Wow, alle Achtung, so eine Gamsjagd im Gebirge ist wirklich was für ganz harte Männer mit fetten Karren und dicken Knarren. Wer sich fragt, warum sich Jäger und Waidwerk in der Öffentlichkeit immer wieder massiven Angriffen ausgesetzt sehen, kann sich das vom Jagdfilmer Felix Kuwert in der Folge „Gamsbock auf 430 Meter“ in seinem Format Jagdmomente zeigen lassen. Das Video ist vor gut einer Woche online gegangen und hatte bereits am 8. September über 50.000 Klicks und fast 1400 Likes. Leider keinen vom Wilden Bayern – wir werden da eher einen Anwaltsbrief hinschicken.
Wir haben uns wirklich gefragt, wie es sich ein Ministeriumsgewächs – denn Förster Kuwert war lange im Forstministerium tätig – leisten kann, öffentlichkeitswirksam so weit weg von Waidgerechtigkeit und Tierschutz zu agieren, ohne dass ein Jagdverband oder zumindest Natur- oder Tierschützer ihm in die Parade fahren. In der beschriebenen Folge aus dem Monat Juni 2025 werden erstmal offenbar in der Brut- und Setzzeit eine Jagdkanzel umgerissen und ein Pirschpfad mit Motorsäge und Laubbläser freigelegt (diese Stihl…oh, wir werden ganz schwach), bevor es mit zwei toughen Pickups und vier Hunden auf die Berghütte und darüber hinaus zur Rotwildjagd geht.
Nachdem sich aber partout kein passendes Rotwild einfinden will, schießt man dem Video zuliebe auf das Nächstbeste, was einen gut dastehen lässt: einen jungen Gamsbock. Der äst halt grad so schön breit auf eine Distanz von 430 Meter. Nun schießt man natürlich nicht leichtfertig über so eine Strecke, bewahre! Harte Männer wie der Revierjäger Korbinian C. vom einschlägig bekannten (oder sollen wir sagen berüchtigten) BaySF-Forstbetrieb Oberammergau und sein Jagd-Spezi Alwin Sch. gehen natürlich regelmäßig zum Spezialtraining wie der Berufsjäger im Video erläutert – mindestens einmal pro Woche ist er auf dem Schießstand, und man ahnt auch schon, dass es der Stand ist, dessen Werbe-T-Shirt mit fetter Knarre er so demonstrativ im ersten Teil des Films trägt.
Den zweiten Aspekt des weiten Schusses hat der Meisterschütze aber leider scheinbar trotzdem außer Acht gelassen: Richtig, das Ziel! Berufsjäger sollten nämlich am Berg nicht als Sport oder gar zum Vergnügen für tolle Männervideos schießen, sondern, um vorbildlich den Wildbestand zu bewirtschaften – aber bei einer Distanz von einem halben Kilometer kann man schonmal aus dem Auge verlieren, dass da ein lebendes, atmendes und fühlendes Wesen steht, das gleich die Kugel erwischt.
Nun braucht es schon den Profi, um selbst auf geringe Entfernung eine Gams richtig anzusprechen. Nicht umsonst schleppen waidgerechte Berufsjäger kiloschwere Spektive selbst in die entlegensten Winkel ihrer Bergreviere mit. Alles überbewertet, oder was? Im Video ist in der Schussszene kein Spektiv nicht nirgends zu sehen.
Wer identifiziert auf fast einen halben Kilometer Distanz ein Stück mit dem Fernglas so genau, dass er etwas über die Altersringe an den Krucken wie auch den Gesundheitszustand des Tieres sagen kann? Denn immerhin sollte man nicht nur die Wildart, sondern dazu auch noch Geschlecht, Altersklasse und Zustand erkennen und einordnen können.
Viel wichtiger ist in diesem Filmchen, dass der Berufsjäger seine Waffe gut positioniert hat – denn der erste Treffer von Schütze Alwin streckt prompt das Stück nicht, und der erfahrende „Alpin Precision“-Schütze muss nachlegen, bevor der waidwunde Bock in den Latschen verschwindet und irgendwo elendig krepieren würde. Da hat die Gams, die hier zum Hauptdarsteller dieses tierischen Snuff-Videos auserkoren wurde, aber Glück gehabt!
Neben der Frage, wann in dem oberbayerischen Staatsforstenrevier – das per Gesetz zu vorbildlicher Jagd verpflichtet ist – die Gams erlegt wurde (zur Erinnerung: Die Jagdzeit beginnt im August, und die Schonzeitaufhebung im Bergwald ist derzeit nach einer Klage von Wildes Bayern außer Vollzug), stellen sich uns vom Wilden Bayern noch diverse andere Fragen. Darunter jene, wieviel der Schütze eigentlich für diesen Abschuss gezahlt hat, denn, remember, die supertolle Staatsforsten-Videokulisse samt Gams gehört nicht der BaySf, sondern den Bürgern und Alwin Sch. war für das „Harte-Männer-Abenteuer“ als Gast im Revier.
