Die Wiederansiedlung großer Beutegreifer ist ein Balanceakt. Sie sind wichtiger Bestandteil für stabile Ökosysteme, und gleichzeitig sind solche Projekte oft teuer, riskant und umstritten.
Ein spannendes Beispiel aus den Rocky Mountains zeigt jedoch, dass es gelingen kann: Zwischen 1999 und 2006 wurde der Kanadische Luchs (Lynx canadensis) in Colorado erfolgreich wiederangesiedelt. Dabei wurden viele Erfahrungen gemacht, die helfen, künftige Auswilderungen besser zu planen und zeigen, dass es Geduld, Vorbereitung und Nachsorge braucht.
Luchse waren im Süden der USA einst weit verbreitet. Die Bestände wurden jedoch durch Lebensraumverlust, Bejagung und Giftköder vollständig vernichtet. Die Wildtierbehörde Colorados startete 1999 ein großes Wiederansiedlungsprojekt, um das Ökosystem wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Dabei wurden 218 Luchse aus Alaska und Kanada eingefangen, nach Colorado gebracht und im Hochgebirge der San-Juan-Berge freigelassen.
Jedoch zeigte sich bald, dass nicht nur „wo“, sondern auch, „wie“ man die Tiere freilässt, über deren Leben und Tod entscheiden kann. Zu Beginn wurden die Tiere im sogenannten „Hard Release“ direkt nach tierärztlicher Untersuchung freigelassen. Die Folgen waren tragisch: Drei von vier Luchsen verstarben innerhalb weniger Wochen an Hunger.
Beim „Soft Release“ verbrachten die Luchse zunächst fünf bis sechs Wochen in einer großen Auswilderungsstation, wo sie sich erholen konnten und ihren Ernährungszustand verbesserten. So konnten deutlich höhere Überlebenschancen erreicht werden.
Trotz aller Vorbereitung blieben die ersten Monate kritisch. Die Sterblichkeit außerhalb des ausgewiesenen Wiederansiedlungsgebietes war 1,6-mal höher als innerhalb. Die häufigsten Todesursachen der Luchse waren Schussverletzungen, Verkehrsunfälle, Pestinfektionen und in den Anfangsjahren auch Hunger.
Anhand dieser Erkenntnisse konnten Freilassungen besser geplant werden und Risiken wie Straßen oder Konflikte mit Menschen frühzeitig erkannt und entschärft werden.
Die Studie zeigt: Erfolgreiche Wiederansiedlungen brauchen Geduld, Vorbereitung und intensive Nachbetreuung. Tiere sollten nicht direkt, sondern nach einer vorbereitenden Eingewöhnungszeit entlassen werden. Außerdem eignen sich nur gesunde adulte Tiere, die idealerweise im Frühjahr freigelassen werden. Ein laufendes Monitoring der Tiere ist dabei unverzichtbar, um Probleme frühzeitig zu erkennen und reagieren zu können.
Die richtige Vorbereitung ist folglich essenziell, um Wiederansiedlungen erfolgreich durchzuführen. Die wertvollen Erfahrungen des Colorado-Projekts sind nicht nur ein relevant für den Luchs, sondern ein wichtiger Baustein für den Artenschutz weltweit. Auch bei uns könnten solche Erkenntnisse entscheidend sein, wenn wir einst verschwundene Arten wie Luchs, Wolf oder Biber wieder dauerhaft in unseren Landschaften ansiedeln möchten.
Zur original Studie in englischer Sprache gelangt Ihr hier
Bildquelle: Symbolbild: Mingo123/Pixabay.de
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