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Sonntag, 17. Juli 2022

17. Juli 2022, 13:19    Webmaster

„Digitale Besucherlenkung im Naturschutz: Herausforderungen und Chancen für die Naturbetreuung in Bayern“


Immer mehr Erholungssuchende strömen in die Natur. Tagsüber, aber auch in den frühen Morgen- und Abendstunden, sogar nachts. Und das auch noch ganzjährig. Eine Katastrophe für das Wild, in deren Wohn- und Schlafzimmern die „(Neu-)“Outdoorler sich herumtreiben, aber auch für die Regionen an sich. Denn nicht jede Ortschaft ist den teils immens gestiegenen Touristenströmen gewachsen. Neben dem Drang , sich in der Natur Erholung und eine Auszeit zu verschaffen, sorgen auch die digitalen Medien für Anreize und Ideen, es dem Outdoor-Influencer gleich zu machen und „kurz mal“ eine Bergtour zu absolvieren. Aber ist es mit dem „kurz mal“ wirklich immer und überall erledigt? Funktioniert so das Outdoorerlebnis im Jahr 2022? Die Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege hat dazu im Zentrum Umwelt und Kultur in Benediktbeuren zu einer Veranstaltung unter dem Titel: „Digitale Besucherlenkung im Naturschutz: Herausforderungen und Chancen für die Naturbetreuung in Bayern“ eingeladen.

Digitale Medien & Influencertipps – geht so naturverträgliches Outdoor-Erleben?

Das Publikum hätte kaum unterschiedlicher sein können. Ranger und Touristiker, Outdoorler und Naturschützer – alle unter einem Dach! Dazu hochkarätige Gesprächspartner und Podiumsdiskussionsteilnehmer. Eines hat sie alle geeint. Die Frage, wie man das schnelle Tempo der digitalen Medien und die immer größer werdende Masse der digitalen Reiseführer mit natur- und wildtierverträglichen Schutzkonzepten unter einen Hut bringt. Während früher der fröhliche Wandersmann mit der Wanderkarte in Papierform, die nach dem Druck teils schon wieder veraltet war, sich mit Himmelsrichtungen, Wegweisern und dem ein oder anderen Ratsch mit Einheimischen seinen Weg suchte, schießen heute Outdoorportale wie Pilze aus dem Boden und geben einen Tourentipp nach dem anderen. Gemeinsam haben sie alle mehr oder weniger, dass sie die Straßen und Wege an sich abbilden, und dass die User ihre vermeintlich coolsten Touren dort für weitere User freigeben. Ebenfalls gemeinsam haben sie aber auch, dass nicht immer alle Tourentipps über öffentliche Wege führen und schnell mal das dort lebende Wild, bzw. den Tourensportler an sich in (Lebens-)gefahr bringen.

Schützenswerte Naturgebiete erscheinen in zahlreichen Tourbeschreibungen nicht wirklich als geschützte Plätze, sondern werden auch noch als besonders anschauenswert empfohlen. Die Portalbetreiber sind sich dieser Problematik wohl bewusst, ihnen fehlt aber u.a. aufgrund der Masse an Touren, welche von den Usern selbst eingestellt werden, die Möglichkeit, alle Touren zu kontrollieren. Kein Wunder, dass der klassische Natur- und Wildtierfreund auch in dieser illustren Gesellschaft seinen Unmut laut kundtut, dass man nach einem zwölf Stunden-Tag im Kampf für die Natur nicht auch noch die Möglichkeit sehen, hier eine Kontrollinstanz zu spielen.

Besucherlenkung im Zeitalter von Digitalisierung & Co.

Aber welche technischen Maßnahmen zur Besucherlenkung gibt es überhaupt? Und sind sie so einsetzbar, dass sie vor Ort Anwendung finden? Ist die Lösung eine Schaffung von Hotspots, die touristisch so attraktiv ausgebaut werden, dass hier der Hauptstrom seine Erfüllung findet und nicht mehr vom Wege abweicht? Prinzipiell eine gute Idee, wäre da nicht der un- und eigenwillige Einheimische, der in den Tourismushauptzeiten sowieso schon kaum Ruhe für sich selbst findet und auf sein Recht pocht, auf seinen altbekannten Pfaden zu wandern, auf denen er immer schon gewandert ist. Schließlich muss er ja – trotz aller gern genommener Neben- oder Haupteinkünfte aus dem Tourismus – auch mal ein wenig Erholung und Ruhe finden. Und das am liebsten abseits vom Touristenstrom.

Die Idee, mit noch mehr Digitalisierung und Lenkung der Besucherströme, die „Neu-Outdoorler“ ansatzweise auf den Hauptwegen zu halten und vom „eigenwilligen Stromern durch die schützenswerte Natur“ abzuhalten, war prinzipiell das Ziel der Teilnehmermehrheit. Lediglich an der Umsetzung mangelt es noch, denn die Idee aller Ideen ward auch im Rahmen dieser Diskussionen nicht geboren. Der Wunsch nach einer verbesserten Digitalisierung und einer stärkeren Zusammenarbeit und Vernetzung zwischen allen Beteiligten stand somit während der Podiumsdiskussion zwischen:

  • Prof. Dr. Alfred Bauer (Vorsitzender des Bayerischen Zentrums für Tourismus e. V.)
  • Ulrich Berkmann (Deutscher Alpenverein e. V., Ressort Naturschutz und Kartografie, München)
  • Markus Hallermann (komoot GmbH, Potsdam)
  • Sebastian Sarx (Digitize the Planet e.V., Berlin)
  • Henning Werth (Alpinium – Zentrum Naturerlebnis Alpin, Obermaiselstein)

auf der Ergebnisliste. Bei dem Wunsch scheint es aber erst einmal zu bleiben, weil zunächst die Möglichkeiten der Zusammenarbeit geschaffen werden müssen. Auch was die weitere Vernetzung, zum Beispiel mit Google & Co., angeht. Scheitern wir hier also mal wieder an der Technik?

Informative Workshops rund um das Thema Besuchermanagement

Spannende „Nebenkriegsschauplätze“ zu den Vorträgen und der Podiumsdiskussionen war der Markt der Möglichkeiten, der diverse Kleinprojekte rund um das Besuchermanagement vorstellte. Sechs verschiedene Workshops beschäftigten sich zudem ebenfalls mit der Frage, wie man die Besucherlenkung nicht nur theoretisch idealisieren, sondern auch praktisch für alle verträglich umsetzen könnte.

Neben weiteren Bestrebungen für eine bessere Zusammenarbeit der einzelnen Verantwortlichen an sich und umfangreicheren Vorgaben durch die Politik ist aber auch eines klar: Alle Beteiligten sind hier gefordert, die Natur und die (Wild-)tierwelt besser zu schützen. Die Betreiber der Portale, die Natur- und Tierschützer und auch die User, bzw. Outdoorsportler. Denkt jeder ein wenig über seinen eigenen Tellerrand hinaus, dann wäre schon viel gewonnen. Eigentlich wie im richtigen Leben, oder?

  • Weitere interessante Veranstaltungen des Zentrum für Umwelt und Kultur Naturschutz und Landschaftspflege findet Ihr unter www.zuk-bb.de
  • Weitere Infos über die Arbeit der Bayerischen Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (ANL) findet Ihr unter www.anl.bayern.de

 

Bildquelle: (c)be-outdoor.de - Kollage




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