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Donnerstag, 21. Oktober 2021

21. Oktober 2021, 10:36    Webmaster

Will Regierung die geretteten Rehkitze töten lassen?


Von besorgten Mitgliedern erhielten wir diese Mail, die von der Regierung von Oberbayern an die Landkreise geschickt wurde. Die im Frühjahr geretteten Rehkitze – es gab dazu eine Schätzung der offiziellen Zahlen – sollen nun also über den Abschussplan doch noch zu Tode kommen. Anscheinend muss nun für jedes gerettete Kitz ein Reh mehr sterben? Oder wie soll man diese Frage verstehen?

(c)Wildes Bayern – Bildschirmfoto

Das in dem Schreiben erwähnte „Forstliche Gutachten“ hat übrigens wissenschaftlichen Auswertungen zufolge keine Aussagekraft darüber, wie es der Waldverjüngung tatsächlich geht und kann auch nichts über die Zahl der Rehe im Wald sagen. Trotzdem sollen diese recht willkürlichen Aussagen über das Schicksal von Rehen, Hirschen und Gämsen entscheiden. Und darüber, ob Reviere mit behördlichen Zwangsmaßnahmen leer geräumt werden sollen.
Bitte informiert auch alle Kitzretter, was ihre Erfolge in der Jagdverwaltung Bayerns auslösen.

Bildquelle: (c)Wildes Bayern - Bildschirmfoto




Lovis Kauertz schrieb:


Wir hatten ja seinerzeit den BJV hinsichtlich seiner Pressemitteilung zu 90.000 geretteten Rehkitzen angeschrieben, mit der Bitte um Information, wie denn diese Zahl zustande gekommen sei. Und natürlich nie eine Antwort erhalten, weil – wie wir vermuten – diese Zahl für PR-Zwecke etwas zu sehr überdehnt wurde. Bisher gab es immer nur grobe Schätzung hinsichtlich der Rehkitze, die deutschlandweit vermäht wurden – die Zahl lag bei etwa 100.000 (… und mag ebenfalls falsch sein, weil es m.W. halt keine genaueren Erhebungen zu diesem Thema gibt).
Was bedeutet eine Zahl von 90.000 geretteten Kitzen allein in Bayern? Bei einer sehr hoch angesetzten Rettungsquote von 50 % wären also 90.000 weitere Tiere durch das Mähwerk getötet worden. Wenn wir realistischer annehmen, dass 3 von 10 Tieren in Bayern durch das Absuchen der Felder überlebt haben, wären wir schon bei 210.000 weiteren Tieren, die bei der Mahd in Bayern umgekommen wären. Auf ganz Deutschland bezogen würden bei den Hirngespinsten des BJV pro Jahr zwischen 500.000 und weit über 700.000 Rehkitze Opfer der Mahd werden.
Dass Jäger lügen, weiß jedes Kind. Aber so offensichtlich, wie es der BJV in dieser Sache wohl gemacht hat, muss es ja nicht sein.

Antworten
Christine Miller schrieb:


Meines Information nach bezog sich der BJV auf Veröffentlichungen der Landesanstalt für Landwirtschaft. Fakt ist, dass der Abschuss bei Rehwild „eigentlich“ auf eine jährliche Zuwachsrate bezogen werden sollte. Da wird sehr oft eine sehr hohe durchschnittliche Reproduktionsrate herangezogen (Anzahl Kitze, die von einer Geiß gesetzt werden), aber die teilweise sehr hohen Verluste von Kitzen, die die ersten Monate ihres Lebens nicht überleben, nicht berücksichtigt. Es gilt als „jagdlicht nutzbare Zuwachsrate“ nur was bis zum 1. September, dem Beginn der Jagdzeit überlebt. Das ist der grundsätzliche Denkfehler in der Jagdplanung – wenn sie sich überhaupt noch den Anschein geben will, sich an biologischen Fakten zu orientieren. Die Forderung des Bauernverbandes und einige AELFs, die geretteten Kitze noch in der Abschussplanung zu berücksichtigen, zeigt die ganze Erbärmlichkeit gewisser Lobbygruppen und Behörden im Umgang mit Naturgütern.

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