Blogpost
Montag, 15. September 2025

Scrollicon
Fledermaus
15. September 2025, 16:07    office@wildes-bayern.de

Fledermäuse markieren – nur für ein höheres Ziel!


Fledermäuse sind faszinierende, aber durch ihre nächtliche und zurückgezogene Lebensweise leider noch wenig erforschte Wildtiere. Sie sind winzig, flink und oft nur schwer zu beobachten. Damit wir mehr über ihre Wanderungen, Quartiere, Lebensdauer oder Sozialstrukturen erfahren können, müssen Forschende einzelne Tiere wiedererkennen können.

Dazu werden seit Jahrzehnten verschiedene Markierungstechniken eingesetzt, beispielsweise der klassische Flügelring oder auch hochtechnisierte Mikrochips.

Doch jede Markierung bedeutet ein Eingriff in das Leben und die körperliche Unversehrtheit des Tierindividuums. Eine neue internationale Übersichtsarbeit hat nun systematisch untersucht, welche Markierungsmethoden bei Fledermäusen genutzt werden, wie effektiv sie sind und welche Nebenwirkungen entstehen.

Ohne Markierungen hätten wir keine belastbaren Daten zu Bestandsgrößen und Trends, auch Wanderbewegungen und Quartiertreue lassen sich nur so erfassen. Dies ist absolut essenziell für Artenschutzpläne und politische Entscheidungen. Kurzum kann man sagen, dass Markierungen für das Überleben ganzer Fledermausarten entscheiden kann.

Die neue Übersichtsstudie zeigt aber deutlich: Unterarmringe können Verletzungen verursachen, zu schwere Sender können den Flug behindern, Halsbänder oder Flügelmarkierungen müssen sorgfältig angepasst werden. Und auch Mikrochips sind nur dann effektiv, wenn die Handhabung stimmt.

Damit die Fledermausforschung ethisch vertretbar bleibt, braucht es also klare Leitlinien:

Die Belastung der Individuen sollte so gering wie möglich sein und in jeder Studie muss geprüft werden, ob nicht eine weniger invasive Methode ausreicht, zum Beispiel die Foto-Identifikation von Flügelmustern.

Die Markierung muss artgerecht sein und individuell angepasst, die Nebenwirkungen transparent und ehrlich dokumentiert werden und die markierten Tiere sind nach Möglichkeit regelmäßig zu kontrollieren.

Wir sind der Meinung, dass Markierungen zwar wichtig sind, sie aber immer für ein klar definiertes Forschungsziel erfolgen müssen. Schmerzen, Verletzungen oder Einschränkungen müssen minimal sein und einem höheren Zweck, nämlich dem Schutz der Tiere, zugutekommen.

EZ

Die original Studie könnt Ihr hier einsehen




Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.






Weitere Beiträge zu diesem und verwandten Themen finden Sie hier:

Entwurmungsmittel bringt Nahrungskette durcheinander

Das geheime Leben der „Solitärbienen“

Amerikanische Bisons als Blaupause für unser Wild UPDATE

Jetzt noch anmelden: 19. September Artenschutztag im Steinwald!

Braunkehlchen, so zäh wie winzige Ironmen…

Mehrjährige Grashalme als Hotspots der Insektenvielfalt

UPDATE Katastrophe am Gewässergrund: Massensterben von Muscheln

Wer einen Vogel hat, ist klarer im Kopf

Pinguine als Schadstoff-Frühwarnsystem

Unbändige Hitze – Wasser für Tiere nötig!

Fischotter – weit mehr als ein Problemfall

Fledermäuse: Lautlose Schädlingsbekämpfer auf unseren Äckern

Archäologie im Bartgeierbett

Jetzt Petition für besseren Umgang mit Schalenwild in Thüringen unterzeichnen!

Unordnung im Wald zahlt sich in Arten aus

Wenn der Weg das Ziel ist – was Staudämme mit Flussfischen machen

Nennt es, was es ist: Schädlingsbekämpfung

Fördert der Mensch als „Schutzschild“ den Goldschakal?

Nicht jeder Mischwald ist gut fürs Ökosystem

Zoos wollen mehr für heimischen Artenschutz tun

Ein Managementplan für Stadtbienen

Wespenspinne: Rasante Verbreitung durch Anpassung

Forschungsprojekt: Verbiss gegen Feuer und für die Vielfalt

Eichhörnchen in der Stadt – besser oder schlechter dran?

Hummeln, die heimlichen Rock´n Roller

Rehkitze markieren bringt wichtige Daten UPDATE

Junge Rotmilane mögen Schlaf-WGs

Katzen halfen beim Mäusemonitoring Schweiz

Fatal attraction: Windkraftanlagen als Magnet für Fledermäuse

Eichhörnchen – Daten sammeln und helfen!






Aktuelle Informationen



Insektenfreundliche Mahd - was wirkt wie? UPDATE Unsere Insekten stehen immer wieder im Fokus der Wissenschaft, nicht zuletzt, weil ihnen als Bestäuber zahlloser Nutzpflanzen eine entscheidende Rolle…

Donnerstag, 20. August 2026
Jetzt lesen
Entwurmungsmittel bringt Nahrungskette durcheinander Forschende der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und der Universität Trier haben nachgewiesen, dass ein weitverbreitetes Wurmmittel für Weidetiere nicht nur…

Donnerstag, 20. August 2026
Jetzt lesen
Das geheime Leben der "Solitärbienen" Der britische "Game and Wildlife Conservation Trust" (GWCT) hat den Wildbienen nachgespürt - und dabei spannende Verhaltensweisen entdeckt, die es…

Donnerstag, 20. August 2026
Jetzt lesen

Mitglied werden