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Donnerstag, 24. März 2022

24. März 2022, 11:44    Webmaster

Rotwild – gefangen im ewigen Lockdown


Inzucht beim Rotwild – ja, bittschön, was denken sich denn diese Hirsche dabei, Sex mit ihren Verwandten zu haben? Das ist der Tenor einer Glosse aus der „Südwestpresse“ vom 19. März 2022 (s. u.).

Trauriger Hintergrund ist eine Studie der Universität Göttingen, die aufzeigt, dass das Rotwild bundesweit massiv von Inzucht bedroht ist – oder sie schon erleidet. Die Wissenschaftler um Niko Balkenhol haben die genetische Vielfalt von 34 Rothirsch-Vorkommen in Deutschland untersucht und dafür 1.110 Proben ausgewertet. Ergebnis: Nur zwei Vorkommen erreichen eine genetisch-effektive Populationsgröße von mehr als 500 Tieren, die langfristig vor Inzucht schützt.

Der Inzucht-Wert bei den meisten Populationen ist so hoch, wie wenn sich Eltern mit ihren Kindern paaren würden (was beim Rotwild ja tatsächlich der Fall ist). „Straßen, Siedlungen und behördlich verordnete rotwildfreie Gebiete sind Hauptursachen für fehlende Vernetzung der Rothirsch-Vorkommen“, schreibt der Deutsche Jagdverband, der die Studie mitfinanziert hat.

Da darf sich Bayern getrost angesprochen fühlen, schließlich hat außer Baden-Württemberg kein Bundesland so rigorose Rotwild-Beschränkungen: Nur 14 Prozent unserer Landesfläche, unterteilt in kleine Inseln, ist dem Rotwild zugestanden – überall sonst müssen die Tiere ausgerottet werden.

In Baden-Württemberg sind es nur noch vier Prozent (siehe dazu auch Artikel aus der Rhein-Neckar-Zeitung vom 24. März 2022). Aber während in Bayern auch angesichts der dramatischen Erkenntnisse Schweigen im Walde herrscht, tut sich hier ein bißchen was: Die CSU-Landtagsabgeordnete Sarah Schweizer teilte am 23. März mit, angesichts der Studienergebnisse „beunruhigt“ zu sein und immerhin ein Fachgespräch mit allen beteiligten Akteuren aus Wissenschaft, Jagd, Forstwirtschaft, Naturschutz und Behörden zu planen. „Im Interesse der Artenvielfalt müsse nun zügig bewertet werden, wie es um die Lebensverhältnisse des Rotwilds in Baden-Württemberg steht und ob wir die Lebensumstände des Rotwilds in unserer Kulturlandschaft unter Berücksichtigung wald-und forstwirtschaftlicher Belange weiterentwickeln müssen“, heißt es in der entsprechenden Pressemitteilung. Geplant sei auch ein Besuch im Rotwildgebiet Südschwarzwald, um mit Forstwirtschaft und Jägerschaft einen Eindruck von Bewirtschaftung und Konfliktlinien vor Orte zu gewinnen.

Uns gemahnt die Situation des Rotwildes an unsere eigene in den letzten Monaten: Es ist, wie wenn bei uns der Lockdown mit Ausgangssperre nie wieder aufgehoben würde und auf das Verlassen des Hauses die Todesstrafe stünde. Deshalb fordert Wildes Bayern den Freedom-Day fürs Rotwild!

 

(c)Suedwestpresse „Einladung zum Hirsch Sex“

 

Bildquelle: (c)Hubert Billiani




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