Anlässlich der aktuell laufenden Initiative zur Legalisierung von Nachtzielgeräten hat das Forum lebendige Jagdkultur eine Stellungnahme an den Innenausschuss des Bundestages versandt, die wir hier sehr gerne teilen!
Vorab dazu unsere eigene Sichtweise: Die Nachtaktivität von Rot-, Reh- und Schwarzwild ist komplett menschengemacht. Mit schrankenlosen Genehmigungen legitimieren wir leider auch jeglichen Missbrauch. Nachtzieltechnik kann in den Händen von vernünftigen Jägern und bei echter Notwendigkeit sinnvoll sein und Tierleid verhindern. Aber es muss immer die Ausnahme bleiben, denn wir wissen, wie viele unvernünftige Schützen es gibt, wie viele leere Scheinargumente, etwa die Verhinderung der ASP, und wie viele „Kollateralschäden“ in Form von erhöhter Störung, Stress und Unbejagdbarkeit es gibt.
Das Ziel einer sinnvollen und tierschutzgerechten Jagd muss sein, den Stress zu minimieren und von Natur aus tagaktive Tiere wieder tagaktiv werden zu lassen. Wo uns das nicht gelingt, brauchen wir auch keine technische Aufrüstung, um Krieg gegen die Natur zu führen.
In der Stellungnahme des Forums lebendige Jagdkultur an den Innenausschuss heißt es: „Wir fordern Sie mit Nachdruck auf, den Gesetzesantrag BR-Drs. 203/25 abzulehnen. Die pauschale Zulassung von Nachtzieltechnik ist ökologisch bedenklich, jagdlich nicht erforderlich und gesellschaftlich nicht vermittelbar.
Stattdessen gehört die bestehende begrenzte Erlaubnis – insbesondere von Vorsatz- und Aufsatzgeräten ohne Absehen und IR-Strahler – aus tierschutzrechtlichen Gründen auf den Prüfstand.
Technik darf niemals das Augenmaß und die Verantwortung ersetzen, die das Fundament einer waidgerechten, zukunftsfähigen Jagdkultur bilden.“
Die Autoren fordern unter anderem mehr Wildschutz statt weiterer Technikoffensiven. Denn diese bewirken chronischen Stress bei den Wildtieren, Verhaltensstörungen und steigern das Risiko für Wildschäden und Krankheitsanfälligkeit. Nächtliche Jagd stört nicht nur jagdbare, sondern auch geschützte Arten wie Eulen, Fledermäuse oder Kleinsäuger – mit unkalkulierbaren Folgen für ganze Lebensgemeinschaften. Die Jagd auf Schwarzwild unter natürlichen Bedingungen (z. B. klare Vollmondnächte) ist eine Praxis, die auf wenige Nächte beschränkt bleibt und so bewusst Beunruhigung vermeidet. Die Versuchung, Nachtzieltechnik auch rechtswidrig bei anderen Wildarten einzusetzen, ist real.
Weitere Punkte in der Stellungnahme lauten: Jagdethik ist nicht verhandelbar, Sicherheitsrisiko für Mensch und Tier, Kontrollverlust und fehlende Wirkung sowie Jagdpolitischer und gesellschaftlicher Flurschaden.
Die vollständige Stellungnahme von Wildmeister Dieter Bertram und Volker Seifert mit den detaillierten Argumenten findet Ihr hier
Meldung vom 5. Juni 2025
Haben sich die Jagdverbände jetzt endgültig von einer waidgerechten Jagd verabschiedet? Den Eindruck gewinnt man leider, wenn man die aktuellen Veröffentlichungen zur Nachtsichttechnik liest. Darin begrüßen nämlich der Deutsche Jagdverband und andere die Bundesratsinitiative des Landes Hessen zur Erweiterung der erlaubten Nachtzieltechnik einhellig. „Künftig sollen fest montierte Nachtzielgeräte mit eingebauten Hilfsmitteln zum Anvisieren eines Ziels für Jäger erlaubt sein – einschließlich der Montage von Infrarot-Aufhellern, Taschenlampen oder ähnlichen Lichtquellen an Waffen“, so beschreibt es der Deutsche Jagdverband.
Das Institut für Jagd, Umwelt und Naturschutz sieht das in seinem Jagdrechtsblog sehr kritisch und fürchtet zu Recht um den Verlust von Ethik und Waidgerechtigkeit. „Der Bundesrat begrüßte den Vorschlag, offensichtlich, ohne sich jemals Gedanken zu den Vorteilen, vor allem aber den evidenten Nachteilen der Nachtzieltechnik gemacht zu haben“, heißt es hier. Das Forum lebendige Jagdkultur und der Steinfelder Kreis befürchten, die Nacht wird zur Kampfzone: „Denn was unter dem Deckmantel „effizienter Wildschweinjagd“ verkauft wird, ist in Wahrheit ein weiterer Schritt in Richtung einer enthemmten, rein technischen Jagdausübung, die mit waidgerechter Hege wenig zu tun hat.“
Aber was sind die oft genannten Nachteile? Wir konnten das vor kurzem bereits beobachten: In Kempten wurde ein Jäger vor Gericht verurteilt, weil er mit eben einem solchen fest montierten Nachtzielgerät spät abends im Auto angetroffen worden war. Auf dem Anhänger lagen Reh- und Rotwild sowie ein Dachs (es war November). Weil die diversen jagdrechtlichen Vergehen – mögliches Erlegen von Wildwiederkäuern bei Nacht, Erlegen eines Dachses in der Schonzeit – keine Straftaten darstellten, kam nur der waffenrechtliche Verstoß vor Gericht.
