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Freitag, 20. Januar 2023

20. Januar 2023, 06:38    Webmaster

150 Interessierte bei unserer Lesung und Diskussion zum Reh


Rund 150 Gäste im übervollen Saal und eine gespannte Stille, in der man eine Stecknadel hätte fallen hören – die Einladung von Wildes Bayern und unseren Partnerverbänden zu einer Lesung und Podiumsdiskussion zum Reh am 17. Januar in Murnau am Staffelsee hatte definitiv Aufsehen erregt. Zusammen mit den BJV-Kreisgruppen Garmisch-Partenkirchen und Weilheim-Schongau sowie dem Landesverband Bayern des Deutschen Tierschutzbunds hatten wir eingeladen unter dem Titel: „Das Reh – wie gehen wir mit ihm um, und wer bestimmt das?“

Den Auftakt machte Dr. Rudolf Neumaier, der Passagen aus seinem Buch „Das Reh. Ein sagenhaftes Tier“ las. Das Buch, das neben eigenen Erlebnissen und kulturellen Aspekten auch den Konflikt zwischen vielen Jägern und Waldbauern oder Förstern thematisiert, stößt bei manchen forstlichen Interessenvertretern und Landwirten auf wenig Gegenliebe. Neumaier, früher leitender Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung, hat dafür ohne Scheuklappen recherchiert und stellt die Ergebnisse seiner Gespräche, Waldbegänge und Recherchen schonungslos dar.

Noch spannender wurde es im zweiten Teil der Veranstaltung. Angesagt war eine Podiumsdiskussion mit Vertretern der verschiedenen Interessengruppen Tierschutz, Jagd, Naturschutz, Grundbesitzer, Förster und Bauern. Doch weder das staatliche Forstamt (AELF), noch die Waldbesitzervereinigung wollten an dieser öffentlichen Diskussion teilnehmen. Erst als Moderator Wolfgang Küpper die Einladung aufs Podium vor dem ganzen Saal wiederholte, trauten sich doch Wolfgang Scholz vom örtlichen Bauernverband sowie Felix Wörmann zusammen mit seinem Geschäftsführer Thomas Grebenstein von der Waldbesitzervereinigung Ammer-Loisach auf die Bühne. Das Amt für Forsten blieb fern, ebenso wie der auch eingeladene Forstbetrieb des Unternehmens BaySF in Oberammergau.

Der Tenor aller Teilnehmer war vermeintlich einhellig: Wir brauchen weniger Polarisierung und müssen mehr miteinander reden. Dass darunter allerdings jeder etwas anderes versteht, wurde gleich zu Beginn klar, als Wörmann Neumaiers Buch kritisierte – und dafür ein Zitat aus dem Zusammenhang riss, was der Autor umgehend klarstellte.

Auch über die Frage, ob man einzelne, fürs Reh besonders verlockende Bäume, die man im Bestand haben will, bei Bedarf vor Wildverbiss schützen sollte, gab es keine Einstimmigkeit. So sagte Waldeigentümer Wolfgang Scholz: „Ich bin nicht einverstanden, Bäume zu schützen.“ Dafür, dass es in seinem Wald eine Tannenverjüngung ohne Schutz gibt, nimmt er in Kauf, dass man in seinem Wald kaum noch Rehe sieht, „mit abnehmender Tendenz“. Tierschutz-Vertreterin Tessy Lödermann hielt dagegen: „Ich werde nie verstehen, dass die Verbände, die fordern, unzählige Kilometer Wolfsschutzzäune aufzustellen, es ablehnen, Bäume zu schützen.“

Wildes Bayern-Vorsitzende Dr. Christine Miller, die den Naturschutz vertrat, wies darauf hin, dass man sich, wenn man eine Population beeinflussen wolle, erstmal mit den Fakten auseinandersetzen muss. „Wenn ich das tue, dann gewinne ich womöglich einen neuen Partner in der Waldbewirtschaftung“, sagte sie. „Denn es gibt nicht nur einen Wildschaden, sondern auch einen Wildnutzen. Aber dafür muss ich tiefer in den Materialkoffer des Jagdmanagements greifen als bloß mehr zu schießen.“

Vollrad von Poschinger, Vertreter der Jagd und gleichzeitig gelernter Forstwirt und Waldbesitzer, wies darauf hin, dass die Jagdausbildung in Schnellkursen nicht geeignet sei, künftige Revierpächter ausreichend auszubilden. Er bemängelte – in Übereinstimmung mit Thomas Grebenstein – , dass manche Jäger nur an der Feld-Wald-Grenze jagten und das Wild damit in den Wald trieben. Als Stellschrauben, die nicht genutzt würden, nannte er zum Beispiel Intervalljagden oder Schwerpunktansitze.

Dem ehemaligen BR-Redakteur Wolfgang Küpper gelang es, die hitzige Debatte nach rund eineinhalb Stunden souverän zu ende zu bringen. Eine Einigung war da aber längst nicht in Sicht.

 

Einen weiteren interessanten Beitrag über die Veranstaltung findet Ihr unter www.merkur.de…

Bildquelle: (c)Vivienne Klimke, (c)Vivienne_Klimke_1024x678_1




Hans-Peter Scheibenberger schrieb:


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