Vor rund vier Wochen haben wir hier darüber berichtet, dass Solarparks in der öffentlichen Wahrnehmung oft als reine Technikflächen gelten: als versiegelte Landschaften, die Lebensräume überbauen und Arten verdrängen (s. Beitrag unten). Wir haben damals betont, dass diese Bedenken berechtigt sind, denn viele Anlagen entstehen ohne ausreichende Rücksicht auf Natur, Wildtiere und historische Nutzung der Landschaft.
Gleichzeitig zeigten erste Studien: Es gibt Situationen, in denen Solarparks mehr sein können als ein notwendiges Übel. Sie können, sofern sie klug geplant und naturverträglich gepflegt werden, sogar Lebensräume schaffen, die in der intensiv genutzten Agrarlandschaft längst verschwunden sind.
Nun liegen neue Ergebnisse des Instituts für Biodiversitätsinformation e. V. (IfBI) vor. Und diese Untersuchungen aus Unterfranken fügen dem bisherigen Bild entscheidende Mosaiksteine hinzu. Sie zeigen deutlich, wie viel Potenzial Solarflächen tatsächlich haben und welche Fehler in Planung und Bewirtschaftung sie ebenso schnell wieder wertlos machen können.
Besonders spannend ist der Blick auf die Fledermäuse, die oft als Indikatoren für ökologische Qualität gelten. Die Forscherinnen und Forscher konnten in mehreren Solarparks feststellen, dass die Artenvielfalt der Fledermäuse dort mindestens so hoch ist wie in den angrenzenden Landschaftsstrukturen. Mehr noch: Viele Arten nutzten die offenen Modulflächen aktiv als Jagdrevier.
In den ersten Stunden nach Sonnenuntergang, wenn die Insektenbiomasse ihren Höhepunkt erreicht, herrschte über den Panelreihen reges Treiben. Zwergfledermäuse fliegen zwischen den Modulen hindurch, fangen Mücken und andere Kleininsekten und markierten ihre Territorien mit charakteristischen Balzrufen. Das zeigt: Diese Flächen sind keineswegs tote Räume, sondern können sich unter geeigneten Bedingungen nahtlos in das Reviermosaik der Tiere einfügen.
Gleichzeitig wurden Unterschiede deutlich, die in der Diskussion oft untergehen. Zwischen den Modulreihen selbst, dort wo Schatten und Enge dominieren, war die Aktivität viel geringer. Die Tiere flogen hier schneller und geradliniger, ganz so, als wollten sie diese Bereiche möglichst zügig hinter sich bringen. An den Rändern dagegen, wo Vegetation, offene Bodenstellen und Strukturvielfalt zusammentreffen, war die Aktivität deutlich höher. Es zeigt sich also: Ein Solarpark ist kein homogener Raum, sondern ein fein abgestuftes Gefüge aus Lebensbereichen manche wertvoll, manche problematisch. Und genau hier entscheidet das Management über Erfolg oder Misserfolg.
Dieselbe Dynamik findet sich beim Insektenangebot. In den Abendstunden, kurz nachdem die Sonne hinter dem Horizont verschwunden ist, steigt die Anzahl der Insekten binnen kurzer Zeit enorm an. Bis zu 1.700 Individuen wurden in nur 30 Minuten nachgewiesen, die meisten davon winzige Zweiflügler wie Mücken. Die Biomasse erreichte etwas später ihren Höhepunkt, genau dann, wenn die Fledermäuse ihre intensivste Jagdphase hatten. Dieses Zusammenspiel aus Insektenverfügbarkeit und Fledermausnutzung zeigt, wie unmittelbar das Nahrungsangebot die Raumnutzung beeinflusst und wie wichtig es ist, dass Solarflächen dieses Angebot überhaupt bereitstellen können.
Ein Blick auf die Vegetation und Bodenfauna konkretisiert das Bild: In einem früher intensiv genutzten Acker, der zu einer Solarfläche umgestaltet wurde, konnten innerhalb der ersten Jahre bereits 64 Pflanzenarten dokumentiert werden. Unter den Modulen bleibt die Vielfalt gering, doch an den sonnigen Rändern entsteht oft ein Mosaik aus Kräutern, Gräsern und Offenbodenbereichen, das wiederum zahlreichen Insektenarten Nahrung und Struktur bietet.
