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Donnerstag, 24. August 2023

24. August 2023, 08:32    Webmaster

Der Ausverkauf unserer Wälder hat begonnen


**UPDATE 21. August 2023: Der Ausverkauf geht weiter – man kann sich gut vorstellen, wie in den Augen unserer staatlichen Forstunternehmer die Dollarzeichen leuchten. In einer Pressemitteilung informieren die Bayerischen Staatsforsten über neue Standorte von Windkraftanlagen (WEA). Bis zu 9 Stück sollen in den Gemeinden Markt Wiggensbach im Oberallgäu sowie in Kottgeisering im oberbayerischen Landkreis Fürstenfeldbruck entstehen. Auf den Flächen der BaySF wurden bisher bereits 101 WEA realisiert. Derzeit sind aktuell 27 Standortssicherungsverträge für 138 neue WEA abgeschlossen. Mit den heute gestarteten Auswahlverfahren werden es dann voraussichtlich 29 Standortsicherungsverträge für 147 neue WEA sein. Wann hat der Wald begonnen, den Förstern so egal zu sein…?

Hier der Link zur Pressemitteilung der Bayerische Staatsforsten

Im Öttinger Forst im Landkreis Altötting soll der größte Wald-Windpark Süddeutschlands entstehen. Da, wo sich in einem großen zusammenhängenden Wald heute noch Hase und Igel gute Nacht sagen, wo Spechte, Käuze, Rehe, Dachse und Wildschweine ihr Zuhause haben, werden in Kürze LKW-Kolonnen in den Wald donnern, großflächig roden und mit riesigen Maschinen den Bau von 40 Windrädern vorantreiben. Die Landschaft wird nie wieder dieselbe sein. Und das Schlimmste daran ist: Das passiert in einer Region, die auf Windstärke-Karten am unteren Ende der Skala eingestuft wird – siehe zum Beispiel hier beim Energieatlas Bayern (die Skala der Windleistung bzw. des Ertrags geht von dunkelblau = null oder fast nix über türkis und grün hin zu gelb, orange, rot und dann tiefrot – der Öttinger Forst ist ungefähr da, wo wir den weißen Punkt gesetzt haben):

(c)Energieatlas

Eigentümer des Landes ist der Freistaat – verwaltet wird es aber vom Unternehmen Bayerische Staatsforsten, in diesem Fall vom Betrieb Wasserburg. Der schreibt in seinem Naturschutzkonzept:

“Der Ebersberger Forst mit dem Großhaager Forst sowie der Burghauser und Altöttinger Forst zählen zu den Besonderheiten des Forstbetriebes. Im Naturraum sind solch große und zusammenhängende Waldgebiete von über 7.000 Hektar bzw. 5.000 Hektar selten. Da es sich dabei fast ausschließlich um Staatswald handelt, trägt der Forstbetrieb hier eine besondere Verantwortung bei der Bewirtschaftung dieser vergleichsweise naturnahen Lebensräume. (…)

Im Altöttinger und Burghauser Forst wurden im Zuge eines Projektes zum Ausgleich von Eingriffen in die Natur Schwarzspechtbäume erfasst und markiert. Die Ergebnisse zeigten eine flächige Verbreitung im Lebensraum. Die Schwarzspechthöhlen sind auch für andere Arten von großer Bedeutung. So sind über 60 Tierarten als Nachnutzer bzw. Höhlen-Konkurrenten des Schwarzspechts bekannt. Darunter sind Eichhörnchen, Baummarder, Hohltaube, Sperlings- und Raufusskauz, Kleiber und Dohle. Auch Wespen und Hornissen nutzen die Höhlen. Zahlreiche Fledermausarten verwenden die Schwarzspecht-Höhlen als Sommerquartier und Überwinterungsort. Mit der Zeit entsteht am Boden von alten Spechthöhlen Mulm, der aus sich zersetzendem Holz und Exkrementen besteht. Dieser bietet Lebensraum für zahlreiche Käferarten.”

Naturnah – so lautete bislang die offizielle Stoßrichtung bei der Waldbewirtschaftung. Jetzt weht der Wind allerdings von woanders. Ministerpräsident Dr. Markus Söder: “Bis 2030 sollen in Bayern über 1.000 neue Windräder gebaut werden. Wald und Windkraft – das passt sehr gut zusammen. Nachhaltig, natürlich und zukunftsträchtig.”

Forstministerin Michaela Kaniber: “Das Projekt ist ein Meilenstein für den Ausbau der Windkraft in Bayern. Die Bayerischen Staatsforsten werden dabei in den nächsten Jahren eine Schlüsselrolle einnehmen. Als Forstministerin und Aufsichtsratsvorsitzende der Bayerischen Staatsforsten bin ich stolz darauf, dass wir im Staatswald so einen wichtigen Beitrag zur Energiewende in Bayern leisten können …”

Innerhalb weniger Monate seien bereits mehr als 100 neue Windenergieanlagen in den staatlichen Wäldern initiiert worden. Und das in Regionen, in denen man etwa acht Windräder bauen muss, um auch nur die Ausbeute eines einzigen Off-Shore Windrades im Norden zu erreichen. Warum Windräder bauen, da wo kaum ein Lüftchen weht? Blinder Aktionismus – aber mit einem gewaltigen Blutzoll für Natur und Artenvielfalt!

Hier kommt Ihr zu einem BR-Bericht über den geplanten Windpark und die Skepsis dagegen

Hier könnt Ihr die Petition unterschreiben

 

(c)chef-eco-energy.com

Bildquelle: (c)Energieatlas, (c)Fraunhofer Institut, (c)Judith Schmidthuber, (c)chef-eco-energy.com




Hermann Waldner schrieb:


Bitte keine unsinnigen Windräder

Antworten
Steffi schrieb:


Geht gar nicht ! Keine Windräder mehr es kommen schon genug Tiere die unter Artenschutz stehen ums Leben !

