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Donnerstag, 14. März 2024

14. März 2024, 11:21    office@wildes-bayern.de

UPDATE VIDEO 11. März Miesbach: “Rinder sind ein Geschenk der Evolution”


Wieviel Land steckt eigentlich wirklich in meinem Essen?“ Wer am 11. März in Miesbach den Vortrag des Agraringenieurs Ulrich Mück hörte, der konnte sich durchaus fühlen, als würde sein Weltbild auf den Kopf gestellt. Oder besser: Vom Kopf auf die Füße gestellt. Eingeladen hatte ein breites Bündnis aus Landwirtschafts-, Regional- und Naturschutzverbänden, darunter Wildes Bayern e. V., unter dem Dach der Öko-Modellregion Miesbacher Oberland und von Zivilcourage Miesbach.

Ein Vortrag, der mehr als passend kam zum Weltverbrauchertag, der am 15. März begangen wird. Denn so viel liegt in den Händen von uns Verbrauchern.

Mück betrieb eine „Ernährungsberatung“ der anderen Art. Der drahtige Mittsechziger machte den Zuhörern im gut gefüllten Saal des Bräuwirts klar, welche Fragen außer der nach Kalorien oder Fett bei der Ernährung wirklich zählen, nämlich solche nach Klimaschutz, Artenvielfalt und Ressourcenschonung. Als Beispiel führte er die Landnutzung an. „Macht es mehr Sinn, einen Acker und die dort erzeugten Lebensmittel dafür zu nutzen, um ein Huhn zu ernähren, das wir dann essen können, oder eine Kuh auf eine sonst für uns nicht `genießbare´ Wiese zu stellen?

Das oft als „Klimakiller“ oder „Flächenfresser“ verteufelte Rind sei ein echtes Geschenk der Evolution, findet der Öko-Landwirt. Indem es auf der Weide sonst wertloses Gras frisst, schafft es nicht nur wie von Zauberhand wertvolle Lebensmittel (Milch und Fleisch), sondern schenkt der Natur auch noch Kleinstlebensräume und Nahrung, aus der fast unmittelbar Artenvielfalt entsteht. „Das Sinnbild dafür ist der Kuhfladen – ein gut durchfeuchtete Portion Nährstoffe, in der Samen ebenso gut gedeihen können wie Insekten.“

Anders als ein Acker, der immer wieder umgebrochen wird, speichere das Dauergrünland der Erde fünf Mal so viel Kohlenstoff im Boden wie alle Äcker zusammen, so Mück. Dabei sei wichtig, den Unterschied zwischen Weideflächen und Schnittgrünland zu sehen – auf Letzteres treffen viele der Aussagen nicht zu, zum Beispiel fördert es nicht in vergleichbarem Maße Artenvielfalt, Lebensräume und Fruchtbarkeit, wie der Referent an eindrucksvollen Schaubildern nachweisen konnte. Für Rinderweiden gilt hingegen laut Mück: „Es gibt Stellen, wo die Tiere mal tiefer grasen und andere Pflanzen höher stehen bleiben. Diese Unterschiede bieten Lebensraum für Insekten, die wiederum Vögel, Fledermäuse und andere Tiere ernähren.“

Er plädierte in seinem Vortrag dafür, die Ernährung viel stärker an der Frage des Nutzens für die Region auszurichten. „Milch und Fleisch von Weidetieren, die überwiegend auf regionalem Grünland ernährt werden, sind klimaschützend und biodiversitätsfördernd“, resümierte er. Für die entsprechende Ernährung gibt es sogar ein entsprechendes Fachwort: Es heißt „locavor“.

UPDATE 19.3.2024: Und hier kommt Ihr jetzt auch zum Video vom Vortrag!