Unsere maskulinen Helden machen sich an die gefährliche Bergung im steilen Gelände. Dazu nehmen sie nicht etwa einen Jagdhund mit, wie es Vorschrift ist, denn auch der gestürzte Bock könnte ja nochmal hoch werden und flüchten. Man darf vielmehr nur hoffen, dass sie ihre vier Hunde nicht in ähnlicher Macho-Manier behandeln, und sie nicht auch noch im viel zu warmen Auto zurückgelassen haben.
Schaut man sich die Laufbahn von Jagdmomente-Gründer Felix Kuwert so an, dann wird schon klar, dass hier keiner Regie führt, der irgendwas mit Wild und Tierschutz am Hut hat – dann doch noch eher mit den armen, vom Wild gequälten Bäumen. Aber dass so ein Videos auf Youtube tausendfach geklickt und bejubelt wird, ohne dass ein Jagdverband mal gegen die Darstellung auf die Barrikaden geht, ist schon verblüffend. Denn hier wird nur eins gezeigt: Jagd als reine Ego-Profilierung unter Missachtung der Kreatur. Besser kann man die Abschaffung des Waidwerks wirklich nicht betreiben.
Das dreiviertelstündige Video von „Jagdmomente“ könnt Ihr Euch hier anschauen
WB
Bildquelle: Screenshot JagdMomente/Youtube, Screenshot Jagdmomente/Youtube
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Es liegt viel an der persönlichen Schießgeschicklichkeit, der zur Verfügung stehenden Waffe und der Optik, dem entsprechenden Kaliber und den äußeren Umständen.
Es gibt gute, sehr gute und weniger gute Schützen. Jeder sollte seine Fähigkeiten entsprechend beschränken.
Doch eines verstehe ich beim besten Willen nicht! Warum schieße ich auf ein gesundes, auf diese Entfernung kaum genau anzusprechendes Stück Wild? Dass dies schießtechnisch möglich ist, bedeutet noch lange nicht, dass dies tierschutzkonform (alte Schreibweise: waidgerecht) ist.
Ich habe auch keine Lust mir diesen Film anzuschauen! Mir reicht, was ich da schon alles gesehen habe, von Selbstdarstellern und Knallern! Schade, dass sie damit auch noch Publikum finden. Viele verrohen immer mehr. Jäger, macht euch bewusst, wir jagen! Wir sind nicht im Krieg und es ist auch kein Spaß.
Finde es gut, dass Wildes Bayern e.V. hier Anzeige erstattet.
Und grad extra: Der alte Spruch, über den so oft gespottet wird ist topaktuell:
Das ist des Jägers Ehrenschild,
Daß er beschützt und hegt sein Wild,
Waidmännisch jagt, wie sich’s gehört,
Den Schöpfer im Geschöpfe ehrt!
Das Kriegsgeschoß der Haß regiert, –
Die Lieb’ zum Wild den Stutzen führt:
Drum denk’ bei Deinem täglich Brot
Ob auch Dein Wild nicht leidet Noth?
Behüt’s vor Mensch und Thier zumal!
Verkürze ihm die Todesqual!
Sei außen rauh, doch innen mild, –
Dann bleibet blank Dein Ehrenschild!
(v. Riesenthal)
Wo sind wir jagdlich nur hingekommen?
Nachtzieltechnik, Hochpräzisionswaffen für Weitschüsse, viele Artikel aus der Militärtechnik. Wir rüsten auf gegen unsere Feinde „Reh, Hirsch und Gams“ – Pfui Deifi!
Natürlich sind die Jagdverbände und Tierschutzorganisationen hier gefragt, aber ganz besonders jeder Einzelne!
Ein Jäger der das Wild nicht liebt, ist kein Jäger!
Folgenden sehr treffenden Kommmentar hat der Überläufer-Chefredakteur Lucas von Bothmer in Facebook zu unserem Blogbeitrag hinterlassen: „Toller Film. Bin als Nichtjäger zufällig drüber gestolpert. 5 Minuten geschafft. Gelernt: Es gibt in den bayerischen Alpen kaum noch Rotwild und etwa eine Gams. Diese beging den tödlichen Fehler, an einem Nadelbaum ruzuknuspern. Deshalb wurde sie von zwei virilen Scharfschützen unter Feuer genommen. Der eine hat den Schadnager schlecht getroffen, der andere ihn dann eiskalt umgerömert. Um so gut zu schießen, muss man viel trainieren – in Italien. Der Wald atmet auf. Bald regnet es wieder.“
Man kann sich der Meinung von L. Fegg und Wildes Bayern nur anschließen, wenn wir als Jäger noch von Waidgerechtigkeit sprechen wollen.