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Dienstag, 16. April 2024

16. April 2024, 15:06    office@wildes-bayern.de

Sorge um Kärntens Rotwild wegen neuer Richtlinien


Die Kärntner Jägerschaft bereitet eine neue Richtlinie zur Rotwildbejagung vor, die Fachkundige Sturm laufen lässt. Der größte Stein des Anstoßes ist die so genannte “Vorabbringung” von Kahlwild – das bedeutet, dass Jäger zuerst eine bestimmte Mindestzahl an weiblichen oder unter einjährigen Tieren erlegt haben müssen, bevor sie einen mehrjährigen Hirsch schießen “dürfen”. Teilweise kann Kahlwild über Jahre “vorgeschossen” werden, wie der Geschäftsführer der Kärntner Jägerschaft erklärt. Die tatsächlichen Revier- und Rotwildverhältnisse scheinen in der Vorlage der Richtlinie allerdings keine Rolle zu spielen. Ob tatsächlich “Regulierungsbedarf” besteht, ob tatsächlich untragbare Wildschäden verhindert werden müssen – das alles wird offensichtlich nicht in der Richtlinie berücksichtigt.

Experten befürchten, dass diese Regelung das gesamte System der nachhaltigen und waidgerechten Rotwildjagd in Kärnten durcheinander bringt. Denn diese lässt das Wild im Sommer weitgehend in Ruhe, greift dann zur Feistzeit und Brunft (September) bei den Hirschen ein und erst danach beim Kahlwild.

Dafür gibt es gute Gründe: Ab dem Frühling zieht das Wild in seine Sommereinstände, was in Kärnten die hoch gelegenen Almen sind. Dort setzen die weiblichen Tiere ihre Kälber. Es ist eine sensible Zeit, und es ist völlig in Ordnung, hier nicht einzugreifen, denn das Wild steht außerhalb des Waldes und richtet wenig Schäden an. Vor und während der Brunft wird die Jagd auf alte, reife Hirsche ausgeübt, was auch dazu dient, die hohen Bestände an männlichen Tieren abzuschöpfen.

Die Jagd aufs Kahlwild findet traditionell erst danach statt – zu einem Zeitpunkt, wo Kälber schon etwas größer und mobiler sind, so dass sie den jagdlichen Einfluss aufs Rudel aushalten oder auch gut erlegt werden können.

Dreht man dieses System nun um und bejagt das Kahlwild vor den Hirschen, wie es die Richtlinie vorschreibt, befürchten Experten unter anderem massive Schäden für die Wälder. Denn was in Waldrevieren durchaus eine praktikable Möglichkeit sein kann, bei Reduzierungsbedarf (!) im Sommer Alttiere und ihre Kälber zu erlegen, wäre im Gebirge mit den Sommereinständen außerhalb des Waldes kontraproduktiv. Denn Jagddruck auf den Almen würde das Wild in die Wälder vertreiben. Insgesamt würde diese Änderung viel Unruhe in die Wildbestände bringen – und Stress beim Wild äußert sich immer auch in Schäden.

Elisabeth Schneeweiß, selbst Mitglied im Rotwildausschuss der Kärntner Jägerschaft, ist jetzt mit einem Film an die Öffentlichkeit gegangen. Sie stellt das einzigartige Zusammenspiel von Natur, Rotwild und nachhaltiger Nutzung durch die Jagd in Kärnten vor und äußert ihre Sorge angesichts der geplanten Änderungen:  “Ich spüre durch die neuen Richtlinien eine ernsthafte Gefahr für die Fortführung der nachhaltigen Jagd in ganz Kärnten.”

Aber so wichtig das Anliegen auch ist: Auch abseits der Botschaft ist dieser Film wunderschön und unbedingt sehenswert!

Zum Video kommt Ihr hier

Bildquelle: Leuchtturmprojekt Nockberge




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