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Sonntag, 06. März 2022

06. März 2022, 06:55    Webmaster

Zum Tag des Artenschutzes: Freies Land für wilde Tiere!


Anlässlich des UN-Welttag des Artenschutzes (World Wildlife Day) am 3. März fordert Wildes Bayern e. V., die gesetzlichen Grenzen für das Rotwild in unserer Landschaft aufzulösen. Der Welttag des Artenschutzes trägt heuer den Titel: „Renaturierung der Ökosysteme mit ihren Schlüsselarten“.

Das Rotwild als endemische Art unserer Heimat ist eine solche Schlüsselart, die vor allem für eine vielfältige Vogel- und Insektenwelt unerlässlich ist. Verschiedene Studien haben seine bedeutende Rolle  für die Artenvielfalt im Wald und im Offenland nachgewiesen. Rotwild spielt auch eine Rolle für andere Schlüsselarten, deren Wiedereinführung in die Ökosysteme aktuell mit großem Aufwand betrieben wird, wie der Wolf. Es zeigt sich, dass sich Wolfsrudel in Bayern bislang nur in Rotwildgebieten begründen konnten.

Das Rotwild wird auf der Basis einer über 50 Jahre alten, nicht mehr zeitgemäßen Verordnung in oft viel zu kleine, nicht miteinander vernetzte Gebiete verbannt. Mehr als 86 Prozent Bayerns sind für Rotwild „verboten“, und selbst in den ihm vermeintlich zustehenden Rotwildgebieten wird es teils scharf bejagt, um eine utopisch geringe Wilddichte zu erzielen, die ein artgerechtes Sozialverhalten verhindert. Wir sehen keinen gesunden Wildbestand gewährleistet, da regional bereits Inzuchtmerkmale auftreten. Und während vielerorts Fütterung das einzige Mittel ist, die Tiere vom Wandern in die natürlichen Wintereinstände abzuhalten und ohne Schäden über den Winter zu bringen, ist diese Maßnahme andererseits stark umstritten. Immer wieder werden regional Fütterungen oder Wintergatter aufgelöst – mit dramatischen Folgen für das Wild und auch für den Wald.

Angesichts der zunehmenden Bedeutung von Biodiversität, nach einer langen Phase des stetigen Verlustes an Arten- und genetischer Vielfalt, muss die Praxis der künstlichen Isolierung einer großen, raumgreifenden Wildtierart auf den Prüfstand gestellt werden.

Wir von Wildes Bayern werden in den kommenden Monaten gemeinsam mit anderen Naturfreunden eine Kampagne starten, die sich für einen natürlichen und ökologisch sinnvollen Umgang mit Rotwild einsetzt. Folgen Sie uns!

Weitere Infos zum Worldwidelife-Day findet Ihr unter rr-europe.oie.int/…




Ludwig Fegg schrieb:


Hier ein Auszug aus meinem Leserbrief im Berchtesgadener Anzeiger vom 10. Februar 2022, der sich ebenfalls auf die Thematik „Lebensräume“ bezieht:

„Wirklich schade, aber auch verständlich ist, dass die ehemals positive Stimmung dem Wolf gegenüber, bei der betroffenen Bevölkerung inzwischen kippt, weil sich die Menschen allein gelassen fühlen. Langfristig schadet die derzeitige Wolfspolitik Canis lupus massiv.
Dass im Freistaat Bayern das Rotwild (auch eine Nahrungsgrundlage für den Wolf und andere Beutegreifer) überhaupt nur auf 14 % der Landesfläche existieren darf und sonst überall geschossen werden muss, ist wohl den Wenigsten bekannt. Während so eine räumliche Beschränkung beim Wolf für erbitterten Widerstand sorgt, ist es beim Rotwild schon lange Realität!“

Mein Dank an „Wildes Bayern“, dass dieses Thema nun endlich der Öffentlichkeit gezeigt wird.

Antworten
Ludwig Fegg schrieb:


