Fledermäuse sind faszinierende, aber durch ihre nächtliche und zurückgezogene Lebensweise leider noch wenig erforschte Wildtiere. Sie sind winzig, flink und oft nur schwer zu beobachten. Damit wir mehr über ihre Wanderungen, Quartiere, Lebensdauer oder Sozialstrukturen erfahren können, müssen Forschende einzelne Tiere wiedererkennen können.
Dazu werden seit Jahrzehnten verschiedene Markierungstechniken eingesetzt, beispielsweise der klassische Flügelring oder auch hochtechnisierte Mikrochips.
Doch jede Markierung bedeutet ein Eingriff in das Leben und die körperliche Unversehrtheit des Tierindividuums. Eine neue internationale Übersichtsarbeit hat nun systematisch untersucht, welche Markierungsmethoden bei Fledermäusen genutzt werden, wie effektiv sie sind und welche Nebenwirkungen entstehen.
Ohne Markierungen hätten wir keine belastbaren Daten zu Bestandsgrößen und Trends, auch Wanderbewegungen und Quartiertreue lassen sich nur so erfassen. Dies ist absolut essenziell für Artenschutzpläne und politische Entscheidungen. Kurzum kann man sagen, dass Markierungen für das Überleben ganzer Fledermausarten entscheiden kann.
Die neue Übersichtsstudie zeigt aber deutlich: Unterarmringe können Verletzungen verursachen, zu schwere Sender können den Flug behindern, Halsbänder oder Flügelmarkierungen müssen sorgfältig angepasst werden. Und auch Mikrochips sind nur dann effektiv, wenn die Handhabung stimmt.
Damit die Fledermausforschung ethisch vertretbar bleibt, braucht es also klare Leitlinien:
Die Belastung der Individuen sollte so gering wie möglich sein und in jeder Studie muss geprüft werden, ob nicht eine weniger invasive Methode ausreicht, zum Beispiel die Foto-Identifikation von Flügelmustern.
Die Markierung muss artgerecht sein und individuell angepasst, die Nebenwirkungen transparent und ehrlich dokumentiert werden und die markierten Tiere sind nach Möglichkeit regelmäßig zu kontrollieren.
Wir sind der Meinung, dass Markierungen zwar wichtig sind, sie aber immer für ein klar definiertes Forschungsziel erfolgen müssen. Schmerzen, Verletzungen oder Einschränkungen müssen minimal sein und einem höheren Zweck, nämlich dem Schutz der Tiere, zugutekommen.
EZ
Die original Studie könnt Ihr hier einsehen
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