Schon wieder fällt in Bayern wichtiger Wald und Wildtierlebensraum für ein irrsinniges Windparkprojekt: Mitten im Naturpark Augsburg Westliche Wälder entstehen derzeit zehn Windräder. Das große Waldgebiet südlich Augsburg wird bei Burgwalden damit im Grunde in seiner Mitte aufgerissen – und das, obwohl der Energie-Atlas Bayern hier in 180 Metern Höhe gerade mal eine Windgeschwindigkeit von um die 6 Meter/Sekunde verzeichnet (der optimale Bereich für Windkraftanlagen beginnt bei 12 m/s!). Unten haben wir Ihnen die Seite der Bürgerinitiative „Kein Windpark“ verlinkt, die weiter informiert.
Wie sinnlos, wenig ertragreich und schädlich für unsere Natur diese Windkraftprojekte in unseren Wäldern sind, haben wir hier im Blog schon oft dargestellt. Das ist mit Fakten untermauert. Gerade die Staatsregierung treibt sie trotzdem vehement voran. Es ist ein offenes Geheimnis, dass sie damit vor allem die Bilanz der Bayerischen Staatsforsten aufhübschen will, die mit Holz allein offenbar nicht aus den Roten Zahlen heraus zu bekommen ist.
Ein beredtes Bild davon gab letzten Oktober Staatsminister Hubert Aiwanger auf der Bilanzpressekonferenz der BaySF. Windkraft im Wald sei eine „Erfolgsgeschichte“, behauptete er. „Ich bin überzeugt, es ist der richtige Weg, Windräder in Wälder zu stellen“, denn: Sie seien ein Beitrag zur Wirtschaftlichkeit der Wälder, hier gebe es sehr ordentliche Pachteinnahmen. Und während sich der Minister vehement gegen Forderungen wehrt, weitere Wälder aus ökologischen Gründen stillzulegen, weil nur eine Holznutzung sinnvoll und nachhaltig sei, ist es für ihn offenbar gar kein Problem, Bäume, Wald und Fläche einfach abzuräumen und zu versiegeln, wenn dafür ein Windrad drauf gestellt wird. Auch, dass manchmal Wälder für Windräder geopfert werden, die vorher mit massiven Abschüssen selbst gegen knospenknabbernde Rehe verteidigt werden mussten, wird still und leise unter den Teppich gekehrt.
Ob sich dieses Geschäftsgebahren und diese Betriebsziele noch im Rahmen des Bayerischen Staatsforstengesetzes bewegen, ist für uns unklar. Da steht nämlich in Art. 3 Abs. 2: „Die Bewirtschaftung des Staatswaldes hat unter Beachtung der Grundsätze einer naturnahen Forstwirtschaft in vorbildlicher Weise zu erfolgen.“ und weiter: … „Die Bewirtschaftung des Staatswaldes umfasst alle Maßnahmen, die der Erzeugung und Verwertung von Holz und anderen Walderzeugnissen sowie damit zusammenhängenden Tätigkeiten wie der Grundstücksverwaltung und den Grundstücksgeschäften einschließlich der Regelung von Forstrechten im Staatswald sowie der Sicherung und Verbesserung der Schutz- und Erholungsfunktion und der biologischen Vielfalt im Staatswald … dienen.“
Eine Anfrage im Bayerischen Landtag hat dieser Tage zudem ans Licht gebracht, wie wenig sinnvoll die Windräder in unseren Staatswäldern auch aus wirtschaftlicher Sicht sind, und dass die Auswirkungen auf unsere Natur dabei offenbar schlicht „ausgelagert“ werden. Die Fragen und Antworten beziehen sich wohlgemerkt auf die Wälder der BaySF, also staatliches Gemeingut – und immerhin knapp ein Drittel der Wälder Bayerns!
Aktuell stehen laut der Landtagsantwort bereits 105 Anlagen in Betrieb in Bayerns Staatswäldern (also auf dem Grund der BaySF), weitere 166 sind in der Vorbereitung. Geplant sind insgesamt über 500 solcher Anlagen in unseren Wäldern. Es muss davon ausgegangen werden, dass für jede dieser Anlagen Wald gerodet wird, Fahrstraßen für LKW angelegt werden, für die Bauzeit massive Lärm- und Verkehrseinflüsse im Wald stattfinden und das Innenwaldklima durch die Schneisen auch weiterhin gestört bleibt. Die BaySF verpachten also weitgehend intakte Waldflächen und lassen zu, dass der Pächter diese in teils naturferne, gestörte Industriestandorte umwandelt.
Befragt nach den Auswirkungen auf den Naturhaushalt, kam bei der Anfrage heraus, dass die BaySF diese nicht erfasst – nicht mal die Waldfläche, die für eine Windkraftanlage gerodet wird. Die komplette Verantwortung für den Eingriff in die Natur, für ökologische Prüfungen, die Genehmigungen zur Rodung des Waldes, für Ausgleichs-, Ersatz- oder Wiederaufforstungsmaßnahmen liegt laut Staatsregierung beim Vorhabensträger.
Die Gesamteinnahmen der BaySF aus den Verpachtungen ihrer Flächen für diese Windräder liegen aktuell bei knapp 3 Millionen Euro pro Jahr und machen jährlich maximal gerade mal 0,7 Prozent der Einnahmen aus (Holzwirtschaft: 86 Prozent). Von den Ausgaben für die Altersversorgung der BaySF-Beschäftigen, die Aiwanger in der Pressekonferenz als wichtigen Grund anführte, ist das noch nicht mal ein Zehntel. Trotzdem opfert die BaySF hier freiwillig den Wald der Zukunft unserer Kinder und Enkel – und wir alle schauen zu.
Die Infos der Bürgerinitiative „Kein Windpark“ aus der Region Bobingen finden Sie hier
Die Landtagsanfrage mit Antworten zu BaySF und Windkraft finden Sie hier
Und hier findet sich der Link zur Bilanzkonferenz der BaySF mit der Ministerrede
Bildquelle: Symbolfoto: Dieter Staab/Pixabay.de
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