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Sonntag, 23. August 2026

Scrollicon
Blick durch verwobene Fäden und geknüpfte Kugeln auf drei Menschen in einem Raum
23. August 2026, 08:00    office@wildes-bayern.de

Ausstellungstipp: „Verwobene Welten“ in München


Als ich nach dem Besuch dieser Ausstellung in München aus dem Haus der Kunst komme und in eine Fußgängerunterführung einbiege, durchzuckt mich kurz ein freudiger Impuls: Hui, Kunst im öffentlichen Raum! Dabei hängen dort vor den Lampen bloß die üblichen Spinnweben, wie sie vor künstlichen Lichtquellen in jeder Siedlung hängen. Aber mein Blick dafür hat sich total verändert, und dafür bin ich Tomás Saraceno sehr dankbar.

Es ist die Ausstellung „Verwobene Welten“ dieses argentinischen Künstlers, die ich mir gerade angeschaut habe. Eine Ausstellung, in der nicht nur erstaunlich viele Kinder unterwegs waren, die auch fast überall was zu tun fanden, sondern die zum Teil auch barfuß begangen werden kann oder wo man – in einzelnen Räumen – mit dem Hund durchlaufen darf. Das Konzept ist auf jeden Fall ungewöhnlich und vielseitig, allerdings wirkt die Ausstellung auch ein wenig unzusammenhängend und fordert die Offenheit der Besucher heraus.

In der Eingangshalle waberte ein riesiger Ballon aus zusammengeklebten gewerblichen Plastiktüten. Dem können Besucher mithilfe eines Fahrrads Luft zuführen. Hier im Haus der Kunst liegt er am Boden und ist begehbar, aber als Teil von Saracenos Installation fliegen diese Gebilde auch schonmal in der Luft und transportieren Menschen – einfach durch die Kraft der Sonne, die sie erwärmt und zum Aufsteigen bringt. Davon gibt es spektakuläre Bilder aus der Atacama-Wüste.

Schon eine Tür weiter befindet sich eine komplett andere Welt: Es ist dunkel, und zu sphärischen Klängen hängen große glasartige Kugeln und Gebilde über einer Wasserfläche. Das Gehirn darf rasten, Gehör und Gespür übernehmen. Nächste Tür: Helles Salz unter den Füßen, Karten und Grafiken an den Wänden, das Gehirn ist wieder voll gefordert. Es geht kritisch um die Folgen unseres Lithium-Konsums, der die indigenen Gemeinschaften in der Atacama-Wüste um Lebensräume und Wasser bringt. Lithium ist ein Metall, das vor allem in den Akkus von E-Autos und Handys benutzt wird. Der Verbrauch steigt weltweit rasant an. Hauptvorkommen lagern in den Salzwüsten Südamerikas, die von Firmen genutzt werden, ohne auf die indigene Bevölkerung und die Natur groß Rücksicht zu nehmen.

Eine wandfüllende kommentierte Karte zeigt, wie (wenig) lange das Wasser unserer heimischen Seen reichen würde, wenn es zum Lithium-Abbau genutzt werden müsste. München ist eine der deutschen Regionen mit den meisten E-Autos – da passt das Thema hin. Und gerade in Zeiten von 38 Grad in den Straßen der Stadt und endlosen Wochen ohne Regen sollte uns das Thema beschäftigen.

Dunkle Glaskugeln schweben über einer Wasserfläche in einem kaum beleuchteten Raum

Abstraktes Werk

Wieder einige Türen weiter sind erneut andere Sinne gefordert: Elastische Fäden durchziehen den ganzen Raum von der Decke bis zum Boden, dazwischen verknüpft zu großen filigranen, symmetrischen Kugeln und Sternen. Die Besucher sind eingeladen, die Schuhe auszuziehen und sich durch die Gebilde hindurch zu bewegen. Jede Berührung mit den kreuz und quer laufenden Fäden erzeugt einen Ton – in Anlehnung an die Welt der Spinnen, bei denen sich die Wahrnehmung der Welt und die gesamte Kommunikation über Schwingungen der Seidenfäden ihrer Netze abspielt. Echte Spinnennetze finden sich hier und im nächsten Raum auch als Ausstellungsobjekte, wobei die großen, komplexen Exemplare in den beleuchteten Vitrinen ein echtes Highlight sind.

Vor schwarzem Hintergrund schimmert ein Spinnennetz

Spinnennetz in Vitrine

Ganz ehrlich, voll durchgestiegen bin ich bei dieser Ausstellung nicht – aber Vieles ist hängen geblieben und arbeitet noch in mir, und das ist eigentlich mehr wert, als wenn ich eine andere Ausstellung von Anfang bis Ende hindurch verstanden und bewundert habe, ohne weiter darüber nachdenken zu müssen. Das Lithium-Thema ist wichtig. Die hohe Wertschätzung des Künstlers für die Spinnen hat mir sehr gefallen, obwohl ich im Alltag Angst vor ihnen habe. Aber gerade dieser Angst begegnet Saraceno mit seinem Konzept „Arachnophilia“, von dem die ausgestellten und begehbaren Netze nur ein Teil sind.

Obwohl ich nach der Ausstellung ein wenig ratlos wieder auf die Straße getreten bin, würde ich den Besuch weiter empfehlen. Ich bin mir sicher, jeder natur- und umweltinteressierte Mensch wird bei Tomás Saraceno andere Anknüpfungspunkte finden, und irgendwas davon bleibt auf jeden Fall haften und schwingt noch in uns nach.

Alle Infos zur Ausstellung, die noch bis 7. Februar  finden Sie hier

 

 

Bildquelle: privat




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