Seit nunmehr 10 Jahren erfassen wir vom Wilden Bayern im Auftrag und in Zusammenarbeit mit der Deutschen Wildtier Stiftung das Alter der erlegten Gams in den bayerischen Hegeschauen. Hier schlummert ein Datenschatz, den eigentlich Behörden und Jäger schon längst eigenständig hätten heben können. Schließlich kann man das Alter von jeder erlegten Gams aufs Jahr genau erfassen und damit so genannte „Sterbetafeln“ erstellen. Das sind statistische Instrumente, die zum Beispiel als Grundlage dienen, wenn man die Entwicklung einer Population modellieren will.
In Ermangelung eines fachkundigen Monitorings der Gams in Bayern (über die peinlichen Monitoring-Versuche der BaySF-Forstbetriebe sollte man lieber den Mantel des Schweigens breiten) können mit diesen Daten Rückschlüsse auf die Struktur und die Entwicklung der einzelnen Populationen gezogen werden. Besser wie nix, angesichts der völlig naturfernen Abschussplangestaltung in Bayern.
In den ersten Jaren unserer Datenaufnahme gab es teilweise noch viel Diskussions- und Klärungsbedarf, der sogar Gerichte beschäftigte und im Kommentar zum bayerischen Jagdrecht seinen Niederschlag fand. Inzwischen haben zumindest die oberbayerische Kreisgruppen-Vorsitzenden verstanden, auf welchem Datenschatz sie bei der Hegeschau sitzen.
Denn ja, die Kreisgruppen werden von den Behörden beauftragt, die offiziellen Hegeschauen auszurichten. Der gesetzliche Auftrag dabei lautet: Die Öffentlichkeit muss sich auf der Hegeschau einen Eindruck über den Zustand der bejagten Wildpopulationen verschaffen können. Das geht bei den Gams recht gut: wie gesagt, wer’s kann, kann über jede Krucke das Alter und das Geschlecht eines erlegten Tiers feststellen. Wer es nicht kann, der würde – bei ordnungsgemäß durchgeführten Hegeschauen – diese Information auch auf den obligatorischen Trophäenanhängern finden. Vorausgesetzt, die Ausrichter der Hegeschau (also die Jäger der betroffenen Kreisgruppe) würden darauf achten, dass keine Trophäe gezeigt wird, deren Anhänger keine Angaben über Erlegungsort, Zeit, Alter und Geschlecht macht. Wie gesagt, beim Gams kein Problem, denn wer nicht mal das Alter einer Gams bestimmen kann, sollte auch keine Gams schießen dürfen (Ansprechen!).
Doch unser Team war ziemlich erstaunt, als wir zur Hegeschau der Kreisgruppe Füssen nach Schwangau kamen. Der Zugang zu den Trophäenwänden war durch Seile soweit abgesperrt, dass man nicht mal die Trophäenanhänger lesen konnte. Oh, dachten wir, sind wir auf eine Veranstaltung des ÖJV geraten? Dieser Verein tut sich ja seit langem darin hervor, wertvolle Informationen zu Wildtieren und Wildpopulationen unter einen dicken Teppich Fichtennadeln zu kehren.
Wir fragten einen Herrn, der geschäftig durch die Reihen lief. Und siehe da, es war der BJV-Kreisgruppenvorsitzende Jörg Pauly. Wir erklärten ihm mehrmals die Rechtslage und unsere Arbeit – vergeblich. Von Gams verstehe er nichts. Von Rotwild verstehe er auch nichts. Und dass man etwas über Wildtiere wissen wolle und (Gams-)Trophäen dazu Auskunft geben könnten, das verstehe er schon gleich gar nicht.
Für den Herrn Pauly scheinen Trophäen reine Deko-Objekte zu sein, die man auch gut und gerne von der Ferne anschauen kann. Solche Jagdfunktionäre sind Totengräber und Sargnagel einer wildbiologisch informierten – oder man könnte auch sagen – weidgerechten Jagd. Offensichtlich fast betrunken von der eigenen Wichtigkeit, lassen sie sich ihre Bedeutung nicht durch Anwandlungen von Kompetenz beeinträchtigen. Herzlichen Glückwunsch dieser Kreisgruppe zu ihrer Wahl. Die untere Jagdbehörde sollte sich überlegen, wem sie das nächste Mal die Verantwortung für eine gesetzeskonforme Hegeschau in die Hände legt.
Bildquelle: Wildes Bayern, Monika Baudrexl
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