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Donnerstag, 15. September 2022

15. September 2022, 18:39    Webmaster

Wer hat Angst vor der Natur?


Früher war alles einfacher! Da wollten Naturschützer die Natur schützen. Heute scheint es eine Reihe von Naturschutzvereinigungen zu geben, die regelrecht Angst vor zu viel Natur haben. Daher fordern immer wieder Biologen und Naturschützer ihre Fachkollegen auf, über Natur nachzudenken – und manchmal muss man dann auch liebgewonnene Narrative hinter sich lassen. So zum Beispiel die Mär, man müsse die Natur vor schädlichen Wildtieren schützen. (Oder geht es nicht doch eher darum, bestimmte Berufsgruppen vor Bewirtschaftungshindernissen zu schützen, seien es Forstwirte oder Windbauer…?)

Dieter Haas, ein Urgestein des fachlichen Naturschutzes in Südwest-Deutschland, nimmt den Bericht über das diesjährige Rotwild Symposium der Deutschen Wildtierstiftung zum Anlass, um die aktuelle Diskussion in einigen Naturschutzvereinigungen und vorgeblich „ökologisch“ ausgerichteten Verbänden über Natur und Naturschutz einzufordern.

Dieter Haas (mit kleinen redaktionellen Kürzungen): „…Ausgehend von der besonders stringenten Rotwildverordnung in Baden-Württemberg – mit Bejagung der Art auf 100 % der Fläche und stringentester Ausrottungsstrategie auf 96 % der Fläche. Gejagt wird unser BW-Wappentier selbst in unseren Großschutzgebieten, mit verheerenden Ergebnissen: Seit Gründung des NP Nordschwarzwald sind einige Vogelarten aus der Region verschwunden oder sehr selten geworden: Auerhuhn, Zitronengirlitz, alle 3 Pieperarten und das Haselhuhn (die westlichste Unterart der Art ist damit wohl ganz ausgerottet). Über die ökologischen Zusammenhänge habe ich oft  berichtet und auch Grundlegendes publiziert.

Übergreifende Schutzkonzepte müssen nun endlich auch hierzulande stärker in der Politik berücksichtigt werden. Dazu ein Zitat von König Charles III, GB. Noch als Prinz forderte er unlängst:….“größeren Respekt für die Genialität natürlicher Baupläne, die sich in Millionen von Jahren entwickelt haben und ständig rigoros getestet und verbessert wurden. Deshalb soll eine verantwortungsbewusste Wissenschaft sich darauf konzentrieren, zu verstehen, wie die Natur arbeitet und nicht verändern, was die Natur ist. Das ist der Fall, wenn genetische Manipulation versucht, den Prozess biologischer Evolution zu verändern“. Das hat er im Hinblick auf die Gentechnik formuliert, gilt aber ebenso auf natürliche Nahrungsnetze im Hinblick auf Naturschutzziele, der Prinz hat es in seinem politischen  Wirken eindrucksvoll bewiesen.

Im NABU gibt es einen Grundkonsens, dass wenigstens in den Kerngebieten der Nationalparks gar nicht gejagt werden soll, auch kein Schalenwild. Wenigsten dort sollten die großen Weidetiere als wichtigste Triebfeder der Evolution die Landschaft naturnah gestalten können. Wenigstens dort sollte die Entnahme organischen Materials zur Profitmaximierung eine untergeordnete Rolle spielen. Kürzlich wurde diese Position in einer Online-Tagung des Bundesverbands bestätigt.

Sehr nützlich wäre, wenn sich nun NABU und BUND, aber auch der ÖJV öffentlich zu diesem Thema äußern. Wir brauchen ein anderes Narrativ, denn niemals zuvor in der Geschichte gab es weniger naturnahe Herbivorie in der Landschaft in Deutschland, eine der Hauptursachen für den Niedergang der Biodiversität (www.rewildingeurope.com , weidelandschaften.org u.a.).

Um naturnahe Landschaften mit ihrer sehr reichhaltigen Vogel- und Insektenwelt zu erleben, lohnt sich eine Exkursion ins benachbarte Ausland. Besonders empfehle ich für die nächsten Wochen:

Ø  Die Naturentwicklungsgebiete der Niederlande, besonders Oostvaardersplassen.

Ø  Alpenschutzgebiete in Österreich, z.B. entlang der Hohetauernstraße oder im Krumltal

Ø  Nationalpark der Schweiz, besonders das Val Trupchun dort um den 1.10. (Hirschbrunft).

Ø  In der Südschweiz, auch nahe der italienischen Grenze, die Region um den Nufenen-Pass einschließlich der ganzen Passstraße: dort gestalten Alpensteinböcke die Region großflächig naturnah, sind recht zutraulich und lassen sich hervorragend erleben, dazu zahlreiche Gebirsvogelarten wie Schneesperling, Steinadler, Bergpieper  s. auch Anhang 1 und 2 und nachfolgenden Link:

https://www.20min.ch/story/hier-tragen-steinboecke-ihre-machtkaempfe-aus-520782136335

 

Einen weiteren Beitrag zum Rotwildsymposium der Deutschen Wildtier Stiftung findet Ihr unter…

 

Bildquelle: (c)Dieter Streitmaier - Rotwildrudel




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