Mehr als 1.000 verschiedene Tierarten, überwiegend Insekten, wurden mittels Metabarcoding nachgewiesen. Darunter eine beeindruckende Vielfalt an Schlupfwespen, die als natürliche Gegenspieler landwirtschaftlicher Schädlinge eine wichtige ökologische Funktion erfüllen. Auch Vögel wie Goldammer, Bachstelze oder Rotmilan sowie Säugetiere wie Feldhase, Dachs und Rotfuchs wurden regelmäßig beobachtet. In mindestens einer Anlage lebten sogar streng geschützte Zauneidechsen.
All das verdeutlicht, was wir bereits in unserem ersten Beitrag betont haben: Das ökologische Potenzial eines Solarparks hängt nicht von den Modulen ab, sondern von allem, was dazwischen, darunter und daneben passiert. Die Frage ist nicht, ob Photovoltaikflächen der Natur nützen oder schaden – sondern wie sie gestaltet und gepflegt werden.
Und hier liegt weiterhin der größte Schwachpunkt vieler Anlagen: Die Praxis zeigt leider, dass Solarparks häufig rein nach technischen oder wirtschaftlichen Kriterien gemanagt werden. Flächen werden großflächig und häufig gemäht, Blühzeiten ignoriert, strukturreiche Bereiche beseitigt, Vegetation auf „pflegeleichte“ Grasmatten reduziert. Unter solchen Bedingungen ist ein Biodiversitätsgewinn ausgeschlossen.
Die neuen Daten aus Unterfranken bestärken daher unsere Forderung nach klaren Mindeststandards: extensive Pflege ohne Pestizide und Dünger, reduzierte und zeitlich abgestimmte Mahd, Integration von Blühstreifen, Hecken, Saumstrukturen, Totholz und Offenbodenbereichen sowie ein Landschaftskonzept, das Solarparks als Teil eines größeren Biotopverbunds versteht, nicht als isolierte Technikinseln.
Wer gerne mehr Informationen zu Solarparkplanung hätte kann eine hilfreiche Broschüre hier finden
Einen Artikel über die Veröffentlichung des Instituts für Biodiversitätsinformation finden Sie hier
Meldung vom 12. November 2025
Wir von Wildes Bayern stehen Solarparks ja grundsätzlich kritisch gegenüber, und das aus guten Gründen: Hier werden immense Lebensraumflächen überbaut, ohne dass Fragen wie Flächenverbrauch, Nachhaltigkeit und Zukunftssicherheit wirklich bis zum Ende geklärt sind. Gerade die Zerschneidung und der Verlust von wertvollen Lebensräumen stellen erhebliche Risiken für viele Arten dar. Jetzt gibt es eine wissenschaftliche Studie, deren wertvolle Einblicke für die ökologische Planung von Solarparks wichtige Impulse geben können.
Die Studie „Mixed plant and arthropod biodiversity responses to solar park establishment on former agricultural lands“ hat untersucht, wie sich nach der Umwandlung landwirtschaftlich intensiv genutzter Flächen in Solarparks die Biodiversität von Pflanzen und bodenlebenden Arthropoden verändert hat. Dabei wurden Artenvielfalt und Biomasse verschiedener Gruppen, wie Blütenpflanzen, Wildbienen, Schwebfliegen, Heuschrecken, und anderer Insekten in Solarparks mit denen in intensiv genutzten Agrarflächen sowie extensiv bewirtschafteten Graslandflächen verglichen.
Die Untersuchung zeigte, dass in Solarparks insgesamt mehr blütenreiche Pflanzen und eine höhere Anwesenheit von Bestäubern vorhanden sind als auf den vorherigen Ackerflächen. Besonders die Bereiche zwischen den Solarpanelreihen, die extensiv bewirtschaftet werden, stellten wertvolle Habitate dar. Allerdings profitieren nicht alle Arthropodengruppen gleichermaßen: Die Biomasse bodenlebender Arthropoden, also zum Beispiel der wichtigen Laufkäfer, war in Solarparks niedriger als in extensiven Grasländern, was auf Störungen während des Umbruchs und die Schattenwirkung der Solarpanele zurückzuführen sein könnte.
Für den naturschutzfachlichen Nutzen ist entscheidend, wie der Solarpark „gepflegt“ wird. Wird die Fläche extensiv bewirtschaftet, werden also wenig bis kein Dünger und Pestizide eingesetzt, das Mähen reduziert und zeitlich auf Blütezeiten abgestimmt sowie eine naturnahe Beweidung eingesetzt, verbessert sich die Biodiversität deutlich. Strukturelle Elemente wie Hecken oder Saumbiotope fördern zusätzlich die habitatliche Vielfalt und damit die Biodiversität.
