Das Insekt des Jahres 2026 ist der Warzenbeißer. Sie haben ihn bestimmt schonmal gesehen: Eine kompakte, grasgrün bis bräunliche, nicht besonders große Heuschrecke mit einem auffällig nach oben gebogenen „Stachel“ am Hinterleib. Unten finden Sie weitere Infos zu dieser spannenden Art! Am 21. Juli 2026 veranstaltet zudem das Naturschutzzentrum Obere Donau gemeinsam mit der Akademie für Natur- und Umweltschutz Baden-Württemberg eine Fachtagung:
Der Warzenbeißer im Fokus – Forschung, Lebensraum und Naturschutz im Grünland
Dienstag, 21. Juli 2026 von 9:30 – 16:30 Uhr
Tagungsort: Naturschutzzentrum Obere Donau, Wolterstr. 16, 88631 Beuron
Alle Infos dazu hier im Flyer!
Der Warzenbeißer erhielt seinen ungewöhnlichen Namen aufgrund des alten Volksglaubens, sein kräftiger Biss und sein „scharfer Saft“ könnten Warzen heilen. Das bis zu vier Zentimeter große Tier steht exemplarisch für die bedrohte Insektenvielfalt von halbtrockenen Wiesenlandschaften. Mit seinem bulligen Körper, den langen Fühlern und dem charakteristischen würfelförmigen Muster auf den kurzen Vorderflügeln ist der Warzenbeißer kaum zu verwechseln.
Er ist in ganz Europa und Asien verbreitet, und auch in Deutschland findet man ihn im gesamten Bundesgebiet. Dennoch führt der Wandel in der Landschaft zu einem Rückgang dieser Langfühlerheuschrecken: Die intensivere Landwirtschaft, Drainage und Aufforstung zerstören seine Lebensräume – offene, halbtrockene Magerrasen, die für die Art so wichtig sind, verschwinden immer mehr. Besonders problematisch ist die Isolierung kleiner Populationen – genetischer Austausch wird erschwert, wenn natürliche Korridore fehlten.
Der Lebenszyklus des Warzenbeißers ist spannend: Er bildet nur eine Generation pro Jahr. Die Weibchen legen im Spätsommer und Herbst 200 bis 300 Eier im Boden ab – manche überdauern dort bis zu sieben Jahre. Schlüpfen dann diese larvalen ‚Spätzünder‘, brauchen sie viel Wärme und Sonne, um zu überleben.
Auch wenn die Jungtiere sich in hoher Vegetation vor Fraßfeinden verstecken, ist die Sterblichkeitsrate bis zum Erreichen der adulten Erscheinung sehr hoch. Erwachsene Tiere sind von Juni bis Oktober aktiv, am häufigsten im August. Neben pflanzlicher Nahrung sind sie vor allem räuberisch und jagen andere Insekten. Obwohl Decticus verrucivorus flugfähig ist, setzen die tagaktiven Tiere vor allem auf kräftige Sprünge.
Vögel sind bedeutende Fressfeinde, doch das Tarnverhalten und eine Strategie des Versteckens schützen den Warzenbeißer häufig. „Männchen klettern auf Pflanzen, um von dort mit ihrem Gesang Weibchen anzulocken – bei Gefahr verstummen sie aber und lassen sich leise zu Boden fallen. Damit entgehen sie vielen Feinden“, so Schmitt. Historische Berichte schreiben sogar von regelrechten Kämpfen mit Vögeln, bei denen die Heuschrecken „ätzenden Saft“, gemeint ist der Verdauungssaft, verspritzten. Auch Parasiten wie Fadenwürmer und Fliegenmaden stellen eine tödliche Bedrohung für die Insekten dar.
Die langsam beginnenden und dann immer schneller werdenden, markanten „Zick“-Laute des Männchens sind bei Sonnenschein ab etwa 23 Grad Celsius zu hören. Die Männchen singen nicht nur, um Weibchen anzulocken, sondern auch, um Rivalen zu vertreiben.
Mit der Wahl des Warzenbeißers zum Insekt des Jahres 2026 soll auch auf die Erhaltung von Magerrasen und extensiv genutzten Wiesen aufmerksam gemacht werden. Er wird ein Botschafter für gefährdete Lebensraumtypen gesehen. Nur durch naturschutzorientierte Pflege, die Vernetzung von Flächen und eine nachhaltige Bewirtschaftung kann das Fortbestehen dieser Art gesichert werden.
Das Insekt des Jahres wird seit 1999 gekürt. Die Idee hierzu stammte vom Prof. Dr. Holger Dathe, damaliger Leiter des heutigen Senckenberg Deutschen Entomologischen Instituts in Müncheberg. Ein Kuratorium, dem namhafte Insektenkundler*innen und Vertreter*innen wissenschaftlicher Institutionen angehören, wählt das Insekt jedes Jahr aus verschiedenen Vorschlägen aus.
Die original Pressemeldung des Senckenberg-Instituts finden Sie hier
Bildquelle: Hans/Pixabay
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