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Freitag, 27. Mai 2022

27. Mai 2022, 14:09    Webmaster

Wildtierhilfe: Jungvogel gefunden – das könnt Ihr tun


Die Brut- und Aufzuchtzeit der Vögel ist jetzt Mitte Mai voll im Gange. Immer wieder kommt es vor, dass Jungvögel aus dem Nest fallen und dann scheinbar hilflos auf unseren Gehsteigen, im Garten oder sonstwo liegen. Was ist zu tun?

  • Den Jungvogel bei Verdacht aufnehmen und auf Verletzungen untersuchen. Falls man keine erkennen kann, sitzen lassen und nach Möglichkeit beobachten, ob die Vogelmutter das Junge am Boden versorgt. Im optimalen Fall versteckt sich das Junge irgendwo und hält akustisch mit ihr Kontakt. Dann braucht der Mensch nicht einzugreifen.
  • Besteht die Chance, den Jungvogel wieder in sein Nest zu setzen? Dann tun, vor allem, wenn er noch so klein ist wie auf unserem Aufmacherbild. Am nächsten Tag zur Sicherheit nachschauen, ob er nicht wieder am Boden sitzt. Wenn der Vogel schon gut befiedert ist, also eher ein Ästling als ein Nestling, kann man ihn auf einen Ast hocken, damit er außer Reichweite von Katzen sitzt.
  • Wenn der Jungvogel über eine Stunde lang nicht versorgt wird, wenn akute Gefahr besteht, dass ihn Katzen fangen, ein Auto überfährt oder ein Unwetter erwischt, könnte es geboten sein, ihn zu unterstützen. Das kann sein: Ihn an einen geschützten oder erhöhten Platz setzen oder ihn – in letzter Konsequenz – aufnehmen. Das bedeutet aber eine große und zeitaufwändige Verantwortung, wie wir kürzlich am eigenen Leib erfahren haben. Mehr dazu findet Ihr hier.
  • Erste Notversorgung: Der Jungvogel braucht Wärme, zum Beispiel über eine Wärmflasche. Seine Körpertemperatur sollte über 30 Grad betragen, die Flasche soll ihn dabei unterstützen, darf aber nicht zu heiß sein. Rotlichtlampen werden ausdrücklich nicht empfohlen, weil zu viel Wärme den Vogel austrocknen kann.
  • Erst wenn seine Körpertemperatur wieder passt, funktioniert sein Verdauungssystem, und er kann zum Beispiel Nestlingsfutter aufnehmen. Auch Wasser ist wichtig, aber auf keinen Fall mit der Spritze in den Schnabel! Der Vogel kann daran ersticken oder ertrinken. Optimalerweise streicht man ihm etwas Wasser mit einem Pinselchen auf die Schnabelseiten, oder man feuchtet sein Futter an.
  • Am besten kurzfristig Experten kontaktieren und den Vogel, falls möglich in professionelle Hände, zum Beispiel in eine Aufzuchtstation, abgeben. Adressen dazu findet Ihr in Kürze hier auf unserer Internetseite.
  • Wenn Ihr langfristig etwas für den Schutz von jungen Wildvögeln tun wollt, dann gibt es vor allem zwei politische Initiativen, die Ihr unterstützen solltet: 1. Kastration freilaufender Katzen und 2. Finanzielle Förderung von Auffangstationen. Denn Katzen sind draußen eine große Gefahr für Wildvögel, vor allem für am Boden hüpfende Jungvögel. Hat die Katze zudem selbst Junge, scheut sie nicht davor, ganze Nester auszuräubern, wenn diese für sie erreichbar sind. Dem beugt man zumindest zum Teil vor, indem man Freigänger kastriert. Auch sollte die Katzenpopulation – speziell die der „wild“ lebenden – unbedingt eingedämmt werden.
    Auffangstationen sind unentbehrlich, werden aber oft nur mangelhaft oder gar nicht finanziert. Häufig sind es engagierte Privatleute, die ihr letztes Hemd geben, um Tieren zu helfen. Sie werden von Landkreisen, Tierheimen und anderen Institutionen zwar gerne in Anspruch genommen, aber diese Leistung für die Gesellschaft muss unbedingt auch finanziert werden. Das muss politisch durchgesetzt werden!

Den Beitrag „Nordbayern.de – „Wildes Vogelküken gefunden was nun das können Sie tun“ könnt Ihr über diesen Link auch als pdf abrufen…

Bildquelle: (c)Wildes Bayern - privat, (c)Dieter Streitmaier - Rotnackenshaheen




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