- Europäische Rote Liste, European Red List of Hoverflies
- Gesamtartenliste und Rote Liste der Schwebfliegen Deutschlands
- Rote-Liste-Zentrum: „Mehr-als-ein-Drittel-der-Schwebfliegenarten-in-Europa-sind-vom-Aussterben-bedroht“…
Vor kurzem geisterte eine Satire über Bienen und ihre Verwandten durch die social media. Verschiedene Bienen wurden in Jugendsprache persifliert. Die Hummel war „immer voll gechillt“, die Bienen waren „Echte Bros!“ und die Wespe „Asi pur“. Über die Schwebfliege, die gar keine Biene ist, aber dank Mimikry so aussieht, hieß es: „Voll das Opfer. Trägt gefakte Markenklamotten von anderen. Macht einen auf supercool, kann aber garnichts.“
Das war lustig – aber leider grundlegend falsch. Schwebfliegen können so viel (mehr als Bienen), dass Wissenschaftler sie gerade wie ein Wunder bestaunen: „Ist es nicht fantastisch, dass es etwas gibt, das im Jugendstadium Schädlinge eindämmt und uns so synthetische Pestizide erspart, und als erwachsenes Tier ein Bestäuber wird? „, schwärmt eine britische Entomologin in der Zeitschrift „New Scientist“. Nur stechen „können“ sie nicht – sie verfügen nicht über einen Stachel.
Die Entomologin hat festgestellt, dass man Schwebfliegen auch noch sehr einfach trainieren kann. Aber auch ohne das sind sie ziemliche Alleskönner: Laut New Scientist bestäuben sie fast drei Viertel der globalen Nahrungspflanzen, lassen sich dabei selbst von schlechtem Wetter nicht aufhalten und wandern zudem über Tausende Kilometer, was eine immens hohe Verbreitung des Pollens mit sich bringt. Noch dazu ernähren sich ihre Larven von totem Pflanzenmaterial und Schädlingen.
Ihr Nachteil: Sie sind einfach nicht so nett anzuschauen wie die eifrig summenden Bienen, und sie kriegen nicht die gleiche „publicity“. Bienen wurden gerade in den vergangenen Jahren massiv in unser Bewusstsein gedrängt, zum Beispiel über die Aktion „Rettet die Bienen“. Dass es noch zahlreiche andere Bestäuber gibt und die vielleicht ebenfalls immens nützlich und schutzbedürftig sind, geriet dabei in den Hintergrund. Das soll sich nach dem Willen der Wissenschaftler jetzt ändern.
Mehr Infos über Schwebfliegen finden Sie hier bei der Landesanstalt für Landwirtschaft oder hier in der Schweizerischen Bienenzeitung
Den Beitrag über Schwebfliegen aus dem New Scientist können Sie hier anlesen und erwerben
Und hier finden Sie die Satire über Bienenartige….
Meldung vom 2. Dezember 2022: Schwebfliegen: IUCN schlägt Alarm
Mehr als ein Drittel der Schwebfliegenarten in Europa sind vom Aussterben bedroht, warnt die Weltnaturschutzorganisation IUCN in einer Mitteilung am 11. Oktober 2022. Das Rote Liste-Zentrum in Deutschland schreibt dazu weiter: Vor allem die intensive Landwirtschaft, Pestizide, nicht nachhaltige Forstwirtschaft, Lebensraumverlust sowie der Klimawandel seien die größten Gefahren. Es ist die erste europaweite Untersuchung dieser Fliegenfamilie, sie wurde von der EU-Kommission beauftragt.
Nach den Bienen sind Schwebfliegen (Syrphidae) die zweitwichtigste Bestäubergruppe. Sie fliegen Blüten oftmals häufiger an als Bienen, auch können sie Pollen über lange Strecken transportieren. Schwebfliegen sind deshalb zentral für die globale Lebensmittelsicherheit. Auf natürliche Weise dezimieren sie Schädlinge in der Landwirtschaft, indem ihre Larven z.B. Blattläuse fressen.
Der deutsche Name Schwebfliegen verweist auf ihre Fähigkeit, wie Mini-Helikopter schwebend auf einer Stelle in der Luft zu „stehen“. Viele Arten haben ein wespenähnliches schwarz-gelbes Streifenmuster auf dem Hinterleib und werden von Laien für wehrhaft gehalten, andere ähneln Wildbienen oder Hummeln, oder sind ganz unscheinbar schwarz gefärbt. In Wirklichkeit handelt es sich um völlig harmlose Fluginsekten, die weder stechen noch beißen können. In Deutschland kommen 463 etablierte Arten vor.
In der neuen europäischen Roten Liste der Schwebfliegen werden 314 von 890 Schwebfliegen-Arten in Europa (37 %) mit den höchsten drei Gefährdungsstufen („Critically Endangered“, „Endangered“, „Vulnerable“) bewertet.
Die Rote Liste der Schwebfliegen Deutschlands wird vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) herausgegeben. Eine Aktualisierung der 2011 erschienenen Liste ist in Planung; das BfN wird dabei vom Rote-Liste-Zentrum unterstützt. Insgesamt sind 31 % aller Schwebfliegenarten Deutschlands bestandsgefährdet, d.h. sie wurden in die Kategorien „Vom Aussterben bedroht“, „Stark gefährdet“, „Gefährdet“ oder „Gefährdung unbekannten Ausmaßes“ eingestuft. 5 Arten (1 %) sind bereits ausgestorben oder verschollen, 5 % sind extrem selten. Etwa die Hälfte aller Schwebfliegenarten Deutschlands gilt derzeit als ungefährdet. Für die restlichen Arten reicht die Datenlage nicht für eine Einstufung aus.
Um das Blatt zu wenden, müssen laut IUCN-Generaldirektor Dr. Bruno Oberle die Wirtschaft und vor allem die Landwirtschaft umgebaut und nachhaltiger werden. Habitate von Schwebfliegen – vor allem Feuchtgebiete – müssen geschützt werden. Für ihre Larven sind unter anderem Wälder mit alten Bäumen und Totholz wichtig. Schwebfliegen profitieren außerdem von nachhaltig bewirtschafteten Feldern, mit Randstreifen von Wildblumen oder Feldhecken.
Grundsätzlich ist zu beachten, dass die IUCN-Kategorien nach einer anderen Methodik ermittelt werden als die Kategorien der deutschen Roten Listen. Die Roten Listen der IUCN fokussieren stärker auf das Aussterberisiko der Arten als die deutschen Roten Listen. Die langfristige Bestandsentwicklung wird bei den Roten Listen der IUCN weniger stark gewichtet als in den Roten Listen Deutschlands. Ein direkter Vergleich der Ergebnisse ist daher nicht möglich.
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Bildquelle: (c)Miriam Lindenmeier - Rote Liste Zentrum - Wirbellose Totenkopfschwebfliege, (c)Creative Commons - Foto(c)I naturen - Syrphus ribesii male feeding on flower
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