Hier mein Leserbrief vom 20. April 2021 im Berchtesgadener Anzeiger:
Leserbrief zu „Rede und Antwort stehen“ und „Leserbrief von Baron Max Mayr Melnhof“
Der „40-jährige Krieg“, so betitelte der Wildbiologe Prof. Sven Herzog im Jahr 2011 seinen Artikel, in dem er die jagdliche Entwicklung über diesen Zeitraum beschrieb. Es begann mit Tierfilmer Horst Sterns Weihnachtssendung „Bemerkungen über den Rothirsch“, im Jahr 1971. Stern formulierte darin die provokante Aussage: „Es ist nicht an der Zeit, den Hirsch zu schonen, es ist an der Zeit, ihn zu schießen!“ Und er hatte recht damit! In Bayern gab es Rotwilddichten von über 10 Stück auf 100 ha, gefördert und gewollt durch die damalige Bayerische Staatsforstverwaltung. Auch in meinen Augen nicht tragbar! Allerdings wurde das Rotwild, das heute nur noch auf 14% der bayerischen Landesfläche leben darf, an vielen Fütterungen in der Notzeit gefüttert. Konnte es ja seine natürlichen Wanderbewegungen auf den so genannten „Fernwechseln“, bis in die Münchner Isar-Auen, aufgrund menschlicher Besiedlung, nicht mehr durchführen. Inzwischen wurde es hier im Berchtesgadener Talkessel bis auf Restbestände von ca. einem (1) Stück je 100 ha dezimiert, die meisten Fütterungen aufgelöst. Wildbiologen sind der Meinung, dass etwa 3 Stück Rotwild je 100 ha erforderlich sind, damit das Sozialverhalten dieses in Rudeln lebenden Tieres gewährleistet ist. Das Thema Inzucht wäre sicherlich auch zu bedenken, wären wir hier in Berchtesgaden nicht umgeben von österreichischen Jagden, aus denen die hier entstehende Wildleere bisher wieder etwas angeglichen wurde. Und hier knüpfe ich an den Leserbrief von LJM Max Mayr Melnhof an, der diese Thematik in Bezug auf die Gams ebenso beschreibt. Geschossen wird im Bayerischen vielfach nach Bayern zugewandertes, österreichisches Gams- und Rotwild.
Ministerin Michaela Kaniber lobt den Jagddialog im Berchtesgadener Land. Sind ihr aber die jagdlichen und forstlichen Entwicklungen der letzten 50 Jahre bekannt? Wir alle wollen zukunftsfähige, gesunde Wälder und einen guten Umgang mit den frei lebenden Wildtieren.
Um mit Worten von Horst Stern zu sprechen: „ Es ist dringend an der Zeit, nun das richtige Maß im Umgang mit Reh, Hirsch und Gams zu finden!“
Waldbau mit Pulver und Bleifreigeschoss? Soll das die Antwort auf den Klimawandel sein? Das Motto sollte lauten: „Wald, Wild und Mensch in einem vernünftigen Miteinander!“
Wir setzen große Hoffnung auf Sie, Frau Staatsministerin!
Ludwig Fegg
Mühllehenweg 2
83483 Bischofswiesen-Loipl

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Maximilian Peter Graf von Montgelas schrieb:


Der kurze und prägnante Artikel bringt die Situation genauestens auf den Punkt. Die Einrichtung der Rotwildbezirke liegt weit zurück und ist heute leider nicht mehr zeitgemäß, sondern sogar artenschutzrechtlich kontraproduktiv. Wir stehen vor neuen und zum Teil gravierenden ökologischen Aufgaben größeren Ausmaßes, die eine weite Verbreitung des Rotwildes mit seinen positiven Nebeneffekten zwingend erfordern.
Die ganze Situation darf nicht mehr nur „statisch“ betrachtet werden, es wird eine flexiblere und „dynamische“ Vorgehensweise verlangt. Besonders drückt es hier bei der zum Teil erschreckenden genetischen Verarmungen innerhalb der eingepferchten Inselpopulationen des Rotwildes. Mehr Offenland, Wildtierbrücken, Wanderkorridore, freie Lebensraumwahl der Wildtiere in der Landschaft, dazu als erstes Abschaffung von Paragraph 17 Nr. 2 Verordnung
zur Ausführung des Bayerischen Jagdgesetzes (AVBayJG), in dem festgelegt ist, dass alles Rotwild außerhalb der Rotwildbezirke ohne Abschussplan zu erlegen ist. Das verhindert die natürliche Verbreitung und Lebensraumsuche der Art. Zudem ist der Waldumbau erheblich weit fortgeschritten, bis hin zu viel höheren Laubholzanteilen als vor 40-50 Jahren. Wo Rotwild wegen Schälschäden weiterhin bejagt werden muss, stehen ja alle Mittel des Jagdgesetzes offen. Aber es gibt sicher mehr Kapazität für das Rotwild als die momentane, gesetzlich vorgeschriebene Zwangskasernierung. Hier braucht unsere Gesellschaft mehr Mut, wieder mehr Natur zuzulassen. Eine freie Verbreitung des Rotwildes ist wegen der Rettung unserer Artenvielfalt essentiell. Die Öffnung von mehr Lebensraum auf der gesamten Landesfläche für das Rotwild als Schlüsselart ist längst überfällig und nur noch eine Frage der Zeit. Dank an Wildes Bayern e.V. für den Einsatz zu diesem wichtigem Thema.

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