Und der wurde – nach einem Verweis der Verteidigung auf die bald anstehende Legalisierung der Nachtzieltechnik wie oben beschrieben – dann statt mit den von der Staatsanwaltschaft geforderten 90 nur mit milden 55 Tagessätzen bestraft. Der Jäger, der sich also mithilfe der Nachtsichttechnik über diverse Vorschriften des Jagdgesetzes hinweg gesetzt hatte, kann seinen Jagdschein wieder bekommen. Dass er das betreffende Gerät (es gilt als verbotene Waffe) entzogen bekam, ist ein schwacher Trost.
Herzlichen Glückwunsch all jenen, die mithilfe solcher Technik-Legalisierungen dem Missbrauch Tür und Tor geöffnet haben!
Hier findet Ihr den Beitrag aus dem „Forum lebendige Jagdkultur“ zum Thema
Hier eine Berichterstattung aus der „Schwäbischen“ zu Nachtzieltechnik und der Bundesratsinitiative…
Bildquelle: Mila del monte
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Mit einer allgemeinen Zulassung von Nachtzieltechnik wird der Militarisierung der Jagd Tür und Tor geöffnet. Ein weiterer Schritt, um die Akzeptanz für Jagd bei der nichtjagenden Bevölkerung zu verlieren.
Stimme voll zu, wir sollten uns überlegen, ob wir jagdlich in den „Krieg“ ziehen wollen. Wir brauchen keine Nachtzieltechnik!
Wir brauchen Lebensräume, Ruhezonen, Besucherlenkung und vernünftiges menschliches Verhalten in der Natur.
Lasst den frei lebenden Wildtieren wenigstens die Nacht als „ruhige Lebenszeit“!
Wer illegal des Nächtens jagt, dem sind doch Gebote/Verbote und dergleichen völlig egal. Was soll also die Diskussion und das herbeizerren von „ Einzelfällen“ ? Unsere Landschaft, die Urbanisierung und der stetige Jagddruck durch bspw. Freizeitjünger auch zu Nachtzeiten lassen keine andere Wahl als die Legalisierung auch von Nachtzielgeräten. Österreich… du Vordenker …. Deutschland … du Zergrübler !
WmH
Christian Gross
Die Forderung nach Ruhe und Jagdpausen und das man das Wild doch wenigstens in der Nacht in Ruhe lassen soll, wird immer und immer wieder Gebetsmühlenartig wiederholt.
Aber dem Raubwild und Sauen wird mit absoluter Konsequenz Bedingungslos zu allen Tages und Nachtzeiten nachgestellt.
In den Revieren um mich herum wird nicht einmal zu den Zeiten wo Junge geführt werden halt gemacht. Und nach dem Bockansitz wird länger sitzen geblieben weil man kann ja noch die ganze Nacht nen Fuchs schießen.
Wie unglaublich scheinheilig ist das…
Als könnte das Wild / Rehwild unterscheiden wem der Schuss oder Jagddruck gegolten hat.
Die generelle Zulassung von Nachsichttechnik würde vieles vereinfachen würde viel Tierleid ersparen.
Klares Ansprechen und gezieltes Erlegen verbessern. Den Jagddruck insgesamt sogar minimieren. Weil effizienter gezielter gejagt würde und bei weniger Ansitzen die gewünschten Tiere erlegt werden könnten.
Weniger Ansitze istgleich weniger jagddruck istgleich weniger Unruhe.
Immer und unterbrochen wird über die Freizeitsuchenden in Natur und Wald geschimpft. Tatsächlich verursachen die Jäger den größten Stress beim Wild… sei es durch dauernde Überhege, laufende Revier Kontrolle, ununterbrochene Raubwildbejagung.
Freigabe der Nachtzieltechnik jetzt und auf alle jagdbaren Arten!
Die Forderung, Nachtsichttechnik aus Tierschutzgründen auf alles freizugeben, ist bekannt und so hilflos wie scheinheilig. Ja, auch das sture Draufhalten auf Sauen zu jeder Zeit 24/7 ist ohne Zweifel tierschutzwidrig. Alle unsere Huftierarten sind tag- und dämmerungsaktiv. Wenn durch eine falsche Bejagung das Wild immer wieder in die Nacht gedrängt wird, wäre die intelligente und tierschutzgerechte Antwort darauf, das Jagdmanagement zu ändern, kurze Jagdzeiten (8 Wochen im Herbst) zu gestatten und bei wirklichen Schadflächen zur Vermeidung weiterer Beeinträchtigungen gezielte Lösungen zu entwickeln, die so wenig wie möglich Störpotenzial haben. Unsere Nachbarländer (nicht Österreich, dort ist man genauso dumm wie bei uns) zeigen wie das gelingen kann. Beutegreifer dagegen sind von Natur aus eher nachtaktiv. Daher könnte hier der Einsatz von Nachtsichttechnik eher sinnvoll sein. Aber zum richtigen Ansprechen gehört nicht nur der Blick auf das Ziel, sondern auch das Verstehen und Erkennen von Verhaltensweisen, die einen Hinweis auf Geschlecht, Sozialstatus etc. liefern können. Das ist Erfahrungswissen oder einfach Handwerkszeug. Wer das nicht draufhat, dem hilft auch keine hochgerüstete Militärtechnik (vielleicht bald mit KI beim Ansprechen?) beim „Tierschutz“.