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Mittwoch, 10. April 2024

10. April 2024, 06:51    office@wildes-bayern.de

UPDATE Igel sind jetzt wieder unterwegs


UPDATE 08.04.2024 – Deutsche Wildtier Stiftung bittet Gartenbesitzer um barrierefreien Zugang für Igel

Die Tage werden immer länger und auch die letzten Igel erwachen aus dem Winterschlaf. Das Tier des Jahres 2024 muss gleich nach dem Aufwachen ordentlich fressen. Es braucht Energie, denn die anstrengende Paarungszeit steht an. In naturnahen Gärten finden die Insektenfresser ihre Beute: Laufkäfer, Ohrwürmer und andere Wirbellose stehen auf der Igel-Speisekarte. Allerdings hat der dämmerungs- und nachtaktive Wanderer ein Problem: Ihm fehlt der Zugang zu den Leckerbissen.

“Der Weg in naturnahe Gärten wird für den Igel zum Hindernislauf, wenn Zäune bis zum Boden reichen und Mauern keine Lücken zum Durchschlüpfen haben”, sagt Lea-Carina Mendel, Artenschützerin bei der Deutschen Wildtier Stiftung. Ausgebremst durch Zaun und Mauer sucht sich das Stacheltier dann andere Wege. Dabei gerät es schnell in Gefahr. “Ein hungriger Igel quetscht sich beispielsweise flach unter einem Drahtzaun hindurch und kann sich dabei verletzen. Oder er will auf der Suche nach Futter einen anderen Garten ansteuern, überquert dabei eine Straße und wird überfahren.”

Die Deutsche Wildtier Stiftung bittet Gartenbesitzer, Schutzmaßnahmen für das Tier des Jahres 2024 zu treffen. Denn schon mit einfachen Mitteln können Igelfreunde ihre Gärten barrierefrei gestalten. Mit nur drei Maßnahmen durchqueren die Igel ihren Lebensraum – unsere Gärten – auf direktem Weg. So sparen die Tiere Energie und werden nicht auf lebensgefährlichen Umwegen über Straßen geleitet.

Maßnahme 1: “Brauchen Sie eine Begrenzung für ihr Rasenstück, setzen Sie keinen Zaun, sondern pflanzen Sie eine dichte Hecke an”, bittet Lea-Carina Mendel. Hainbuche, Weißdorn, Wildrose oder Feldahorn – statt Kirschlorbeer und Thuja – eignen sich gut. Unter ihnen finden Igel Durchschlupf und Verstecke und unten im Blattwerk tummeln sich zudem Insekten als Igelnahrung. Auch eine Benjeshecke ist nützlich: “Unter den aufgeschichteten Zweigen kann der Igel sein Tagesquartier bauen und erbeutet gleichzeitig Insekten.”

Maßnahme 2: Stellen Sie dennoch Zäune auf, dann wählen Sie ein Modell, das dem Igel Durchschlupf gewährt. “Das sind Zäune, die nicht bis zum Boden reichen. Oder eine Latte im Holzzaun wird herausgenommen, am besten dort, wo keine Straße liegt”, rät Mendel. Steht ein Zaun bereits, sollte er einen Durchgang aufweisen. Ein Igel-Durchschlupf misst am besten mindestens 13 x 13 Zentimeter im Durchmesser. Mit Säge und scharfer Schere können Zäune auch nachträglich präpariert werden. “Achten Sie darauf, dass die Ränder des Durchgangs nach dem Schneiden sauber sind, damit sich kein Igel oder ein anderes Wildtier daran verletzt”, so Mendel.

Maßnahme 3: Überall dort, wo Gärten liegen, in der Dämmerung und nachts bremsbereit und vorausschauend fahren. “Gerade die Männchen haben in der Paarungszeit einen großen Bewegungsradius. Sie queren dabei die Straßen und sind nicht schnell genug, um sich vor heranrollenden Autos in Sicherheit zu bringen”, sagt Mendel.

Ein Beispiel für einen igelfreundlichen Durchgang in einem Zaun finden Sie hier

UPDATE 20.2.2024 – Ein Stündchen Webinar zum Igel am Abend veranstaltet die Deutsche Wildtier Stiftung morgen, 21.2.2024, ab 18 Uhr

Lea-Carina Mendel, Mitarbeiterin im Natur- und Artenschutz der Deutschen Wildtier Stiftung, berichtet im Webinar über die Lebensweise des Igels, der ursprünglich in Heckenlandschaften, feuchtem Grasland und offenen Laubwäldern zu Hause war. Heute sieht es auf dem Land immer eintöniger aus, und Igel sind häufiger in Gärten und Grünanlagen von Städten anzutreffen. Wie es ihnen dort geht, erfahren Sie im Webinar-Vortrag. Im Anschluss haben Sie wie immer die Möglichkeit, Fragen zu stellen.