 

Porträtfoto von Ulrich Mück

Öko-Agraringenieur Ulrich Mück

 

Hier und hier findet Ihr Beiträge von uns zu Ulrich Mück von 2022

 

Ursprüngliche Meldung vom 16. Februar 2024

Die Bestrebungen in unserer Gesellschaft, immer weniger Fleisch und Milch zu konsumieren, ziehen Veränderungen in der Landwirtschaft und in der Landschaft nach sich. Zum Teil ist das gewollt: Massentierhaltung ist unerwünscht, Kühe gelten als Klimakiller. Was aber nicht gesehen wird: Die negativen Aspekte sind zumeist Folgen der Intensivierung einer Landnutzungsform, die einst ökologisch sinnvoll und sinnrichtig war und das auch heute sein kann.

Öko-Agraringenieur Ulrich Mück zeigt in einem Vortrag am 11. März in Miesbach auf, wie die Haltung von Vieh auf Weiden zum Zweck der Milch- und Fleischproduktion die Natur und sogar das Klima positiv beeinflussen kann. Letztlich liegt der Ball bei uns Verbrauchern: Wollen wir die totale Abkehr von der Viehhaltung, auch wenn das bedeutet, viel an Biodiversität, Landeskultur und landschaftlicher Schönheit zu opfern? Oder schaffen wir es, unser Ernährungsverhalten so nachhaltig auszurichten, dass alle profitieren – unsere Körper, die Weidetiere, die Landschaft, das Klima und nicht zuletzt unsere Seele?

11. März 2024, 20 Uhr, Gasthof Bräuwirt, Miesbach
Vortrag von Ulrich Mück, Öko-Agraringenieur: “Grünland fürs Klima braucht nachhaltige Ernährung” und anschließende Diskussion
Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Der Eintritt ist frei.

Veranstaltet von: Ökomodellregion Miesbacher Oberland in Kooperation mit Wildes Bayern e. V., Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal e. V., BBV, BN, LBV, Oberland Bioweiderind, Verband für landwirtschaftliche Fachbildung Holzkirchen e. V., Wos Guads vor Ort e. V., AELF Holzkirchen, Zivilcourage Miesbach e. V.

 

Hier Auszüge aus der Pressemitteilung zur Veranstaltung:

Weide – Klima – Ernährung – Die Öko-Modellregion Miesbacher Oberland lädt zur Infoveranstaltung ein

Angestoßen von der erfolgreichen Infoveranstaltung der Zivilcourage Miesbach im Herbst 2023 geht die Öko-Modellregion Miesbacher Oberland (ÖMR) mit einer Infoveranstaltung in die zweite Runde. Neben einem Vortrag von Ulrich Mück, Öko-Agraringenieur, zum Thema “Grünland fürs Klima braucht nachhaltige Ernährung” gibt es eine anschließende Diskussion.

Vom Klimawandel und der Ernährung sind wir alle gleichermaßen betroffen und miteinander verbunden. So lädt die ÖMR am 11. März Verbraucherinnen und Verbraucher sowie Bäuerinnen und Bauern in den Bräuwirt in Miesbach ein. Der Abend wird mit einem Vortrag von Öko-Agraringenieur Ulrich Mück beginnen und soll zu einem gemeinsamen Gedankenaustausch und einer Diskussion führen.
Wie hängen meine Kauf- und Verzehr-Entscheidungen mit dem Erhalt kleiner landwirtschaftlicher Betriebe zusammen? Welche Effekte haben Grünland- und insbesondere Weidewirtschaft auf unsere Heimat und auf ökologische Zusammenhänge? Wo soll die Reise in Zukunft hingehen? Diese und weitere Fragen sollen Gegenstand des Abends sein.

Denn für die Sicherung ihrer Existenz und für dafür notwendige politische Entscheidungen, brauchen die Erzeuger auch die Unterstützung der Gesellschaft. Um dem Verbraucher auch zukünftig regionale und gesunde Lebensmittel bieten zu können, sind neben den politischen Rahmenbedingungen auch verantwortliche Entscheidungen bei Einkauf und Verzehr nötig.

Die vollständige Pressemitteilung mit allen Infos findet Ihr hier

 

 

Bildquelle: Ulrich Mück




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