Fast die Hälfte des Mikroplastiks, das Wissenschaftler in Böden und Gewässern finden, stammt vom Abrieb von Autoreifen. Forscher des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) haben darüber hinaus noch mindestens 140 giftige Zusatzstoffe aus den Rädern in unserer Natur entdeckt. Sie gehen davon aus, dass das nur die Spitze des Eisbergs ist, und dass viele weitere, unentdeckte Gifte auf diesem Weg eingetragen werden.
Die komplexen Namen der Chemikalien ersparen wir Euch hier, aber es sind Stoffe zum Ozonschutz, Antioxidationsmittel oder Weichmacher, Chemikalien für die Vulkanisation sowie Verstärkungs- und Füllmaterialien. Daneben Schwermetalle wie Zink und Mangan in beträchtlichen Mengen, Cadmium und Blei. Beim Auslaugungsprozess setzt Reifenabrieb laut den Forschern mehr Chemikalien frei als Thermoplastik wie PE.
Die Stoffe wirken sich in vielfältiger Weise auf unsere natürlichen Ökosysteme aus:
* Die Partikel und ihre Auslaugungen können im Körper die Bildung von freien Radikalen (oxidativer Stress) fördern.
* Sie können Erbgutveränderungen verursachen und die Immunreaktion verändern.
* Auf Ebene des Organismus beeinträchtigen sie das Fressverhalten, die Fortpflanzung und das Überleben.
* Sie verursachen die Verschiebungen in der Artenzusammensetzung und verändern das Nahrungsnetz.
* Sie verringern die Biodiversität in Gewässern.
* Letztlich verändern sie essentielle Prozesse wie die Bildung von Biomasse oder die Verfügbarkeit von Nährstoffen.
Die einzige gute Nachricht bei dem Ganzen ist, dass die Mikropartikel überwiegend in der Nähe ihrer Entstehungsorte verbleiben – also zum Beispiel in straßennahen Gräben und Gewässsern. Das eröffnet Möglichkeiten, sie dort vielleicht abzufangen oder herauszufiltern.
Wer selbst etwas gegen diese Giftschleuder in unsere Natur tun will, kann ganz einfach möglichst wenig Autofahren, schmalere Reifen wählen, mit saisonangepassten Reifen den Abrieb mindern und mit seiner eigenen, bewussten Fahrweise die Reifen schonen.
Die Pressemitteilung zu der Untersuchung über Reifenabrieb findet Ihr hier
Eine original Veröffentlichung dazu in englischer Sprache findet Ihr hier
Eine weitere original Veröffentlichung dazu in englischer Sprache findet Ihr hier
Bildquelle: privat
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