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Mittwoch, 10. August 2022

10. August 2022, 21:59    Webmaster

Stromtod und Brandgefahr: Durch Stromschlag auf einem Mittelspannungsmasten getöteter Waldrapp entzündet sich


Die Waldrappe sind vom Aussterben bedrohte Zugvögel, die im Rahmen eines europäischen LIFE Projektes mit zehn Partnern aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien und unter Leitung des Tiergarten Schönbrunn in Europa wieder angesiedelt werden. Rund 200 Tiere umfasst die Population mittlerweile wieder. Im Jahr 2022 sind circa 40 junge Waldrappe in den vier Brutkolonien flügge geworden. Sobald sie ihre Nester verlassen haben, schlafen und rasten sie bevorzugt auf Strommasten, was zu einer tödlichen Gefahr werden kann. Das Waldrappteam „Waldrapp.eu“ hat dazu nun die nachfolgende Pressemeldung veröffentlich.

 

Pressemeldung Waldrappteam.eu: „Stromtod und Brandgefahr: Durch Stromschlag auf einem Mittelspannungsmasten getöteter Waldrapp entzündet sich“

Stromschlag an ungesicherten Mittelspannungsmasten verursacht rund 45% der Todesfälle bei europäischen Waldrappen. Es ist damit die mit Abstand häufigste Todesursache für diese bedrohte und in Europa wieder angesiedelte Vogelart. So kamen vor kurzem in Salzburg und Kärnten wieder fünf Jungvögel auf ungesicherten Strommasten ums Leben. Einer der Vogelkadaver entzündete sich infolge des Stromschlags und wurde damit zum Brandrisiko. Artenschützer fordern eine flächendeckende Sicherung von Mittelspannungsmasten, um diese Bedrohung für Großvögel und die daraus resultierende Brandgefahr zu beseitigen. Die Wirksamkeit dieser Maßnahme zeigt sich am Beispiel von Deutschland, wo Mittelspannungsmasten inzwischen flächendeckend gesichert sind.

Die Waldrappe sind vom Aussterben bedrohte Zugvögel, die im Rahmen eines europäischen LIFE Projektes mit zehn Partnern aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien und unter Leitung des Tiergarten Schönbrunn in Europa wieder angesiedelt werden. Die Population umfasst inzwischen 200 Tiere. Rund 40 junge Waldrappe sind 2022 in den vier Brutkolonien flügge geworden. Nachdem sie ihre Nester verlassen haben, schlafen und rasten sie bevorzugt auf Strommasten.

Während Hochspannungsmasten sichere Ruheplätze für Waldrappe und viele andere Vogelarten darstellen, können die kleineren und viel häufigeren Mittelspannungsmasten konstruktionsbedingt zu Todesfallen werden. Zu Stromschlägen kommt es, wenn die Vögel entweder mit ihren Flügeln oder Schnäbeln gleichzeitig zwei Leitungen berühren oder eine Verbindung zwischen einem Leiter und dem geerdeten Mast herstellen.

Die jüngsten Todesfälle ereigneten sich im Rosental in Kärnten in der Gemeinde Mühlbach und in der Stadt Salzburg nahe dem Flugplatz. Eines der Opfer in Salzburg blieb auf dem Mast liegen und begann infolge des Stromflusses zu brennen. Es gibt inzwischen zahlreiche dokumentierte Fälle von brennenden Stromschlagopfern. Wenn diese auf trockenen Boden fallen können sie Brände verursachen. Die zunehmende Trockenheit infolge des Klimawandels erhöht dieses Risiko erheblich.

Die meisten durch Stromschlag getöteten Waldrappe tragen GPS-Sender und lassen sich damit orten und auffinden. Danke dieses umfangreichen Monitorings sind die Waldrappe zu einer Zeigerart für die Bedrohung durch Stromschlag geworden. Im Zeitraum von 2014 bis 2019 wurden 45% der Todesfälle dadurch verursacht.

Johannes Fritz, Manager des LIFE Projektes: „Waldrappe sind durch ih re Größe und ihre Vorliebe für exponierte Rastplätze stromschlaggefährdet. Wir müssen außerdem davon ausgehen, dass auch viele andere Großvogelarten, wie Uhus, Milane, Bussarde oder Störche, in ähnlichem Umfang zu Opfern ungesicherter Strommasten werden.“ So wurde unter einem der Masten in Salzburg, an dem Waldrappe verendet waren, auch ein toter Schwarzstorch gefunden.

Die flächendeckende, tödliche Gefahr für Großvögel durch ungesicherte Masten lässt sich durch technische Maßnahmen, wie Abdeckhauben oder Isolierung der Leitungen, gut vermeiden. In Deutschland zeigt sich, wie wirksam diese Maßnahmen sind. Dort wurden in den letzten Jahren die Masten auf Basis einer gesetzlichen Regelung flächendeckend durch die Stromnetzbetreiber gesichert. Seither wurden in Deutschland keine Stromschlag-Fälle mehr bei Waldrappen dokumentiert, obwohl sich die Vögel viel dort aufhalten.

In Österreich arbeitet das Waldrappteam inzwischen eng mit den Stromnetzbetreibern in den drei Bundesländern Salzburger Land, Kärnten und Oberösterreich zusammen. Einige regionale Sicherungsmaßnahmen konnten im Bereich der Brutgebiete bereits umgesetzt werden, weitere sind geplant.

Johannes Fritz: „Letztlich brauchen wir eine flächendeckende Nachsicherung der Mittelspannungsmasten, wie sie in Deutschland bereits umgesetzt wurde. Die politischen Entscheidungsträger sind in der Verantwortung, die entsprechenden gesetzlichen Rahmenbedingungen zu schaffen. Der aktuelle Fall des brennenden Jungvogels am Strommast zeigt zudem, dass es dabei nicht nur um Vogelschutz geht. Die Gefahr von Bränden, die durch Stromschlagopfern ausgelöst werden, nimmt aufgrund des fortschreitenden Klimawandels zu. Die Nachsicherung von Masten ist daher durchaus auch von gesellschaftlichem und wirtschaftlichem Interesse.“

Quelle: Waldrapp.eu

 

Weitere Beiträge über den Waldrapp und die Arbeit von Waldrapp.eu

Bildquelle: (c)Waldrapp.eu - Durch Abdeckung oder Isolierung der Leitungen werden Strommasten zu sicheren Rastplätzen, (c)Waldrapp.eu - Waldrappe und viele andere Vogelarten nutzen Strommasten als exponierte Rastplätze. Ungesicherte Masten stellen für sie jedoch eine tödliche Gefahr dar, (c)Waldrapp.eu - Waldrappe auf einem Mittelspannungsmast; auf diesem Mast starben fünf Vögel an Stromschlag. 2560x1275, (c)Waldrapp.eu - Waldrappe auf einem Mittelspannungsmast; auf diesem Mast starben fünf Vögel an Stromschlag. waldrapp 800x500, (c)Waldrapp.eu_Verbrannter Jungvogel auf dem Strommast. Dieser Mast wurde bereits mit sogenannten Büschelabweisern gesichert. Diese Art der Sicherung hat sich aber als nicht ausreichend erwiesen




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