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Dienstag, 28. Mai 2024

28. Mai 2024, 05:58    office@wildes-bayern.de

Der Edel-Wurm aus den bayerischen Alpen


Hier kommt ein wunderbarer Fund: In den Alpen lebt ein Wurm, der grün schimmert wie ein Smaragd. Hat man, haben Sie sowas schonmal gesehen? Ich leider nicht, aber ich werde bei zukünftigen Wanderungen die Augen nach ihm offen halten. Lesen Sie mal, was Ulfert Graefe vom Rote-Liste-Zentrum über den Smaragdwurm schreibt! Dieser Wurm ist dort zur Art des Monats gekürt worden.

“Regenwürmer gelten als Schlüsseltiere des Bodenlebens und Indikatoren der Bodenfruchtbarkeit. In Deutschland kommen 47 Arten vor. Sie leben versteckt im Mineralboden, in der Laubstreu oder auch in verrottendem Holz. Als Schutz vor zahlreichen Fressfeinden sind die meisten von ihnen unauffällig rotbraun oder grau gefärbt, je nach bevorzugtem Lebensraum.

Unsere Art des Monats besitzt dagegen eine auffällige Farbe, die ihr den Namen „Smaragdwurm“ (Aporrectodea smaragdina) eingebracht hat. Namensgeber war der italienische Zoologe Daniele Rosa (1857 – 1944). Ihm waren in Österreich gefundene Exemplare einer unbekannten Regenwurmart zugeschickt worden, die er im Jahr 1892 als neu für die Wissenschaft beschrieb.

Auch in Deutschland ist der Smaragdwurm einheimisch. Nachgewiesen ist sein Vorkommen in einem schmalen Streifen der bayerischen Alpen (Berchtesgadener Alpen, Chiemgauer Alpen, bayerische Voralpen), der an das Hauptverbreitungsgebiet der Art im alpisch-dinarischen Kalkgebirge angrenzt.

Obwohl auf der Roten Liste in die Kategorie „Extrem selten“ eingestuft, ist der Smaragdwurm in seinem Verbreitungsgebiet leicht zu finden. Der Grund dafür ist seine Vorliebe für stehendes und liegendes Totholz, das ihm, wenn es von Weißfäule vorzersetzt ist, als Nahrung dient. Im Boden ist dagegen die Streuauflage sein bevorzugter Lebensraum.

Üblicherweise werden bei Regenwürmern die Lebensformtypen epigäisch (in der Streuauflage lebend), endogäisch (im Mineralboden lebend) und anecisch (in senkrechten Wohnröhren lebend) unterschieden. Gegenüber den nächsten Verwandten aus der Gattung Aporrectodea, die ein Leben im Mineralboden vorziehen, macht der Smaragdwurm mit seinem Treiben in der Humusauflage eine Ausnahme – er gehört zu den epigäischen Regenwürmern. Vielleicht ist die grüne Körperfarbe also eine Form der Tarnung vor Fressfeinden im Milieu bemooster Baumstümpfe und Streulagen.

Zwischen Regenwürmern und Bodeneigenschaften besteht ein enger Zusammenhang. Einerseits ist eine bestimmte Bodenqualität Voraussetzung für das Vorkommen der Regenwürmer, andererseits verändern diese durch ihre Aktivität die Qualität des Bodens. Die vertikal bohrenden Regenwürmer ziehen das Laub rund um den Eingang ihrer Wohnröhre zu einem kleinen Komposthaufen zusammen, den sie verspeisen, sobald die Blätter durch mikrobielle Vorzersetzung für den Wurm „schmackhaft“ geworden sind. Mit der Passage durch den Wurmdarm gelangt das organische Material in den Mineralboden, wo es von horizontal bohrenden, endogäischen Regenwürmern weiterverarbeitet wird. So entsteht der humusreiche Mineralbodenhorizont mit lockerem Krümelgefüge, der die Humusform Mull kennzeichnet und der auch unzähligen anderen Bodenorganismen Lebensraum bietet.

Wo im Mineralboden lebende Regenwürmer fehlen oder verschwunden sind, was bei zunehmender Bodenversauerung geschehen kann, wird die Streu auf der Bodenoberfläche nur langsam zersetzt und nicht in den Boden eingearbeitet. Es entstehen Auflage-Humusformen wie Moder oder Rohhumus, die andere Artengemeinschaften aufweisen. Der Smaragdwurm meidet sie. Er braucht Mull-Standorte mit viel Totholz. Bleiben diese Bedingungen erhalten, erscheint sein Überleben im Alpenraum gesichert.”

Zum original Beitrag mit weiterführenden Links kommt Ihr hier

 

Bildquelle: Dr. Christine Miller




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