Zur Anmeldung gehts hier entlang

 

Ursprüngliche Meldung vom 12. Dezember 2023

Die Deutsche Wildtier Stiftung hat bekannt gegeben, dass der Igel das Tier des Jahres 2024 sein wird. Beim Nachdenken darüber ist mir aufgefallen, dass ich in der letzten Zeit tatsächlich wesentlich mehr Igel überfahren auf der Straße gesehen habe als lebend irgendwo im Garten oder in der Natur. Genau diese Problematik greift die Stiftung auch in ihrer Pressemitteilung auf:

“Damit hat ein Wildtier die Wahl zum Tier des Jahres gewonnen, das wohl jedes Kind kennt – das es aber in unserer Kulturlandschaft immer schwerer hat. Der Igel findet immer weniger passenden Lebensraum. Auf dem Land haben aufgeräumte Agrarlandschaften die früher üblichen Hecken, Gehölze und artenreichen Magerwiesen verdrängt.

Mehr Abwechslung bieten Gärten und Grünanlagen in Siedlungsgebieten. Inzwischen gibt es Schätzungen zufolge in Städten bis zu neunmal so viele Igel wie auf dem Land. Aber auch hier hat es der Igel immer schwerer. Denn täglich werden Flächen versiegelt, und in Wohnstraßen breiten sich sterile Schottergärten aus.

Wie viele Igel es in Deutschland gibt, ist nicht bekannt. Wildtierexperten sehen aber mit Sorge, dass der Bestand hierzulande offenbar schleichend abnimmt. Der Igel wird auf der Roten Liste der Säugetiere Deutschlands in der Kategorie „Vorwarnliste“ geführt. Bleibt der negative Einfluss des Menschen auf den Braunbrustigel bestehen, ist zu erwarten, dass die Art in naher Zukunft in die Kategorie „Gefährdet“ hochgestuft werden muss.

Damit es dem stacheligen Nachtwanderer gut geht, braucht er in der Offenlandschaft Hecken und in unseren Gärten wilde Ecken, in denen sich die Natur weitgehend ungestört entfalten kann. Dort kann er sich verstecken, im Sommer seinen Nachwuchs zur Welt bringen und ab November seinen Winterschlaf halten. Außerdem findet er hier seine Nahrung: Insekten, Spinnentiere und Regenwürmer. Dabei hilft ihm sein guter Geruchssinn, mit dem er seine Beute in einem Umfeld von einem Meter aufspüren kann.

Auf der Suche nach Futter legt ein Igel Nacht für Nacht mit seinen kurzen Beinen mehrere Kilometer zurück und ist dabei vielen Gefahren ausgesetzt. Zu seinen Feinden gehören Dachs, Fuchs und Uhu. Wittert der Igel Gefahr, rollt er sich zu einer stacheligen Kugel zusammen. Dazu stellt er seine 5 000 bis 7 000 Stacheln mithilfe der ebenso vielen kleinen Muskeln auf.

Was gegen einen hungrigen Fuchs helfen mag, ist aber keine hilfreiche Strategie gegen Autos, Mähroboter und Rasentrimmer. Auf unseren Straßen werden unzählige Igel überfahren. Nachtaktive Mähroboter werden den Stachelträgern auf ihren Streifzügen zum Verhängnis. Und ordnungsliebende Gärtner gefährden mit Rasentrimmern Igel, die tagsüber an Heckensäumen und Strauchrändern schlafen.

Wer das Tier des Jahres 2024 im eigenen Garten unterstützen möchte, muss nicht viel tun. Im Gegenteil: Igel mögen wilde Ecken, in denen sich Insekten, Spinnen und Würmer tummeln. Haufen aus Laub und Reisig dienen ihnen als Versteck. Und da Igel auf ihren Wanderungen immer mal wieder Pausen einlegen, haben sie meist eine Reihe von Rückzugsmöglichkeiten. Damit sie diese erreichen können, brauchen sie freie Bahn. Hermetisch abgeriegelte Grundstücke mit undurchlässigen Zäunen oder Mauern sind für sie verlorener Lebensraum. Soll der Garten umzäunt sein, reicht es, ein etwa 13 mal 13 Zentimeter großes Loch im oder unter dem Zaun zu lassen, durch das der Igel gut hindurchpasst. Besser als Zäune sind generell Hecken – sie bieten natürliche Lücken und viele verschiedene Tiere finden darin Nahrung und Unterschlupf. Pestizide sind in einem igelfreundlichen Garten selbstverständlich ganzjährig tabu.”

Zum Steckbrief des Igels auf der Internetseite der Deutschen Wildtier Stiftung kommt Ihr hier




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