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Donnerstag, 23. Oktober 2025

Scrollicon
Ein kleiner dunkelbrauner Marder mit weißer Schnauze schaut hinter einem Busch hervor.
23. Oktober 2025, 17:30    office@wildes-bayern.de

Das Geheimnis um den ausgestorbenen Nerz


Der Europäische Nerz ist in Deutschland wie auch in ganz Mitteleuropa so gut wie ausgestorben, die Gründe hierfür sind nicht abschließend geklärt. So steht es auf der Internetseite des Bundesamts für Naturschutz. Dann ist die Rede von Gewässerverschmutzung und -ausbau, Nahrungsmangel, Jagd und Verdrängung durch den Mink.

Der Zoologe Vladim Sidorovich hat jetzt eine völlig neue These aufgeworfen – Jahrzehnte, nachdem er am Europäischen Nerz in Belarus geforscht hat und leider auch Jahre, nachdem diese Art dort ausgestorben ist. Vorher, zwischen 1988 und 2000 fand im Paazierre-Gebiet eine Studie zum Europäischen Nerz statt, der dort damals bereits kurz vor dem Aussterben stand und teilweise mit Aussetzungen gestützt wurde. Speziell zwischen 1995 und 1997 forschten Sidorovich, Prof. Dr. David Macdonald and Dr. Hans Kruuk an der Frage, welche Rolle der Nerz unter den semi-aquatischen Beutegreifern dort einnahm. Sie besenderten 38 Europäische Nerze, und zwischen 1998 und 2000 nochmal weitere elf.

Für die Zoologen war es sicher wenig überraschend, dass sie Angriffe des Amerikanischen Mink auf den Europäischen Nerz dokumentieren konnten, von denen weibliche, führende Individuen in ungeeignete Lebensräume verdrängt wurden, wodurch wiederum die Jungensterblichkeit hoch war. Die fatale Rolle des Amerikanischen Mink war vorher schon bekannt, und die Faktoren erklärten den massiven Rückgang des Europäischen Nerzes so gut, dass die Forscher nach Sidorovichs heutiger Ansicht einen wesentlichen Punkt übersahen: Die Prädation durch den Rotfuchs. Tatsächlich, beschreibt der Forscher, wurden allerdings mindestens 28 der 49 besenderten Nerze von Füchsen getötet.

Sidorovich kann anhand seiner Daten belegen, dass zwar gesunde Bestände von Wolf und Luchs in naturnahen Wäldern eine Rotfuchspopulation in Schach halten können. In einer landwirtschaftlich geprägten Landschaft mit weniger Wald hingegen kann diese um das 30- bis 100-fache höher sein. Der Zoologe hält deshalb drei Punkte für das Überleben des Europäischen Nerzes in einer Landschaft für unabdingbar:

Abwesenheit oder minimale Präsenz von Amerikanischen Minks, eine Rotfuchsdichte von maximal 0,3 Individuen pro Quadratkilometer, und – bei Freilassungen – ein Auswilderungstraining für Nerze in Gehegen für bis zu 100 Tiere von 8 bis 12 Hektar Größe, inklusive Teichen, Fließgewässern, für mindestens ein Jahr. Sidorovich: „Ein zahmer Rotfuchs, der gefüttert wird, sollte ebenfalls in diesem Gehege leben. Er mag zehn oder 20 Nerze töten, aber die Überlebenden werden gelernt haben, Füchse zu fürchten, was ihre Überlebenschancen dramatisch steigert.“

Den vollständigen Bericht im Blog von Vladim Sidorovich in englischer Sprache finden Sie hier

Bildquelle: S. Nagel/Pixabay.de




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