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Mittwoch, 23. November 2022

23. November 2022, 10:35    Webmaster

Von Wildmeister Dieter Bertram: „Wechsel und Wege eines alten Rehwildjägers“


Auf Wunsch von Dieter Bertram, einem unermüdlichen Streiter für unser Wild, freuen wir uns, den nachfolgenden Artikel veröffentlichen zu dürfen.

Seinen 65. Jahresjagdschein wird er im kommenden Jahre lösen, der über Achtzigjährige, der täglich noch in dem von seinem Sohn übernommenen holzverarbeitenden Betrieb arbeitet und mit der gleichen Regelmäßigkeit das Rehwildrevier in seiner Heimatgemeinde Höhnhart in Oberösterreich betreut.

Josef Steinberger, der Sepp mit dem immer verschmitzten Lächeln, hat er zu Jagd und Jäger noch etwas zu sagen? Ich war neugierig auf ihn. Wenn man ihn fragt und hören kann, ob denn die Rehe nach so langer Bekanntschaft im Revier ihn mit Handschlag begrüßen, sprudelt es aus ihm heraus. Auch wenn der Sepp einige Male erfolgreich im Auslande jagte, gehört seine besondere Zuneigung den Rehen, denen er sein Leben widmete.

Hierbei ist nicht das Bedeutungsvollste, dass er mit einer über fünfzigjährigen Ferlacher Kipplaufbüchse und einem vierfachen Zielfernrohr viele Rehböcke streckte. Bemerkenswert ist sein Kenntnisreichtum über unsere Rehe, ihre Lebensansprüche, ihren Familiensinn.

Der Sepp achtet darauf, dass der Geiß, die das erste Mal gesetzt hat, nicht die Kitze geschossen werden. Der Verlust sei so gravierend, dass sie das Revier verlässt. Mit großer Sorgfalt führt er die Abschüsse nicht nur des männlichen, sondern auch des weiblichen Wildes durch. Sein Gesicht wird ernst und zornig, wenn er hört, wie sorglos der Abschuss des weiblichen Wildes in einigen Regionen auf Treibjagden erfüllt wird, wo führungsloses Jungwild und schlechtes, zerschossenes Wildbret zurückbleiben.

In Österreich gibt es immer noch sehr straffe Abschussrichtlinien für die Böcke. Was unbeachtet bleibt, ist, dass die starken, erfahrenen Geißen wesentliche Leistungsträger des Nachwuchses sind.

Mit Kopfschütteln begegnet man in Österreich heute der jagdlichen Entwicklung im nördlichen Nachbarland Deutschland. An der deutsch-österreichischen Grenze gibt es andere Jagd- und Schonzeiten für Rehwild als im Inneren des Landes. Man trägt damit einer wildfeindlichen und bedenklichen wildbiologischen Entwicklung Rechnung, passt sich schlechten Gewohnheiten an. Was über 50 Jahre im Revier vom Sepp unüblich war, nämlich jede angeäste und gefegte Pflanze zu zählen, hat in den letzten eineinhalb Jahrzehnten auch hier Gestalt angenommen.

„Für mich ist Österreich, das ich länger als drei Jahrzehnte mit seinen Menschen, der Landschaft, dem Wild und seinen Jägern zu kennen glaubte, ein Stück heile Welt.“ Der Sepp stimmt mir zu, dass er an keinem anderen Platz der Erde leben möchte. Er ist Teil der Landschaft. Während sich unsere Rehe in Deutschland durch den Winter hungern, bleiben wir in seiner Trophäenhalle noch einmal bei den 400 und 500 Gramm Böcken stehen, 20-25 kg wiegen sie aufgebrochen.

In der Scheune ist das Silo noch mit einigen Tonnen selbstgemischtem Rehfutter gefüllt. Fütterungszeitpunkt und Futtermenge sind nicht vorgeschrieben. Winterfütterung ist bei uns geächtet und wird vielerorts geahndet. In Österreich ist sie gesetzlich vorgeschrieben.

Nachdenklich fahre ich zu meinem Wohnsitz, einem Einödhof, und sehe nicht weit vom Haus 7 wohlgenährte Rehe an meiner Fütterung stehen, die bereits nachmittags aus dem Hang wechseln, wo die Tannen-Naturverjüngung wie die Haare auf dem Hund steht. Ich sitze in dicken Loden noch vor dem Haus. Das Thermometer wird sich wieder in Richtung 20 °- bewegen in dieser Nacht.

Noch einmal denk ich an den Jäger Sepp, seine unwissenschaftlichen, aber kenntnisreichen Gedanken, auch an mein eigenes Jägerleben, dass es eine Vergünstigung war, große gehegte Reviere aufzubauen, zu betreuen und in meinem Berufsleben herausragende Jägerpersönlichkeiten kennen gelernt zu haben. Dass es mir im Alter vergönnt ist, durch gute Freunde mit der Natur und dem Wild verbunden zu bleiben, ist ein besonderer Glücksfall. Meine Rehe haben sich im Grau des Winterabends verloren. Wie an jedem Abend ruft der Uhu, der Hofkater „Peter“ hat sich neben mich gesetzt und weit bellt ein Fuchs in die kalte Winternacht.

Josef Steinberger – Abzeichen für 70 Jahre Jäger

Als einer der ersten Jäger in Oberösterreich erhielt Josef Steinberger das erst mit Jänner 2018 neu geschaffene Abzeichen für 70 Jahre Jäger vom oö. Landesjagdverband. Es wurde ihm beim Jagastammtisch der Höhnharter Jäger am 3. März im Gasthaus Gramiller offiziell angesteckt.

Josef Steinberger war vor drei Jahren mit Johann Frauenhuber (inzwischen verstorben) einer der ersten Jäger in Oberösterreich mit der Auszeichnung für 70 Jahre Mitglied der oö. Jägerschaft, damals gab es nur eine Urkunde.

Auf Anregung der Braunauer Bezirksjagdgruppe mit Schriftführer Martin Erhart wurde nun ein entsprechendes Abzeichen an die wenigen Jäger in Oberösterreich, die 70 Jahre und mehr auf die Jagd gehen, nachträglich ausgesandt und überreicht.

12.03.2018

Quelle: Gemeinde Höhnhart

Bildquelle: (c)Wildes Bayern e.V.




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