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Mittwoch, 29. Mai 2024

Scrollicon
Ein schwarzer Mistkäfer krabbelt über den Waldboden
29. Mai 2024, 10:39    office@wildes-bayern.de

Was bedroht einen Kraftprotz wie den Stierkäfer?


Der Stierkäfer gehört zu jenen Tieren, die man vielleicht eher mit Respekt als mit echtem Wohlwollen betrachtet, die aber unersetzliche Dienste für uns und unsere Natur leisten. Insofern hat er sich den Titel „Insekt des Jahres 2024“ redlich verdient!

Der zu den Mistkäfern gehörende Stierkäfer verwertet den Kot von Pflanzenfressern und lockert durch seine Tunnelbauten den Boden auf. Ganz nebenbei verteilt er so auch noch Pflanzensamen, reduziert Treibhausgase und hemmt die Entwicklung von Fliegen und parasitischen Würmern.

Mit 14 bis 20 Millimetern Körperlänge gehört der schwarz glänzende Stierkäfer zu den größeren Käferarten in Deutschland und gilt als Kraftprotz, weil er mehr als das 1000-fache seines eigenen Körpergewichts bewegen kann. Seine drei „Hörner“ (die nur die Männchen tragen) verleihen ihm seinen Namen. Dornen an seinen Beinen helfen ihm beim Tunnelgraben.

Allerdings ist auch der Kraftprotz Stierkäfer bedroht.  Der Grund: Die prophylaktische Behandlung von Pferden, Kühen und anderen Weidetieren mit Entwurmungsmitteln. Diese sind Gift auch für die Käferfauna im Dung, wie die Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung beschreibt. „Da die Wirkstoffe von den behandelten Tieren ausgeschieden werden, wirken sie über die eigentlichen Zielorganismen hinaus – mit Folgen für alle im Kot lebenden oder sich davon ernährenden Insekten. Das hat zur Folge, dass koprophage Käfer absterben oder nur noch eingeschränkt reproduzieren.“

Seit Mitte der 1980er Jahre verzeichnen Naturforschende weltweit einen starken Rückgang der Populationen vieler Mist- und Dungkäfer. Die Wahl des Stierkäfers zum „Insekt des Jahres“ hat also auch den Zweck, auf die wichtige Funktion und die Bedrohung der Mistkäfer aufmerksam zu machen. Anti-Parasiten-Mittel sollten nicht mehr rein prophylaktisch verabreicht werden, so die Senckenberg-Wissenschaftler. „Nutztiere sollten zudem – wo möglich – wieder zu Weidegängern werden. Stallhaltung muss die Ausnahme, nicht die Regel sein.“

Das Kuratorium „Insekt des Jahres“ tagt jährlich unter dem Dach der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung. Diese hat zum Insekt des Jahres 2024 übrigens gleich eine pfiffige Kooperation auf die Beine gestellt: Der Komfortschuhhersteller Berkemann widmet eine Sonderedition von Damen- und Herrensandalen dem „Insekt des Jahres 2024“, dem Stierkäfer. Vom Verkaufserlös kommen der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung fünf Euro pro verkauftem Schuhpaar für weitere Projekte zur Erhaltung der Insektenvielfalt als Spende zugute.

Beine einer Frau, die durch den Wald läuft, die nackten Füße in einer Sandale mit Käfermotiven

Stierkäfer-Sandale

Mehr Infos dazu findet Ihr hier

Mehr Infos zum Insekt des Jahres 2024 findet Ihr hier

 

Bildquelle: Patrick Urban, Berkemann




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