Aus unserer bisherigen Erfahrung wissen wir, dass viele Solarparks leider oft nach konventionellen landwirtschaftlichen Kriterien oder rein energetischen Aspekten gemanagt werden. Häufig werden die Flächen regelmäßig und intensiv gemäht, ohne dass Blühzeiten oder ökologische Rückzugsräume berücksichtigt werden. Das führt natürlich dazu, dass biodiversitätsfreundliche Effekte der Anlage völlig ungenutzt bleiben oder sogar negative Folgen eintreten. Die Studie zeigt, dass bereits kleine Anpassungen, wie die Änderung der Mähpraxis oder die Anlage von Blühstreifen, erheblich positive Wirkungen entfalten können.
Zusammenfassend liefert die Studie fundierte wissenschaftliche Belege, dass ein umweltverträgliches Management von Solarparks möglich und notwendig ist, um ökologische Risiken zu minimieren und ökosystemare Chancen bestmöglich zu nutzen. Für ihre Planung und Genehmigung bedeutet das: Biodiversität sollte von Anfang an als zentraler Bestandteil betrachtet werden. Die Ausweisung von Flächen sollte nicht nur aus Flächensicht erfolgen, sondern ökologische Qualitäten und Nutzungshistorie miteinbeziehen. Das Managementkonzept muss klare, naturschutzorientierte Vorgaben enthalten, die unter anderem eine extensive Nutzung, den Verzicht auf chemische Inputs und die Förderung von Lebensraumheterogenität sicherstellen. Nur so können Solarparks im Einklang mit den Zielen des Naturschutzes und der Energiewende gestaltet werden.
Diese Erkenntnisse fordern uns heraus, Solarparks nicht pauschal abzulehnen, sondern sie als multifunktionale Landschaftselemente zu begreifen. Durch eine gezielte ökologisch ausgerichtete Planung und eine naturorientierte, nachhaltige Pflege können die PV-Flächen dann sogar einen Beitrag zum Erhalt und zur Förderung der Biodiversität leisten. Für uns bedeutet das, dass wir weiterhin kritisch bleiben, zugleich aber die Chance sehen, aktiv mitzugestalten und Verbesserungen in Planung und Betrieb von Solarparks einzufordern.
EK
Die vollständige Studie in englischer Sprache finden Sie hier
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Als Betreiber einer Freiflächenanlage und Jäger würde ich mich darüber freuen, konkrete Empfehlungen zu erhalten was wir auf unserem Grundstück verbessern können.
Sehr gerne! Es gibt bereits einige gute Vorschläge, die wir auf unserer Webseite einstellen. Einen ersten Aufschlag machte der LJV Schleswig-Holstein. Die Broschüre kann man unter diesem Link herunterladen. https://ljv-sh.de/photovoltaik-landesjagdverband-setzt-massstaebe-fuer-solarparks/
Inzwischen wurden auch für die Gestaltung von Agri-PV Anlagen viele gute Ansätze entwickelt.
Die Anlage von FreiflächenPV ist erstrangig ein Geschäftsmodell, das für den Betreiber (und dem Verpächter) ordentlich Kohle einbringt. Die Auswahl der Flächen für PV ist – wenn alle denkbaren Dachlandschaften, Parkplätze, Hauswände in Gewerbe und Industrie belegt sind – entscheidend für die Folgegestaltung und ob diese überhaupt bebaut werden sollen.
Auf keinen Fall sollten entwässerte Moorböden mit PV überbaut werden. Moorböden müssen für die hochbedrohte Biodiversität und die Wasserrückhaltung, Grundwassererneuerung und den Klimaschutz, die dauerhafte Wiederherstellung als Kohlenstoffsenke neu belebt werden. Im Neuburger Donaumoos sind bald 300 ha technisch überbaut und für den Klimaschutz 20 + X Jahre blockiert und setzen weiterhin 40 Tonnen Klimagase (CO2-ÄQUIVALENTE je Hektar/Jahr frei. Das ist NICHT NACHHALTIG und daher grundsätzlich abzulehnen.
Wie sich Boden und Tierwelt bei Sonne im Sommerhalbjahr um die 80°C heißen Module verhalten, ist noch völlig unklar; Libellen, die auf die wasserähnlich reflektierenden Module ihre Eier abwerfen, sind verloren.
Dass wir Solarstrom brauchen, ist unstrittig. Dass aber die Renaturierung von Mooren auch von „überragenden öffentlichen Interesse“ ist, wurde leider bisher übersehen!