Blogpost
Samstag, 05. März 2022

Scrollicon
Kronach: Todeszone am Grünen Band
05. März 2022, 14:47    office@wildes-bayern.de

Kronach: Todeszone am Grünen Band


Über 30 Jahre ist die Auflösung der innerdeutschen Grenze jetzt her, aber dass die ehemalige Todeszone heute ein Vorzeigeprojekt für Biotopverbund sein soll,  hat offenbar noch nicht alle Köpfe in der Region erreicht. Im Landkreis Kronach machen Jäger mit Rückhalt der Behörden 24/7 Dampf aufs Rotwild. In dem qua Gesetz rotwildfrei zu haltenden Gebiet haben 28 Reviere nach Auskunft der Unteren Jagdbehörde im Jahr 2022 einen Antrag gestellt, die rund halbjährige Jagdzeit dieser Wildart zusätzlich um den Monat Februar zu verlängern. Gleichviele holten sich eine Genehmigung, dass die Jagd rund um Vollmond auch nachts nicht mehr ruhen muss. Kronach umfasst rund 160 Reviere, von denen 50 bis 60 tatsächlich Rotwildberührung haben dürften.

Verteilt über die Reviere, wurden Anträge zu Schonzeitaufhebung und Nachtabschuss über alle Alter und Geschlechter, vom Kalb bis zum Hirsch Klasse I, gestellt. Die Untere Jagdbehörde hat sämtliche Anträge genehmigt und teilt mit, die Gründe seien „allseits bekannt“: Trockenheit, Borkenkäfer, dringend notwendiger Waldumbau, Schäden durch Verbiss, Verfegen und Schälen sowie – man halte sich fest – Befürchtungen, dass solche auftreten könnten. Die Schäden, so das Landratsamt, würden von den Jägern und Landwirten gemeldet. Eigene Erkenntnisse hat die Behörde hierzu nicht.

Und, das klingt schon fast nach Sarkasmus: Dass im Winter in den Forsten um Kronach herum Abholzungen und Abtransport des Holzes „durch schwere Gerätschaften bis spät in die Nacht“ erfolgten, führt die Jagdbehörde quasi erklärend oder gar entschuldigend für  „erschwerte Bedingungen bei der Jagdausübung“ an. Was es für Wildtiere vom Waldkauz bis zu Reh und Rothirsch bedeutet, wenn ihr Lebensraum ausgerechnet im Winter von Maschinen zerstört und vernichtet wird, kann sich Jeder selbst ausmalen: Keine Ruhe, um den Stoffwechsel runterzufahren, statt dessen Schutzlosigkeit, ständige Wachsamkeit und immer Hunger.

Wildes Bayern setzt sich für einen art- und ökologiegerechten Umgang mit dem Rotwild ein. In Sachen Kronach prüfen wir aktuell, welche rechtlichen Schritte wir einleiten können.

 

Im vergangenen Jahr berichtete Dr. Christine Miller in der Jagdzeitschrift „Wild und Hund“ ausführlich über die Situation in Kronach. Mit freundlicher Genehmigung von Wild und Hund findet Ihr das pdf hier zum Download.

 

Bildquelle: Wildes Bayern - Foto-Copyright privat/CM




Hermann Josef Mäusbacher schrieb:


Endlich tut sich was bei uns! Vielen herzlichen ❤️ Dank für Ihren Einsatz! ? Mir liegt das schon seit vielen Jahren am Herzen, dass sich jemand darum kümmert! Ich bin gern bereit mitzuwirken.

Antworten
Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.









Aktuelle Informationen



Offener Brief von Wildes Bayern an Miesbacher Kandidaten UPDATE Die Kommunalwahl im Landkreis Miesbach wirft ihre Schatten voraus - im wahrsten Sinne des Wortes Schatten, denn hier reiht sich…

Dienstag, 10. Februar 2026
Jetzt lesen
"Slow" Peak Festival Wallberg - viel erreicht, aber mehr ist nötig Am 7. Februar war es soweit: Am Wallberg fand das seit Monaten angekündigte "Snow Peak Festival" statt, gegen das Wildes…

Dienstag, 10. Februar 2026
Jetzt lesen
Über den Rechtsweg zum Umweltschutz: Workshop in Berlin Ende Januar war Wildes Bayern in Berlin beim Workshop „Tools and Skills for Environmental Defenders“ vertreten. Da waren wir genau…

Dienstag, 10. Februar 2026
Jetzt lesen

Mitglied werden