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Dienstag, 21. April 2026

Scrollicon
Zwei Störche stolzieren durch eine überflutete grüne Wiese, in der auch Enten schwimmen
21. April 2026, 10:37    office@wildes-bayern.de

23. April – Online-Vortrag zu Wässerwiesen


Letztes Jahr haben wir Ihnen hier die alte Nutzungsform der Wässerwiesen vorgestellt, die uns sehr fasziniert hat (s. unten). Nun bietet der Landesverein für Heimatpflege dazu einen Online-Vortrag an: Am Donnerstag, 23. April, von 18 bis 19.30 Uhr läuft online der Vortrag „Tradition mit Zukunft – Wässerwiesen Forchheim“ von Julia Schrade von der Stadt Forchheim.

Sie ist mit dem Wassermanagement der Stadt Forchheim betraut. Ihr Vortrag beleuchtet die Bewirtschaftung von „Wässerwiesen“ mit ihren markanten Wehren als prägende Kulturlandschaftselemente und stellt die traditionelle Bewässerung vor, die seit dem 15. Jahrhundert in Franken belegt und seit 2023 von der UNESCO als Immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkannt ist.

Die Wässergräben fördern Biodiversität, stailisieren den Landschaftswasserhaushalt und tragen zur Grundwasseranreicherung bei.

Die Stadt Forchheim ist eine EU-Dependance des Internationalen Zentrums der Traditionellen Bewässerung in Europa.

Der Vortrag von Julia Schrade findet im Rahmen der monatlichen Online-Sprechstunde des Heimatvereins. Sie dient der Information über aktuelle Neuerungen und dem Austausch zwischen den Heimatforscherinnen und Kulturlandschaftserfassern.

Bitte melden Sie sich hier rechtzeitig an, dann bekommen Sie einen Link und können sich einwählen.

 

Meldung vom 6. August 2025: Wässerwiesen – was ist das denn?

Die Bewässerung von Wiesen ist ein jahrhundertealtes landwirtschaftliches Kulturgut, das unter anderem in Franken erhalten ist, aber zum Beispiel auch im Spreewald und anderen Regionen, oft unter verschiedenen Namen und Einsatz verschiedener Techniken. Wässerwiesen sind grundsätzlich eine besondere Form der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung, bei der Wiesen gezielt mit Wasser überflutet werden. Das stellt nicht nur sicher, dass sie nicht austrocknen, sondern liefert zusätzlich Nährstoffe.

Diese Technik, vielerorts in Vergessenheit geraten, prägt seit Jahrhunderten die Kulturlandschaften Mitteleuropas. Sie hilft, Wasser in der Landschaft zu halten und Hochwasser abzumildern, und trägt mit ihrer hohen Biodiversität wesentlich zur ökologischen Vielfalt bei. Im Dezember 2023 zeichnete die UNESCO diese Praxis als immaterielles Kulturerbe der Menschheit aus.

Die seit dem Mittelalter belegte, meist genossenschaftlich organisierte Wiesenbewässerung im Großraum Schwabach-Nürnberg-Erlangen-Forchheim zum Beispiel dient der Ertragssteigerung bei Gras, Heu und Grummet auf den sandigen, wasserdurchlässigen und nährstoffarmen Böden des vergleichsweise niederschlagsarmen Mittelfränkischen Beckens. Über Grabensysteme und Wehre gelangt das Wasser aus den Fließgewässern auf die Wiesen, teilweise werden von der Strömung angetriebene Wasserschöpfräder eingesetzt. Die seit Jahrhunderten kultivierten Wässerwiesen zeichnen sich durch eine hohe Biodiversität aus und haben wichtige Funktionen für das Stadtklima und die regionale Kulturlandschaft.

Eine international besetzte Fachtagung in Forchheim hat kürzlich die Bedeutung, Herausforderungen und Perspektiven der sogenannten Wässerwiesen diskutiert. Die Tagung zeigte eindrucksvoll, wie wertvoll das Wissen um diese alten Bewässerungstechniken für die nachhaltige Entwicklung von Kulturlandschaften ist.

In vielen der Vorträgen kam die Artenvielfalt zumindest am Rande vor. Der Nutzen von Wässerwiesen ist klar: Hier können sich je nach Wasserstand Fische, Amphibien, Säuger wie Biber oder Fischotter, Insekten und natürlich Wasser- und Watvögel einfinden. Julia Sattler, Biologin an der Universität Regensburg, erläuterte aber auch ermutigende Ergebnisse aus dem Projekt „Flussperlmuschel und Wässerwiese“: In ihrem Untersuchungsgebiet deckten sich 70 Prozent der Wässerwiesennutzung mit dem Vorkommen der Flussperlmuschel. Erste Ergebnisse eines Praxisversuchs deuteten darauf hin, dass Wässerwiesen sich positiv auf die Organismen des Lebensraums Bach auswirken und es empfehlenswert sein kann, Wiederansiedlungsprojekte von Muscheln mit Wässerwiesennutzung zu begleiten.

Fazit der Tagung: Die Bewässerung von Wiesen ist mehr als eine landwirtschaftliche Technik – sie ist gelebtes Kulturerbe, ökologischer Schatz und Zukunftschance zugleich. Die Tagung in Forchheim hat wichtige Impulse gesetzt, um dieses Wissen zu bewahren, weiterzugeben und an die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts anzupassen. Die Verbindung von Tradition und Innovation, von regionaler Identität und internationalem Austausch macht die Wiesenbewässerung zu einem Schlüsselthema für die nachhaltige Entwicklung ländlicher Räume in Bayern, Deutschland und Europa.

Mehr Infos über Wässerwiesen finden Sie zum Beispiel hier beim Deutschen Verband für Landschaftspflege

Hier finden Sie Infos zu Wässerwiesen im Bayerischen Wald

Hier finden Sie eine Vorab-Zusammenfassung von der Tagung – mit ganz herzlichem Dank an die ANL!

Falls Sie sich mal über Veranstaltungen und Veröffentlichungen der Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege informieren möchtet, geht das hier

Hier finden Sie Infos des Umweltsamts Nürnberg zu den Wässerwiesen

 

Bildquelle: Ralf Rödel/Stadt Forschheim




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