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Dienstag, 09. September 2025

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Motten suchen das Licht – was das für unsere Wälder bedeutet
09. September 2025, 09:20    office@wildes-bayern.de

Motten suchen das Licht – was das für unsere Wälder bedeutet


Wenn wir das Stichwort „Nachtfalter“, geben, haben Sie dann spontan einen vor Augen oder könnten eine Art nennen? Meist werden die oft tarn- oder graufarbigen Nachtfalter nämlich schlicht als „Motte“ abgetan und entgehen unserer Aufmerksamkeit. Dabei sind 91 Prozent der Schmetterlinge Nachtfalter!

Sie zu übersehen ist fatal, denn sie sind ökologische Schlüsselspieler: Nacht- (wie Tag-)falter dienen nicht nur als Nahrung für Vögel und Fledermäuse, sondern bestäuben auch Pflanzen. In Mitteleuropa gehen sie in den letzten Jahrzehnten aber ziemlich unbemerkt  zurück – was ein ernstes Warnsignal ist. Umso relevanter ist eine neue Studie, die zeigt: Offene und heterogene Wälder sind wichtige Rückzugsräume.

Was Störungen für die Artenvielfalt der Nachtfalter bedeuten

Stürme, Borkenkäfer und andere natürliche Störungen haben die Wälder Mitteleuropas stark verändert. Was für viele Menschen nach einer Katastrophe aussieht, kann für die Biodiversität jedoch eine wichtige Rolle spielen, besonders für Insekten wie Nachtfalter. Ein aktuelles Forschungsprojekt im Harz zeigt, dass Waldstörungen nicht nur Verluste, sondern auch Chancen bringen.

Von dunklen Monokulturen zu offenen Lebensräumen

Über Jahrhunderte waren die Wälder Mitteleuropas durch große Weidetiere, Waldweide und Niederwaldwirtschaft eher offen. Seit dem 19. Jahrhundert setzten sich jedoch Fichtenmonokulturen durch: gleichförmig, dunkel und arm an Lebensräumen. Diese „Verdunkelung“ der Wälder führte dazu, dass viele lichtliebende Arten, darunter auch Schmetterlinge und Nachtfalter, zurückgingen.

In den letzten Jahrzehnten haben Klimawandel und Landnutzungs-Geschichte die Häufigkeit von Störungen durch Sturm und Borkenkäfer stark erhöht, mit der Folge, dass Fichtenbestände teils großflächig absterben. Was zunächst bedrohlich wirkt, eröffnet ökologisch ganz neue Möglichkeiten: mehr Licht, mehr junge Pflanzengesellschaften, mehr Vielfalt.

Störungen als Motor der Vielfalt

Die Studie im Harz untersuchte, wie sich Windwürfe und Borkenkäferkalamitäten auf Nachtfalter auswirken, und welche Rolle Management und Wilddichte spielen. Mit Hilfe von Lichtfallen wurden über zwei Jahre hinweg mehr als 52.000 Falter von fast 400 Arten erfasst.

Die Ergebnisse sind überraschend:

  • Generell fördert die Störung selbst die Artenvielfalt. Besonders in jungen, offenen Stadien der Waldentwicklung fanden Forscher eine hohe funktionale Vielfalt.
  • Salvage Logging (Aufräumarbeiten nach Störungen) zeigt ein gemischtes Bild: Artenzahlen stiegen teils auf geräumten Flächen, teils auf ungeräumten. Viel entscheidender scheinen jährliche Schwankungen und die Vegetationsstruktur zu sein.
  • Rothirsche, Rehe und Wildschweine prägen die Vegetation durch Verbiss. In späteren Sukzessionsstadien steigerten hohe Wilddichten die Vielfalt von Nachtfaltern, vermutlich, weil sie Strukturen aufbrechen und krautreiche Schichten fördern.
  • Seltene und gefährdete Arten profitierten von den Störungen, vor allem in höheren Lagen, wo sich noch Kaltluftrefugien halten.

Was heißt das für die Waldwirtschaft?

Die Forschung legt nahe, dass starre Managementstrategien, etwa flächendeckendes Räumen nach Störungen, die Vielfalt einschränken. Stattdessen könnte eine Mischung sinnvoll sein: manche Flächen unberührt lassen, andere behutsam bewirtschaften. Auch der Umgang mit Wilddichten muss differenziert betrachtet werden: Zu viel Verbiss hemmt zwar vielleicht erstmal die Waldverjüngung, moderate Dichten können aber Lebensräume aufwerten.

Schlussfolgerung

Störungen im Wald sind nicht nur Zeichen von Krise, sondern auch Chancen für mehr Biodiversität. Gerade für licht- und offenenheitsliebende Arten wie viele Nachtfalter können Windwürfe und Borkenkäferbefall neue Lebensräume schaffen. Entscheidend ist, wie wir mit diesen Störungen umgehen. Wenn Forstwirtschaft und Naturschutz klug balanciert werden, könnten die Wälder der Zukunft nicht nur widerstandsfähiger, sondern auch artenreicher sein.

EK

Den Link zur Original Studie in englischer Sprache findet Ihr hier

Wer mehr über Tag- und Nachtfalter und ihre Unterscheidungen wissen will, kann zum Beispiel hier nachlesen.

Übrigens: Selbst unauffällig Nachtfalterarten kommen uns manchmal mit großen, auffälligen Raupen unter die Augen. Was für dicke, saftige Proteinbomben für unsere Vögel! Hier zum Beispiel die Raupe des sehr fad gefärbten Weidenbohrers:

Eine dicke, orange-weinrote Raupe kriecht am Boden

Raupe des Weidenbohrers

Bildquelle: ulleo/Pixabay.de, Monika Baudrexl




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