Was für ein wunderbares Bild für einen so grauen Wochenbeginn wie heute: Eine Gruppe Erdmännchen genießt die Morgensonne in der Kalahari-Wüste. Wie Wissenschaftler der Universität Konstanz, des Max-Planck-Instituts für Verhaltensbiologie und der Universität Zürich jetzt festgestellt haben, ist das aber keine reine Entspannung, sondern auch ein Team-Meeting: Offenbar nutzen die Tiere diese gemeinsame Morgenstunde auch für eine Art verbale Gruppenhygiene.
Erdmännchen tauschen sich nämlich beim Sonnenbad durch sanfte Laute aus. Das ist kein richtiger „Ratsch“, wie wir ihn kennen, sondern mehr eine Kontaktpflege mit klarem Bezug zum sozialen Status. Ihre Töne ähneln unterwürfigen Lautäußerungen, wie sie die untergeordneten Tiere gegenüber höherrangigen ausstoßen, wenn sie sie beschwichtigen und Konflikte reduzieren wollen.
Erdmännchen leben nämlich in streng hierarchisch organisierten Gemeinschaften. Sie werden in der Regel von einem dominanten Paar angeführt, das von rangniedrigeren Tieren dabei unterstützt wird, den Nachwuchs aufzuziehen, das Territorium zu verteidigen und eben die soziale Stabilität der Gruppe aufrecht zu erhalten. Von anderen sozialen Tierarten ist bekannt, dass sie die soziale Rangordnung und den Frieden in der Gruppe zum Beispiel in Form von gegenseitiger Fellpflege und Entlausen erhalten, was als „grooming“ bekannt ist. Doch diese Pflege braucht Nähe und Zeit, und beides kann in großen oder weit verstreuten Gruppen wie bei den Erdmännchen knapp sein.
Möglicherweise weichen die Baubewohner deshalb auf Kontaktlaute aus und nutzen das morgendliche „Roundup“ für – von den Forschern – sogenannte „Sonnenrufe“. Um herauszufinden, welche soziale Rolle diese Signale spielen, zeichneten die Forschenden Laute von einzelnen Tieren auf, deren sozialen Status in der Gruppe sie zuvor beobachtet hatten. Die Laute wurden dann anderen Gruppenmitgliedern vorgespielt und ihre Antworten aufgezeichnet und gemessen.
Tatsächlich zeigten sich klare soziale Muster, die sich mit früheren Arbeiten zur Gruppendynamik und hierarchischen Struktur der Erdmännchen decken: Untergeordnete Erdmännchen erhöhten ihre Rufaktivität deutlich, wenn sie Rufe von dominanten Tieren hörten, während diese kaum auf Rufe von rangniedrigeren Tieren reagierten. Weibchen reagierten stärker auf die aufgezeichneten Laute als Männchen, was auf geschlechtsspezifische Unterschiede bei den sozialen Strategien hinweist.
Ursprünglich hatten die Forschenden erwartet, dass die Tiere stärker auf eng verbundene Gruppenmitglieder reagieren würden. Die Ergebnisse deuten jedoch auf das genaue Gegenteil hin: Rangniedrigere Tiere reagierten eher auf Laute der dominanten Tiere, zu denen sie eine schwächere Bindung hatten. Ihr Austausch könnte also auch das Ziel haben, wichtige, aber schwache Bindungen zu stärken.
Die original Studie in englischer Sprache können Sie hier nachlesen
Bildquelle: Vlad Demartsev
UPDATE – Position: Strukturierte Abschusspläne wichtiger denn je!
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