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Donnerstag, 13. November 2025

Scrollicon
Ein Muffelwidder steht im Wald
13. November 2025, 16:09    office@wildes-bayern.de

„Volles Rohr“ aufs Muffelwild in Thüringen


Der Saale-Orla-Kreis in Thüringen bläst zum hemmungslosen Totalangriff auf das Muffelwild – wegen „überproportional“ angewachsener Rudel, unzumutbarer Schäden in der Landwirtschaft, Fraß an Knospen, Trieben und Wurzeln im Forst, Vernichtung naturschutzfachlich wertvoller Pflanzen, Seuchengefahr und allem Weiteren, was man einer Schalenwildart anhängen kann, die zudem noch nicht seit Tausenden von Jahren bei uns heimisch ist. Nur ein totes Schaf ist ein gutes Schaf, scheint die Devise in Saale-Orla zu sein.

Schon im Juni und Juli hob der Landkreis deswegen – zum dritten Mal! – die Schonzeiten auf (die reguläre Jagdzeit beginnt erst im August). Wie er selbst verkündet, bislang ohne Erfolg. Und was tut man, wenn eine Maßnahme einfach nicht greifen will? Na klar: Man wiederholt sie und setzt am besten noch eins drauf! Hinterfragen, neu nachdenken und vielleicht andere Berater suchen wäre wohl zu viel verlangt.

Seit 4. November darf die Art nun also gemäß Allgemeinverfügung auch noch unter Aufhebung des Nachtjagdverbots unter Einsatz von Nachtsichttechnik und künstlichen Lichtquellen verfolgt werden. Vor allem Schafe, also weibliche Tiere, können nun nachts gekillt werden (der Begriff Jagd ist für uns hier leider echt nicht mehr angebracht). Zwar steht in der Allgemeinverfügung auch die Beachtung des Elterntierschutzes, aber nachts sind alle Katzen grau. Und von Kontrollen, wie einem körperlichen Nachweis, oder auch einer Evaluation diese heftigen Eingriffs steht leider nichts in der Allgemeinverfügung.

Wildes Bayern läuft natürlich Sturm gegen diese hanebüchene Anordnung.

Auch der Landesjagdverband Thüringen und die Interessengemeinschaft Muffelwild Thüringen haben sich höchst kritisch geäußert und sprechen von einer „zu korrigierenden Fehlentscheidung eines falsch beratenen Landrats“. Die Allgemeinverfügung sei nicht geeignet, das Problem binnen einer vertretbaren Zeitspanne zu lösen. Ob es überhaupt derartige Probleme gibt und wenn, welche Ursachen es zum Beispiel für die Großrudel geben könnte – so viel Hirnschmalz wollten die Behörde und ihr politisches Oberhaupt anscheinend nicht investieren.

Die Verbände schreiben in einer Pressemitteilung: „Aufgrund verstärkter Beunruhigung nicht nur des Muffelwildes erhöht sich die Gefahr wesentlich stärkerer Wildschäden insbesondere im Wald. Die in der Region entstandenen Probleme wären auf anderen Wegen und mit bestehenden gesetzeskonformen Regularien bei deren konsequenter Anwendung und mit entsprechenden Kontrollen im Zusammenwirken Hegegemeinschaft – Jagdbehörde – Jägerschaft eher zu lösen gewesen. Grundvoraussetzung aber ist, dass sich auch die auf Trophäenjagd und deren Verkauf orientierten Gemeinschaftsjagdbezirke incl. die aus hohen Jagdpachtpreisen nutznießenden Jagdgenossenschaften an der Problemlösung beteiligen.“

Eine Menge Andeutungen hinter vorgehaltener Hand, denen Wildes Bayern auf den Grund gehen wird, ebenso wie den zahlreichen Argumenten, mit denen das Landratsamt seine Entscheidung zu untermauern versucht.

Die aktuelle Allgemeinverfügung des Saale-Orla-Kreises zur Aufhebung des Nachtjagdverbots finden Sie hier

Die Pressemitteilung, mit der der Saale Orla-Kreis im Mai 2025  (zum wiederholten Mal) die Aufhebung der Schonzeit fürs Muffelwild verkündete, finden Sie hier

Die Pressemeldung des LJV Thüringen finden Sie hier

Eine Meldung in der Pirsch zum Thema finden Sie hier

 

 




Bernhard Wagner schrieb:


Erstaunlich, wo sich doch die dortige Jägerschaft seit Jahren darüber beschwert, daß das Muffelwild durch den Wolf reduziert wird und man wenig ansichtig wird.
Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, daß man noch vor 10 Jahren viel häufiger Muffelwild auf den Drückjagden sehen konnte.
Man kann sich auch vorstellen, daß sich die großen Rudel aufgrund der Anwesenheit des Wolfes zur Maximierung der Sicherheit bilden.

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