Wer glaubt, ein Insekt mit Panzer und Flügeln könne nur über der Wasseroberfläche vorkommen, der irrt gewaltig: Es gibt auch eine große Vielfalt an so genannten Wasserkäfern! Sie sind sozusagen die Wale in der Klasse der Insekten, weil sie ähnlich wie die Meeressäuger auf Atemluft angewiesen sind, obwohl sie unter Wasser leben.
Das Rote Liste-Zentrum des Bundesamts für Naturschutz ist dieser Käferfamilie jetzt nachgegangen und hat Experten losgeschickt, um einige früher bekannte, aber heute verschollene Arten zu suchen. Natürlich stand dabei auch die Frage nach möglichen neuen, noch nicht beschriebenen Arten im Raum.
In Bayern kam es dabei zu einem besonderen Erfolg: Der Experte Leopold Wendlandt beprobte im August und September 2025 insgesamt 26 Kleingewässer in den Allgäuer Alpen auf über 1.500 m Meereshöhe. In einem davon konnte er erstmalig in Deutschland den kleinen Schwimmkäfer Agapus lapponicus mit insgesamt 18 Exemplaren sicher nachweisen – eine Art, die bisher nur aus der Schweiz und Österreich bekannt war.
Neben diesem Glücksfund stieß der Experte auf 30 weitere Wasserkäferarten sowie drei wasserbewohnende Wanzenarten. Zu den spannendsten Funden zählen mehrere Exemplare des Wasserkäfers Boreonectes griseostriatus, der seit mehr als 15 Jahren in Deutschland nicht mehr nachgewiesen worden war. In der aktuellen Roten Liste der Wasserkäfer Deutschlands ist er als „Stark gefährdet“ eingestuft, in der Roten Liste Bayerns als „Extrem selten“.
Wasserkäfer sind von ihrer Ökologie her wirklich spannend. Denn der im Wasser gelöste Sauerstoff reicht den meisten Arten nicht aus, und die Evolution musste hier wirklich findig werden, um ihre Existenz zu ermöglichen. Einige Käferarten nehmen – ähnlich wie Menschen beim Tauchen – „Sauerstoffflaschen“ mit: Je nach Wasserkäferfamilie umschließen sie ein Luftpolster mit ihren Flügeldecken, haben eine Luftblase am Hinterleib oder speichern Luft zwischen Härchen an der Bauchseite.
Andere Arten zapfen Wasserpflanzen an und beziehen ihren Sauerstoff durch Luftbläschen, die von Pflanzen abgegeben werden. Fast so wie moderne U-Boote können einige Arten auch Sauerstoff aus dem Wasser gewinnen, wenn die Luftblase sauerstoffarm wird. Dann diffundiert Sauerstoff aus dem Wasser in die Blase und füllt diese wieder etwas auf. Um den Luftvorrat komplett aufzufrischen, müssen die meisten Wasserkäfer aber regelmäßig auftauchen.
Adulte Wasserkäfer können mehrere Jahre alt werden und sogar den Winter in zugefrorenen Gewässern überdauern, indem sie in eine Kältestarre fallen und so den Energiebedarf stark reduzieren.
Wer Lust hat, mehr über die spannenden Wasserkäfer zu lesen, findet hier und hier dazu Infos vom Rote Liste-Zentrum
Bildquelle: Marc Pascual/Pixabay.de
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