standortsuche für PV-Freiflächen oft wie ein Häkchen-Spiel betrieben: genug Sonne? flache Fläche? Straße in der Nähe? Anschluss ans Netz? Schutzgebiet vermeiden? Fertig.
Nur: ökologische Auswirkungen werden dabei häufig grob behandelt, viel zu spät betrachtet und oder mit Füßen getreten. Und dann steht die Anlage am Ende auf einer Fläche, die technisch perfekt, aber ökologisch hochsensibel ist.
Jetzt gibt es zum Glück Ansätze, die dieses Problem besser in den Griff bekommen.
Nicht nur Arten zählen, sondern Zusammenhänge verstehen!
In der Studie haben die Forschenden 13 PV-Anlagen in alpinen Grasländern untersucht. Sie wollten wissen, wie sich PV auf ein Ökosystem auswirkt, nicht nur sichtbar an der Oberfläche, sondern im Inneren des Systems.
Dafür haben sie Pflanzenarten erfasst, Bodenwerte gemessen (zum Beispiel Nährstoffe und Kohlenstoff) und zusätzlich die Vielfalt von Bodenmikroorganismen untersucht. Und dann kommt der spannende Teil: Die Daten wurden nicht einfach nebeneinander gestellt, sondern als ökologisches Netzwerk betrachtet. Also als System von Wechselwirkungen: Was hängt womit zusammen, wie stabil sind diese Beziehungen, wie komplex ist der Lebensraum wirklich?
Innerhalb jeder Anlage wurden drei Bereiche verglichen: außerhalb der PV-Fläche als Referenz, die Lücken zwischen den Modulreihen und der Bereich direkt unter den Modulen, also der Schattenbereich. Außerdem wurde unterschieden, ob die Anlage erst kurz (bis vier Jahre) oder schon länger in Betrieb war.
Das Ergebnis: PV wirkt, aber nicht überall gleich
Die wichtigste Erkenntnis ist so simpel wie unbequem: Photovoltaik ist nicht automatisch „gut“ oder „neutral“ für Naturflächen. Es kommt stark auf den Standort an. In sehr trockenen, eher kargen Grasländern (alpine Wüstensteppe) konnten PV-Anlagen die ökologische Komplexität sogar erhöhen, vermutlich, weil Schatten und veränderte Mikroklimata dort gewisse Prozesse begünstigen.
In produktiveren Lebensräumen, wie alpiner Steppe und alpiner Wiese, zeigten sich dagegen eher negative Effekte, besonders in den ersten Jahren nach dem Bau. Das ist wichtig, weil es zeigt: Selbst wenn eine Fläche „harmlos“ aussieht, kann sich die innere Funktionsweise eines Ökosystems durch PV verschieben, und zwar je nach Ausgangszustand in unterschiedliche Richtungen.
Was bedeutet das für uns?
Deutschland hat andere Lebensräume als das Tibetische Plateau, aber wir kennen die sensiblen Flächen ebenfalls: artenreiche Wiesen, Moore, Brutgebiete, Biotopverbundachsen, hochwertige Offenlandbereiche. Und gerade dort ist der Druck der Energieerzeuger hoch, weil sie oft „praktisch“ wirken: offen, gut erreichbar, technisch leicht zu bebauen.
Die Studie zeigt, was wir daraus lernen können: Wenn wir nur nach Technik und Wirtschaftlichkeit planen, überschätzen wir die wirklich geeigneten Flächen massiv. Erst wenn ökologische Sensitivität systematisch einfließt, wird klar, welche Standorte tragfähig sind und welche langfristig Probleme machen werden.
EK
Eine englischsprachige Zusammenfassung der Studie können Sie hier nachlesen
Bildquelle: Sebastian Ganso/Pixabay.de
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