Blogpost
Dienstag, 10. Dezember 2024

Scrollicon
Ein Eichhörnchen schaut frech um einen Baumstamm herum
10. Dezember 2024, 16:16    Christine Miller

Eichhörnchen – kluge Akrobaten zwischen Gefahr und Futter


Vielleicht liegt es daran, dass Eichhörnchen in den Bäumen über uns leben und so immer einen guten Überblick haben. Jedenfalls sind sie kluge Strategen und geschickte Manager ihres Tagesablaufs und ihrer Bedürfnisse. Das zeigte jetzt auch wieder eine Studie des Instituts für Zoo- und Wildtierforschung Berlin (IZW), die Daten aus der Zeit der COVID-Pandemie auswertete.

Die ergab: Eichhörnchen passen ihre tageszeitlichen Aktivitäten flexibel an die Anwesenheit von Menschen, Hunden, Katzen und Beutegreifern wie Steinmardern an. Ziel der Eichhörnchen ist es, Nahrungs-Ressourcen effizient zu nutzen und dabei das eigene Sterblichkeitsrisiko zu minimieren.

Insbesondere die ständige Störung durch Haustiere, wie freilaufende Katzen, zwingt die kleinen Nager, ihren Aktionsradius räumlich und zeitlich deutlich zu beschränken, zeigte die IZW-Studie. Katzen bilden die größte Bedrohung für Eichhörnchen, stellten die Forschenden fest und bestätigten damit frühere Untersuchungen, die negative Auswirkungen von Katzen auf Eichhörnchen und andere Wildtiere zeigen.

Während die Katzen jederzeit auftauchen können, sind zum Beispiel Steinmarder nur nachts präsent, so dass die Eichhörnchen zu ihrem normalen Verhalten zurückkehren können, wenn sie wieder weg sind. Wegen der Katzen meiden sie jedoch bestimmte Gebiete gänzlich und sind in anderen nur in kurzen Zeiträumen aktiv.

Hunde gelten aus Eichhörnchensicht offenbar oft als Stellvertreter für menschliche Aktivitäten, da Menschen mit ihnen spazieren gehen oder sie meist nur in den Garten lassen, wenn jemand zu Hause ist, zumindest in Berlin. In den stündlichen und saisonalen Analysen der Wissenschaftler zeigte sich jedenfalls kein signifikanter Einfluss von Hunden auf das Verhalten von Eichhörnchen.

Das Berliner Citizen-Science-Projekt „Wildtierforscher“ zeichnete 2019 und 2020 in vier Erhebungsphasen, darunter Frühling und Herbst vor und während der SARS-CoV-2-Lockdowns, die Aktivitäten der Eichhörnchen mit Wildtierkameras auf.

Dabei zeigte sich, dass während der Covid-Lockdowns die Aktivität der Eichhörnchen in Gärten zunahm. In dieser Zeit blieben die meisten Menschen zu Hause, einige nutzten die Gelegenheit, ihre Gärten mit lokalen Pflanzenarten oder Vogel- und Eichhörnchenfutterstellen wildtierfreundlicher zu gestalten.

Diese Beobachtung unterstreicht die Bedeutung von Garten- und Stadtgestaltung für das Wohlergehen urbaner Wildtiere. Städtisches Umfeld und Gärten bietet gerade Kleinsäugern einen Schutz vor Greifvögeln, die zwar in der Stadt häufig vorkommen, sich von Menschen aber weitaus stärker fernhalten als Eichhörnchen.

Die genauen Ergebnisse sowie die früherer Studien und eine spannende Dokumentation aus der ARD-Mediathek zum Thema Tiere und Lockdown findet Ihr hier




Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.






Weitere Beiträge zu diesem und verwandten Themen finden Sie hier:

Feld- und Schneehase: Wie teilen sie sich die Nahrung?

Zu wenige Städte nutzen Grün fürs Klima

Pflanzenfresser ansiedeln statt auslöschen!

Was unsere Vögel wirklich beeinflusst

Wie Wildtiere Spurenelemente verteilen

Junge Steinadler verraten Wichtiges über Nesthocker

Käferstudie zeigt, wie sich Elternfürsorge auszahlt

Aale brauchen Lebensraum, aber vor allem Beute

Was ein Wehr für einen Jungfisch bedeutet

Eichhörnchen sind eine Leitart für Stadtnatur

Bäume sind Gesundheitssschutz – wichtige Entscheidung aus Regensburg

Wölfe – nicht die Jagd bewegt sie, sondern die Beute!

Entwurmungsmittel bringt Nahrungskette durcheinander

Amerikanische Bisons als Blaupause für unser Wild UPDATE

Braunkehlchen, so zäh wie winzige Ironmen…

Mehrjährige Grashalme als Hotspots der Insektenvielfalt

UPDATE Katastrophe am Gewässergrund: Massensterben von Muscheln

Wer einen Vogel hat, ist klarer im Kopf

Archäologie im Bartgeierbett

Das Hermelin – im Klimawandel bald gefährdet?

Rotwild-Genetik-Studie: Kanibers Hütchenspieler

Allmende – Weiden für unser aller Artenvielfalt

Unordnung im Wald zahlt sich in Arten aus

Wenn der Weg das Ziel ist – was Staudämme mit Flussfischen machen

Petition: Finger weg von unseren Stadtwäldern!

Fördert der Mensch als „Schutzschild“ den Goldschakal?

Buchtipp: Von Pflanzen, die sich mögen & Tieren, die uns helfen

Zum Tag der Wanderfische: Mehr Schutz durch die Bonner Konvention!

Nicht alle Insekten sind der Stadt gewachsen

UPDATE Böllerverbot: Petition und neuer Antrag






Aktuelle Informationen



Tipp: Arbeitsbuch "Kinder lernen Waldtiere kennen" Keiner, der Kinder an die Natur und Wildtiere heranführen will kommt an diesem Arbeitsbuch vorbei. Der renommierte Lehrmittel Verlag hat…

Dienstag, 22. September 2026
Jetzt lesen
9. - 11. Oktober Messe Grünau - Neumitglieder kommen kostenlos rein! Vom 9. bis 11. Oktober findet in Grünau bei Neustadt/Donau die beliebte Jagd- und Naturmesse "Jagd- und Schützentage" statt. Wildes…

Dienstag, 22. September 2026
Jetzt lesen
Naturvortrag mit Filmvorführung "Bärchen-Wintermärchen" Naturfotograf Emil Jenne aus Kirchenthumbach lädt zu einem Lichtbild-Naturvortrag "Ein fotografischer Natur­spaziergang durch die Fränkische Schweiz" mit anschließender Film-Premiere ein.…

Dienstag, 22. September 2026
Jetzt lesen

Mitglied werden