Rund 24 Stunden lagen zwei Rehkitze mit schlimmen Schnittverletzungen hilflos auf einer Wiese. Eins musste danach eingeschläfert werden, weil zwei Beine abgetrennt waren und es keine Überlebenschance hatte. Das ist das Ergebnis eines unglaublichen Fiaskos aus mangelhafter Kommunikation, Gedankenlosigkeit und möglicher Schlamperei eigentlich fachkundiger Akteure auf einer Streuobstfläche bei Oberschleißheim.
Wildtierschützer, die unmittelbar vor Ort leben, hatten den Flächenpächter, den Bund Naturschutz in Bayern (BN), vorab informiert, dass sich eine Geiß mit Kitzen dort befände. Trotzdem wurde offenbar gemäht, ohne die Wiese vorher abzusuchen.
Die Kitzretter wurden am anderen Morgen darauf aufmerksam, gingen die Fläche ab und entdeckten die beiden Opfer. In Absprache mit einem Jäger nahmen sie sie auf und versuchten ihnen Hilfe zukommen zu lassen. Aber einem Rehkitz, dem zwei Füße abgeschnitten wurden, ist kein artgerechtes Leben mehr möglich. Deshalb musste eins der Tiere eingeschläfert werden. Das andere trug ebenfalls schwere Schnittverletzungen davon, konnte aber behandelt werden und lebt jetzt in einer Aufzuchtstation.
Doch wie kam es überhaupt zu der Mahd der Fläche? Wie sich inzwischen herausgestellt hat, ist ihr Besitzer die Bayerischen Staatsforsten AöR, Forstbetrieb Freising. Doch diese übt nur das Jagdrecht aus. Die sonstige Nutzung ist verpachtet, und die Bewirtschaftung erfolgt gesplittet: Um die Streuobstbäume kümmert sich der BN, während die darunter liegende Wiese über die Untere Naturschutzbehörde des Kreises München-Land „gepflegt“ wird.
Diese unübersichtliche Konstellation führte dazu, dass die Information der Kitzretter an den BN ins Leere lief. Dieser gab die wichtige Nachricht aber auch nicht weiter. Gemäht wurde die Fläche letztlich durch Auftragnehmer der Unteren Naturschutzbehörde München-Land und des dortigen Landschaftspflegeverbands.
Dass es zu den schweren Verletzungen der Rehkitze kam und diese angeblich unbemerkt geblieben sein sollen, ist uns vollkommen unverständlich, immerhin arbeiteten die vermeintlichen „Landschaftspfleger“ im Dienste des Naturschutzes mit Ibex-Motormähern, die von einer Person, die am Boden geht, geführt werden! Die Arbeiter sammelten hinterher auch das gemähte Gras noch auf. Als das Kitz mit den abgeschnittenen Beinen am nächsten Tag gefunden wurde, lag es offen auf der kurzgeschorenen Fläche.
Wir sind völlig entsetzt über die Gedankenlosigkeit und Fühllosigkeit, von der dieses Vorkommnis spricht. Um die Verantwortlichen zu finden und zur Rechenschaft ziehen zu lassen, haben wir Anzeige bei der Staatsanwaltschaft I in München erstattet.
Bildquelle: privat
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