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Petra Fetzer schrieb:


Das Forstgesetzt besagt „ Wald vor Wild!“
Inzwischen heisst eher „Windrad vor Wald und vor Wild!“
Unglaublich, wie Natur zerstört wird!
Frau Kaniber, da ist Stolz nicht angebracht!

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Ludwig Unterstaller schrieb:


Maximale Waldzerstörung bei minimaler Stromausbeute“ so lautet eine Schlagzeile in der Zeitung
„WELT“ in einem Artikel zum geplanten Altöttinger Windpark. Damit trifft man den Nagel auf den
Kopf. Wenn ein Bürgermeister im Landkreis einen „Touch von Anordnungspolitik“ sieht, liegt er
absolut richtig. Nur ist es kein „Touch“, sondern volle Breitseite. „Ich bin nicht dafür, den Wald
abzuholzen“ teilt Bürgermeister Stephan Antwerpen laut „WELT“ mit, und weiter wird er zitiert „Im
Staatsforst seien die Chancen größer, weil es dort keine Ansiedlungen und Grundbesitzer gebe, die
den Windkraftausbau blockieren“. Das ist ein interessantes Argument, wenn man bedenkt, dass es
andernorts wesentlich windintensivere Gebiete gäbe. Der Eindruck vonEmmertings Bürgermeister
Stefan Kammergruber ist definitiv richtig, nämlich, „dass hier Windräder nur gebaut werden sollen,
um eine Quote zu erfüllen“. Windräder müssen her, befindet Ministerpräsident Söder, und hat unser
anerkanntes Schwachwindgebiet auserkoren, um 40 riesige Windräder im Staatswald zu errichten.
Offensichtlich genau deswegen hier, weil man eben keinen „Gegenwind“ von Grundbesitzern
befürchten muss und man ohne viel Aufhebens loslegen kann. Dass der, sonst allenthalben als enorm
wichtig beschriebene, Wald massiv geschädigt wird, spielt plötzlich keine Rolle. Maximale Einbindung
der Bürger wird vielfach erwähnt, wie diese aussieht konnte ich allerdings nicht finden. Man liest,
dass Bürgerversammlungen stattfinden sollen, man wisse aber noch nicht wann. Derzeit festigt sich
der Eindruck, dass die Bürger überrollt werden sollen, um dann vor vollendeten Tatsachen zu stehen.
Dass zwei Bürgermeister nicht zur Veranstaltung mit dem Ministerpräsidenten und seinem Gefolge
eingeladen wurden, passt in das Gesamtbild der Aktion.
Altöttings Bürgermeister weiß laut Alt-Neuöttinger Anzeiger vom 16.06.2023, dass die
Windkraftanlagen „sicher kommen“, „das ist Fakt“. Die Windmessungen, die vorgenommen werden
sollen, seien nicht mehr entscheidend in der Frage, ob der Windpark entsteht, sondern dafür, wo
genau die Standorte der mindestens 40 Anlagen positioniert werden. Wenn das so ist, kann man sich
die stets propagierte Einbindung der Bürger ganz einfach komplett sparen. Ist scheinbar sowieso egal,
was diese denken. In meinem doch recht großen Bekanntenkreis findet sich jedenfalls niemand, der
sich auch nur annähernd informiert, geschweige denn mitgenommen, fühlt

Antworten
Stephan Lahrmann schrieb:


Lieber Ludwig, besser kann man es nicht formulieren!
In der Veranstaltung in Emmerting wurde der Eindruck vermittelt, dass der erzeugte Strom direkt per Kabel zur Industrie geleitet wird.. Das ist natürlich Unsinn, der Strom geht ins öffentliche Netz.
Die Industrie wird vermutlich über CO2-Zertifikate profitieren, was sich in der Aussendarstellung gut vermarkteten lässt.
Und ja, es gibt keine Anwohner, die klagen, die BaySF verdienen hervorragend (kein Vorwurf, das ist ein Wirtschaftsunternehmen!) und alle verdienen letztlich über Subventionen gut am Projekt.

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Wilding Bettina schrieb:


Es ist nicht zu glauben das unser ÄÖ Wald /Tiere und alles was die Natur bittet geopfert werden soll für Windräder. Mein Opa ist mit mir immer in den Wald gegangen, damit ich die Bäume,Sträucher,Kräuter,Pilze und Tiere (mich faszinieren die großen Haufen unserer fleißigen Waldameisen)kennen zu lernen und alles andere was der Wald bittet. Der Wald ist für mich ein Ort der Stille,des durchatmens und des Stress abbaus nach einem anstrengenden Tag, vorallem auch in der Coronazeit als wir sonst nicht mehr raus durften.Ich verstehe nicht warum für Windräder unser Wald
und die Tiere geopfert werden müssen.Unsere Politiker sollten alle mal im Wald spazieren gehen,aber mit OFFENEN AUGEN und sich die NATUR mit unseren Pflanzen und Tieren bewusst machen.,dann wüsten sie was ihnen entgeht und was sie uns nehmen und zerstören wollen

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Lutz Herz schrieb:


Es würde mich einmal interessieren, wie der einfache Revierförster dieses Verhalten seiner Vorgesetzten sieht. Den dadurch werden zwar die Pachteinnahmen der Baysf erhöht, der Wald ist aber weg und die damit verbundenen Arbeitsplätze

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