Blogpost
Donnerstag, 03. April 2025

Scrollicon
Ein Rehbock mit grauem Haar und Bastgehörn direkt nach dem Winter
03. April 2025, 10:11    office@wildes-bayern.de

Schonzeit der Rehe muss auch in Hof erhalten bleiben!


Eine Revierweise Aussage, die „tragbaren“ Verbiss und die vom Schalenwild unbeeinträchtigte Naturverjüngung aller vorkommenden Baumarten bescheinigt – doch ein Staatsforstbetrieb weiß sich in diesem Revier nicht anders gegen Rehwild zu wehren, als die über halbjährige bzw. sogar neunmonatige Jagdzeit auch noch in den wildbiologisch sensiblen April zu verlängern. Selbst das bestätigte Aufwachsen der verbissempfindlichen Vogelbeere ohne Schutzmaßnahmen führt die Förster des Forstbetriebs Nordhalben zu der Überzeugung, dass „starker Verbiss“ droht, den Wald zu entmischen.

Mit Erstaunen haben wir vom Wilden Bayern die Bescheide des Landratsamts Hof gelesen, mit denen dieses zwei privaten und zwei staatlichen Revieren die Jagd auf Rehböcke und einjährige weibliche Tiere schon ab 1. April statt dem gesetzlichen 1. Mai genehmigt hat. Grundsatz für uns bleibt, dass das Rehwild wie die gesamte Natur im April noch eine Schonzeit verdient haben. Bisher haben wir nirgendwo ein plausibles wildbiologisches oder ökologisches Argument gehört, das für eine vorgezogene Jagdzeit spricht.

Nach unseren juristischen Erfolgen gegen Schonzeitverkürzungen bei Rehwild in den vergangenen Jahren hat man sich in Hof offenbar gedacht, viel hilft viel. Die Begründungen der Bescheide lesen sich wie ein ungeordnetes Sammelsurium aller denkbar möglichen Argumente: Zu dichte Begleitvegetation, um Wild ab Mai noch ansprechen zu können, große und kleine Kalamitätsflächen, Borkenkäferarbeiten mit Forstmaschinen, Klimawandel, Trockenheit, nicht funktionierender Einzelschutz und unzumutbare technische Schutzmaßnahmen, drohender Verlust des PEFC-Siegels, erhöhter Energiebedarf der Rehe im April, Vergrämung und Abwanderung des Rehwildes, Schutzwald, Erholungsfunktionen, und so weiter!

Manches davon passt nicht mal zu den beigefügten Dokumenten, wie der Revierweisen Aussage. Wieso zum Beispiel sollte starke Vergrasung den Aufwuchs der jungen Bäume verhindern, wenn die Revierweise Aussage das Vorkommen von dichter Bodenvegetation als Hinderungsgrund für das Aufwachsen in den betreffenden Revieren ausdrücklich verneint?

Die nötigen Informationen zu ihrem Fleißwerk hat die Behörde nur sehr zögerlich preisgegeben. Deshalb hat Wildes Bayern die Bescheide beklagt, um das Ganze einer juristischen Prüfung zu unterziehen.

Zum Schmunzeln brachte uns auch der formelle Fehler in einem Bescheid, der einen verwaltenden Staatsforstbetrieb als „Eigentümer“ der genannten Flächen bezeichnete – das sind wohl Försterträume!

Jedenfalls haben wir geklagt und damit die verfrühte Jagd in der wildbiologisch sensiblen Winter-Ausgangs-Zeit erstmal gestoppt. Ob die Behörde Eilanträge stellt, bleibt abzuwarten. Möglicherweise überdenkt sie ihr das Vorhaben nochmal. Wildes Bayern bleibt dran und hält Euch informiert!

Über unsere Klage berichtete ausführlich das Fränkische Tagblatt. Zum Bericht (hinter Bezahlschranke) kommt Ihr hier

Bildquelle: Monika Baudrexl




Susanne schrieb:


Danke, danke, danke. Ich kann gar nicht sagen, wie froh ich bin , wenn ich lese, dass „Wildes Bayern“ sich FÜR unser Wild einsetzt und unermüdlich gegen diese unsäglichen Aussagen der Förster kämpft. Berbissgutachten, so unnötig wie teuer und jedes Mal wieder ein Aufreger in der Jägerschaft.

Antworten
Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.






Weitere Beiträge zu diesem und verwandten Themen finden Sie hier:

Vorträge zu „Naturschutzbeweidungen im Wald“ jetzt online

Wie der Klimawandel den „Herzschlag“ der Seen stoppt UPDATE

Wespenspinne: Rasante Verbreitung durch Anpassung

Die Buche – Zukunftsbaum oder Todeskandidat?

Wilde Schweine alt werden lassen!

Wildereifälle am Chiemsee – wer hat was gesehen?

„Sündenbock Reh“ – Film über Wild und Forst in der Mediathek

Rechtzeitig anmelden: Tagung zu Waldnaturschutz

„Die Faust im Nacken“ der Jagdgenossen

Rotwild – Tier des Jahres oder Spielball von Forst und Jagd?

Treffpunkt Wurzelteller: Das „Marktcafé“ der Waldtiere

…und in wenigen Tagen Jagd?!

Katastrophe am Gewässergrund: Massensterben von Muscheln

Bayern braucht eine Jagdpräsidentin UPDATE

Linktipp: Artikel über Österreichs Jagdpolitik

Schuss- statt Schonzeit für Gams – Verschnaufpause in Miesbach? UPDATE

Vorfall Kanisfluh 2022: Drohnenpilot verurteilt

Großartiges Video über Winzlinge im Wald

Jungjäger zum achtsamen Jagen bringen

Jagd oder Wilderei – wo sind hier die Grenzen?

Jetzt anmelden: Tagung Jagd & Artenschutz

Jagdskandal im Harz: Wildtiere leiden unter fragwürdigen Methoden

Was uns Jagdunfälle lehren müssen

UPDATE Gerichtsentscheid: Gams-Poolabschüsse in der Kürnach nicht rechtens!

UPDATE Jagdgesetz: Das Marode wird zementiert

Wildes Bayern-Vorsitzende sprach über den Schutz von Säugetieren

FILMTIPP: Berührende Gedanken zur Jagd auf Gams

Wildes Bayern setzt Maßstäbe! UPDATE

München: Wildes Bayern stoppt Baumfällungen UPDATE

Buchtipp: Die Besonderheiten der Borkenkäfer






Aktuelle Informationen



Zoos wollen mehr für heimischen Artenschutz tun Am letzten Freitag endete die zweitägige Artenschutz-Fachtagung der Stiftung Artenschutz und des Verbands der Zoologischen Gärten (VdZ) im Zoo Schwerin…

Mittwoch, 13. Mai 2026
Jetzt lesen
Sputnik Spring-Break-Festival - Todes-Schock für Natur und Tiere Der Große Goitzschesee in Sachsen-Anhalt ist ein Naturidyll, hervorgegangen aus einer früheren Tagebaulandschaft. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt besitzt große Flächen…

Mittwoch, 13. Mai 2026
Jetzt lesen
Vorträge zu "Naturschutzbeweidungen im Wald" jetzt online Am 28. April veranstaltete die Naturstiftung David im Netzwerk Nationales Naturerbe einen Online-Workshop zu "Naturschutzbeweidungen im Wald". Dabei ging es…

Mittwoch, 13. Mai 2026
Jetzt lesen

Mitglied werden