Am 19. November war der „World Anteater Day“ – also der Welttag der Ameisenbären. Was hat das mit uns vom Wilden Bayern zu tun? Der Ameisenbär und seine Gefährdung weisen viele Parallelen zu unserem heimischen Igel auf. Die deutsche Zoologin Lydia Möcklinghoff, die in Brasilien an Ameisenbären forscht und ganz wunderbare Podcasts, Vorträge u. a. darüber hält, vergleicht die beiden als Schirm- oder Schlüsselarten in ihren jeweiligen Ökosystemen. Sie schreibt in einem Blogbeitrag über das Verschwinden von Tierarten:
„Die Natur kann man sich wie das Spiel Jenga vorstellen. Das ist das Spiel mit dem Turm aus Holzklötzchen: Die Spieler ziehen nach und nach die Klötzchen heraus und irgendwann kracht alles zusammen. Die verschiedenen Tier- und Pflanzenarten sind quasi die Jengaklötzchen der Natur. … Je mehr Klötzchen oder Arten… fehlen, desto wackliger wird das Ganze. Und vielleicht ist es am Ende das Aussterben des Ameisenbären, das zum Zusammenbruch führt. Oder eben nicht – aber wer weiß das schon?“
Wir stellen Ihnen die drollige urige Art Ameisenbär, die wir wohl alle von der Zeichentrickfigur „Blaue Elise“ vor Augen haben, ein wenig vor. Dazu erstmal eine kurze Erklärung: Die Blaue Elise war nie ein Ameisenbär – sondern ein ebenfalls mit langer Zunge ameisen- und termitenfressendes, im Film blaues Erdferkel (eine Art, die trotz dieser auffälligen Parallele überhaupt nicht mit dem Ameisenbär verwandt ist!). Irgendwo bei der Synchronisation ins Deutsche ist aus „Aardvark“ ein „Anteater“ geworden – und damit der Ameisenbär.
Die absolut süßen Ameisenbären gehören wie die Faultiere zu den sogenannten Nebengelenktieren (Xenarthra). Diese kleine Tierordnung zeichnet sich durch besondere Wirbelgelenke und einen eher langsamen Stoffwechsel aus. Alle Ameisenbären sind in Mittel- und Südamerika beheimatet.
Der Große Ameisenbär ist die bekannteste Art. Er kann bis zu 40 Kilogramm schwer werden, bewegt sich vorwiegend am Boden und streift durch sehr große Reviere. Auffällig sind seine enormen, sichelförmigen Krallen und die lange, röhrenartige Schnauze. Ganz anders wirkt der kleine Zwergameisenbär (Tamandua bzw. Seidenameisenbär): Er ist nur etwa so groß wie eine Hauskatze, lebt fast ausschließlich in Bäumen und besitzt ein weiches, seidiges Fell.
Lange Krallen und lange Zunge, das ist das Erfolgsrezept der Ameisenbären. Mit einem exzellenten Geruchssinn spüren sie Ameisen- und Termitenkolonien sogar unter der Erde auf. Ihre extrem lange, klebrige Zunge schießen sie bis zu 150-mal pro Minute in die Nester hinein. Zähne haben Ameisenbären nicht, sie schlucken ihre Nahrung unzerkaut hinunter. Da sie täglich tausende Insekten aufnehmen, wechseln sie häufig die Nester, um nicht von den Verteidigerameisen überwältigt zu werden und um die Kolonien nicht vollständig zu zerstören.
Mit ihren kräftigen Krallen öffnen Ameisenbären nicht nur Termitenhügel, wobei auch der Boden belüftet wird. Diese dienen außerdem zur Verteidigung: Wenn sich ein Ameisenbär bedroht fühlt, richtet er sich auf die Hinterbeine auf, stützt sich mit dem Schwanz ab und setzt seine scharfen Vorderkrallen ein. Um diese Werkzeuge beim Laufen zu schonen, bewegen sich die Tiere charakteristisch auf den Handkanten, was ihnen einen drollig schaukelnden Gang und niedliche „O-Beine“ verpasst.
Auch ihr Ruheverhalten ist ungewöhnlich: Zum Schlafen decken sich Ameisenbären gerne mit ihrem großen, buschigen Schwanz zu wie mit einer Kuscheldecke. Die Jungtiere reiten in den ersten Lebensmonaten auf dem Rücken ihrer Mutter mit und sind durch ihre Fellmuster perfekt getarnt.
Die IUCN stuft den Großen Ameisenbären als „gefährdet“ ein. Hauptbedrohungen sind der fortschreitende Lebensraumverlust, immer häufigere Busch- und Waldbrände, Straßenverkehr und Jagd. Ihre geringe Reproduktionsrate macht die Art besonders empfindlich gegenüber Störungen, Bestände erholen sich nur sehr langsam.
Umso wichtiger sind gezielte Schutzprojekte. Ein besonders beeindruckendes Beispiel kommt aus Deutschland: Die Wilhelma Stuttgart unterstützt seit Jahren ein Projekt in Brasilien, das Ameisenbären und andere Wildtiere vor Verkehrsunfällen schützen soll. Entlang der vielbefahrenen „BR-262“, die wegen zahlreicher Wildtierkollisionen als „Highway des Todes“ gilt, wurden mit Hilfe der Wilhelma ein Wildtier-Tunnel errichtet. Junge Ameisenbären werden zudem mit Sendern ausgestattet, um herauszufinden, wo sie Wanderwege kreuzen und wo weitere Maßnahmen nötig sind. Kamerafallen zeigen, dass die Tunnel von vielen Arten angenommen werden. Ein wichtiger Schritt, um tödliche Unfälle zu reduzieren und den Tieren sichere Wanderwege zu ermöglichen.
Zum Welttag des Ameisenbären lohnt es sich also umzuschauen: Was braucht diese Art, und was brauchen – vergleichbar – unsere heimischen Igel? Was können wir zu ihrem Schutz beitragen? Denn nur wenn wir ihre Lebensräume schützen und Gefahren reduzieren, können Ameisenbären und Igel auch in Zukunft durch unsere Landschaften streifen.
Wunderbare Bilder und Videos zum Ameisenbären finden Sie hier auf der Seite von Lydia Möcklinghoff
Und falls Sie sich nicht mehr so genau an die wunderbar ungeschickte Blaue Elise erinnern, finden Sie hier ein tolles Jagdvideo auf Ameise Charly….
Bildquelle: Denis Doukhan auf Pixabay
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