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Freitag, 27. Mai 2022

27. Mai 2022, 09:47    Webmaster

Plötzlich Vogelmutter – von Bert, dem sprechenden Camembert


Ich bin wirklich keine, die aufs Babyschema anspringt. Ich kann Babys echt gut Babys sein lassen, habe noch nie einen Welpen großgezogen, sondern immer erwachsene Hunde übernommen, und ich sehe auch völlig ein, dass nicht jedes Jungtier, das man so findet, gerettet werden muss.

Also habe ich Bert erstmal vor meiner Tür sitzen lassen. Der kleine Spatz hat ja immerhin schon Federn, und wer sagte denn, dass die Mutter aus dem Nest rund drei Meter darüber ihn nicht noch versorgt? Predigt uns der Landesbund für Vogelschutz nicht wieder und wieder, wir sollen Jungtiere in Ruhe lassen, da sie meist nicht hilflos sind? Ich hab echt genug am Bein und fühle mich auch ohne Jungvogel mit vielen Dingen hinten dran.

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Na gut, vor dem Gewitter habe ich den kleinen Vogel dann schon in eine ehemalige Camembert-Schachtel gesetzt, mit rein genommen und eine Wärmflasche drunter gelegt. Aber am nächsten Morgen musste ich nunmal zu einer mehrstündigen Dienstfahrt weg. Da dachte ich noch, mit Wärmflasche auf einer Fensterbank direkt unter seinem „Elternnest“ positioniert, wäre meine Aufgabe hoffentlich erledigt.

Dann bin ich am Nachmittag zurückgekommen, und er ist von der Fensterbank in den Dreck gefallen, und die Ameisen sind drüber, und ich seh ihn schon sterben und fühle mich absolut elend dabei. In dem Moment wird mir klar, ich komm hier nicht aus. Ich bin jetzt in der Verantwortung, ich muss zumindest versuchen, dieses Leben noch zu retten. Kaum zu beschreiben, wie mich das stresst!

Ich telefoniere im Schnelldurchlauf meine sämtlichen Kontakte ab von Personen, die sich mit der Vogelaufzucht auskennen. Keiner hat Zeit oder Lust, die Aufzucht zu übernehmen, aber ich staube ein paar Tipps ab. Daran, eine Vogelauffangstation ausfindig zu machen, denke ich in meinem Stress gar nicht – damit Euch das nicht auch so geht, findet Ihr künftig eine Liste hier.

(c)Wildes Bayern privat Bert / Nestlingsfutter

 

Knapp vor Ladenschluss an diesem Samstagabend haben mein Mann und ich Nestlingsfutter aus dem Tierladen geholt. Das Futter rührt man zu einem Brei an, den man mit der beiliegenden Plastikpinzette verfüttern kann. Das klappt zum Glück super, und wir haben jetzt eine Handhabe, ihm soviel Futter zuzuführen, wie er nur annimmt. Zum Glück sperrt er brav den Schnabel auf und man braucht die winzigen Breiklümpchen nur reintun. Beim Wasser machen wir natürlich zuerst mal den Kardinalfehler und probierten es mit eine Spritze. Halt, stop, niemals tun!! Der Vogel kann das Wasser in die Lunge bekommen und daran sterben. Auf der Internetseite der Spatzenhilfe machen sie vor, wie man dem jungen Vogel mit einem Pinselchen Wasser außen auf die Schnabelränder aufstreichen soll.

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Ich schicke meiner Freundin ein Video von dem tschilpenden Minivogel in seiner Schachtel. „Ein sprechender Camembert“, kommentiert sie. „Bert“, sagt mein Mann. Vielleicht aber auch Berta?

In der ersten Nacht stellen wir uns einen Wecker, um den vermeintlichen Fütterungsintervall von ungefähr zwei Stunden einzuhalten. Aber als ich um ein Uhr früh völlig schlaftrunken zur Käseschachtel getappt komme, zeigt der Vogel überhaupt kein Interesse an mir oder Nahrung – der will bloß schlafen. Später erfahre ich, dass Spatzen im Vergleich von allen Jungvögeln als sehr pflegeleicht gelten. Der erste Tag geht also mit einer guten Nachricht zuende: Auch Spatzen schlafen nachts und essen nicht die ganze Zeit.

 

Bert – der sprechende Camembert: Seine Geschichte auf Wildes Bayern e.V.

 

Bildquelle: (c)Wildes Bayern privat - Bert, (c)Wildes Bayern privat Bert / Nestlingsfutter




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